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Naturfreundehaus: Pächterwechsel am Hahnenschnabel

Nach 16 arbeitsreichen Jahren beendet das Wirte-Ehepaar Beck seinen Dienst im Heidenheimer Naturfreundehaus. Die Nachfolge ist noch unklar.

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Am Sonntag verabschiedet sich das Wirte-Ehepaar Johannes und Dorothea Beck nach 16 arbeitsreichen Jahren von seinen Gästen. Fraglich ist, wer ihnen ab Dezember nachfolgt.  Foto: 

Wie so viele Vereine sorgen sich auch die Heidenheimer Naturfreunde um ihre Zukunft. Inzwischen ist die Zahl der Mitglieder auf 100 zusammengeschnurrt. Nachwuchs? Fehlanzeige. Trotzdem werden die Überlegungen, den Verein aufzulösen, seit Jahren immer wieder verworfen. Das Haus am Hahnenschnabel, das über Jahre angesparte Geld – es würde alles an den Landesverband fallen.

„Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, alles dafür zu tun, dass es hier oben weiter geht“, sagen Norbert Fandrich und Karl Seebich. Seit Monaten schreiten sie Seite an Seite ihrem gemeinsamen Ziel entgegen und halten es damit wie ihre Vorgänger, die für den Bau des ersten Naturfreundehauses am Galgenberg im Jahr 1925 viel Lob geerntet hatten: „Die Welt kann nicht geformt werden durch billige Witze, sondern durch den Geist der schaffenden Arbeit. Der ewige Schöpfungsgeist in der Natur bringt die Menschen zusammen.“

Rund 300 Arbeitsstunden sind eingeplant, um die zwei anstehenden Mammut-Aufgaben zu bewältigen. Aufgabe Nummer eins: Umbau und Erneuerung. Der aus hellem Holz gezimmerte Thekenbereich ist in die Jahre gekommen. Die Verbindung zwischen Küche und Gastraum soll offener und heller gestaltet und mit einer Zapfanlage ausgestattet werden. Außerdem ist eine Tür von der Küche direkt ins Nebenzimmer geplant, damit Festgesellschaften ohne den umständlichen Umweg durch den Gastraum bedient werden können. Auch die Kühlelemente für die Getränke, der Kühlraum für Lebensmittel, die Spülmaschine und die Absauganlage sind veraltet. „Alles mindestens zwanzig Jahre alt“, sagt Fandrich. „Funktionell in Ordnung, aber Energiefresser ohne Ende.“ Die Kosten belaufen sich auf 100 000 Euro. 50 000 Euro müssen die Naturfreunde aus eigener Tasche bezahlen, den Rest gibt's vom Land Baden-Württemberg als Zuschuss dazu.

Die Arbeiten sollen am 4. Oktober beginnen und noch vor Wiedereröffnung im Dezember abgeschlossen sein. Bei Aufgabe Nummer eins ist also ein Ende in Sicht, Aufgabe Nummer zwei hängt dagegen noch in den Seilen. Fest steht: Am kommenden Sonntag verabschiedet sich das Wirte-Ehepaar Johannes und Dorothea Beck nach 16 arbeitsreichen Jahren mit einem Grillfest von seinen Gästen. Fraglich ist, wer sich dann ab Dezember um Leib und Wohl der Gäste kümmern wird. Um die zehn ernsthafte Bewerber habe es gegeben, berichten Seebich und Fandrich, fünf seien in die engere Auswahl gekommen, nun verhandle man mit zwei Kandidaten aus Heidenheim, von denen viel mehr erwartet wird als eine Ausbildung in der Gastronomie. Auszug aus dem Pachtvertrag: Pflicht zu Toleranz, Demokratie, Humanität, Solidarität. Seebich: „Wir wünschen uns außerdem, dass das Haus im Grundsatz bestehen bleibt. Regionale Küche und Getränke, Nichtraucherhaus, umweltfreundliches Wirtschaften. Außerdem soll der Pächter im Haus wohnen, was bei einem Übernachtungsbetrieb ja auch Sinn macht.“ Im vergangenen Jahr zählten die Naturfreunde 2800 Übernachtungsgäste, Tendenz sinkend. Auch hier setzen die Naturfreunde auf Erneuerung. Sobald wieder Geld da ist, sollen die Zimmer Duschen und Toiletten bekommen – Standard in deutschen Übernachtungsbetrieben.

Als zu Pfingsten im Jahr 1925 das neue Naturfreundehaus am Hahnenschnabel über dem Brenztal eingeweiht wurde, war die Stadt für zwei Tage im Ausnahmezustand. Die Heidenheimer Tageszeitung berichtet von Willkommensfahnen am Bahnhof, einer Begrüßungsfeier mit Chor, Musikkapelle und Turnergruppe im Konzerthaus, einem Festakt auf Schloss Hellenstein und einem Festzug hinauf zu dem „schönen Haus, das sich herrlich in die Landschaft einpasst“. Der Bau bezeuge die schöne und wahre Mär vom Aufgang des deutschen Idealismus und verkörpere die reine Liebe zur Natur, Gleichheit, Freiheit. Redakteur Fritz Schneider sah in dem Bau eine „kulturelle Tat, hervorgebracht durch das Wandern: Dieses Haus ist eine Rebellion gegen Alkohol, Zigaretten und die schlechten Sitten, eine Rebellion gegen die dumpfen Kneipen und gegen unsere Zeit.“

Es ist anzunehmen, dass der neue Pächter seinen Einstand in einem kleineren Rahmen geben wird. Ganz ohne Fahnen am Bahnhof und Festakt auf dem Schlossberg. Aber vielleicht, so hoffen Fandrich und Seebich, mit sauren Kutteln auf der Speisekarte. „Die gab es bisher auch immer, und es wäre schön, wenn es die auch weiterhin geben würde. Die waren echt lecker.“

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