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Nachbarschaftsstreit? Zum Kuckuck mit dem krähenden Hahn!

Eine Familie freut sich an artgerechter Hühnerhaltung, aber die Bewohner nebenan klagen über nächtliche Lärmbelästigung. Was tun?

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Der Stein des Anstoßes ist nicht zu sehen: Der vorlaute Hahn war beim Pressebesuch eher kleinlaut und verzog sich in den Hintergrund. Forscher waren da schon die Hühner, die vom Futter angelockt als Fotomodell herhalten.  Foto: 

Seit im Garten nebenan Hühner scharren und Hähne krähen, ist es vorbei mit der freundschaftlichen Nachbarschaft. Die einen freuen sich an ihren Tieren, die anderen würden den Hähnen am liebsten den Kragen umdrehen, wenn sie nachts zum Krähen ansetzen. Beide Seiten haben ihre Argumente.

Als die sich gestört fühlende Familie vor vielen Jahren die Wohnung im Mehrfamilienhaus im Heidenheimer Westen gekauft hatte, gab es die Hühnerhaltung gegenüber noch nicht. Heute läuft im Nachbargarten eine muntere Hühnerschar umher. Auf dem Balkon sitzt die Familie nicht mehr gerne.

„Uns hat niemand gefragt“

Die erwachsene Tochter, deren Schlafzimmerfenster direkt zum Hühnerstall zeigt, schläft selbst im Sommer bei geschlossenem Fenster. Denn Nachbars Hähne krähen manchmal schon um 4 Uhr morgens. „Uns hat niemand gefragt, als die Hühner angeschafft wurden“, ärgert sich die Nachbarin. Auch ein anderer Hausbewohner hat die Schnauze voll. „Zuerst war es ärgerlich, aber es waren nur ein paar Hühner. Mit der Zeit wurden es mehr. Ein Hahn kräht immer. Einer lauter als der andere. Sieben Tage die Woche“. Für ihn als Schichtarbeiter mit unregelmäßigem Schlafrhythmus ganz besonders schlimm.

Zu den krähenden Hähnen kamen im vorigen Jahr noch Gänse, die nach Beschreibung der Nachbarn zu „ohrenbetäubendem Lärm“ fähig sind. „Hier wird in erster Linie gewohnt. Wir befinden uns nicht auf dem Land mit bäuerlichen Betrieben ringsherum, wir leben in der Stadt“. Die Anwohner hatten bereits Kontakt mit dem Ordnungsamt, doch helfen konnte niemand. Laut Stadt ist die Tierhaltung Hobby und deshalb erlaubt.

Zur Belästigung durch krähende Hähne in Wohngebieten gibt es eine Fülle gerichtlicher Entscheidungen. Teilweise werden regelrecht Stundenpläne festgelegt, wann ein Hahn krähen darf und wann er für die Nachbarn unhörbar, also zum Beispiel im schalldicht isolierten Stall, einzusperren ist. Grundtenor der Gerichte: Auf dem Land muss man mehr tolerieren als im Stadtgebiet.

„Hier waren immer Tiere“

Nun ist das Wohngebiet am Rande von Heidenheim, nicht weit entfernt liegt der Talhof. „Es werden hier Tiere gehalten, seit hier Häuser stehen“, erzählt die Familie, die die Hühner mit viel Freude hält. Die Nachbarn zu verärgern, das wollten sie nicht. Den meisten Nachbarn, so ihre Erfahrung, gefielen die frei laufenden Hühner und Gänse im großen Garten. Klagen habe sie bisher nur von einer Familie gehört, andere hätten sich nicht gemeldet. Dass die Hühner nicht vor der eigenen Balkontüre scharren, sondern im hinteren Gartenteil und damit direkt vor dem Mehfamilienhaus, habe einen ganz praktischen Grund: Dort steht der Schuppen für die Hühner. Würden sie nicht jede Nacht eingesperrt, würde der Fuchs sie holen. Weil sie um die gestörte Nachbarfamilie weiß, lasse sie die Hühner neuerdings erst nach acht Uhr morgens aus dem Stall in der Hoffnung, dass die Hähne bis dahin ruhig bleiben.

Die Hühner gehören zu einer Rasse, die sowohl Eier legt als auch später geschlachtet werden kann. Um jedes Jahr eine neue Generation heran zu ziehen, brauche man zum Befruchten der Eier auch die Hähne, erklärt die Züchterfamilie, warum sie auf die Hähne nicht verzichten können. Und natürlich schlüpfen dann auch wieder neue Hähne, die nach vier Monaten ebenfalls zu krähen beginnen. „Die Alternative wäre, die Hähne zu verhäckseln aber das will doch niemand“, so die Tierhalterin.

Die um die Ruhe gebrachten Nachbarn wissen sich im Moment keinen Rat mehr. Sie hoffen, dass es doch irgend eine Lösung gibt, die Hähne nachts ruhig zu stellen. Doch welcher Hahn lässt sich schon das Krähen verbieten?

Link: Hier gibt es mehr Beiträge über Tiere

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