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Mitch Winehouse: Flieg' mich auf den Mond

Herrliche Frank-Sinatra-Songs gab es im Rittersaal. Dabei kokettierte Mitch Winehouse vor knapp 500 Besuchern nicht mit seinem Namen, den die Tochter Amy berühmt gemacht hat: Der Sinatra-Song „Fly Me To The Moon“ sei ihr Lieblingslied als Kind gewesen.

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Starker Auftritt: Mitch Winehouse und die SWR-Big-Band im Rittersaal auf Schloss Hellenstein.

Klaus Wagenleiter, der Chef der auch für solistische Klasse stehenden SWR-Big-Band, genoss es sichtlich, „an den Ort der ersten Sünden zurückzukehren“. Der aus Heidenheim stammende Pianist und Bandleader begleitete mit seiner Truppe am Sonntagabend im Rittersaal auf Schloss Hellenstein bei „Jazz zur Festspielzeit“ Mitch Winehouse.

Der Star des Abends erwies sich mit seiner betörenden Stimme in Lage und Umfang gar nicht weit von „The Voice“ entfernt. Und es gab herrliche Frank-Sinatra-Songs zu hören im Rittersaal. Winehouse kokettierte vor knapp 500 Besuchern nicht mit seinem Namen, den die Tochter Amy berühmt gemacht hat: Der Sinatra-Song „Fly Me To The Moon“ sei ihr Lieblingslied als Kind gewesen – und „Nearness Of You“ ihre erste Schallplattenaufnahme mit 17 Jahren.

So schwebten der Geist von Amy Winehouse und von „Frankie Boy“ gleichzeitig über dem Ganzen, aber man merkte, dass Mitch Winehouse nicht nur einfach coverte, sondern seine eigene charakteristische Intention in seine Stimme legte. „Almost Like Being In Love“ hatte jene lässige Eleganz in der Stimme, deren Umfang bei Mitch doch beachtlich war.

Zuletzt war er Taxifahrer in London

So sang hier nicht etwa ein „Spätberufener“, nein, in seiner Jugend hatte er auch gesungen, musste sich aber einen Brotberuf suchen, zuletzt Taxifahrer in London, ein Job, bei dem fast ein Geographiestudium als Voraussetzung gilt. Doch daran dachte man nicht, als er das „Girl From Ipanema“ mit erotischen Touch lostraben und mit spitzbübischem Lächeln zum „Girl From Heidenheim“ werden ließ, „tall and tan“, also groß und braungebrannt und allen Männern den Kopf verdrehend. Das gibt es unter dem Hellenstein gewiss auch.

Die SWR-Big-Band spielte stets mit schwirrender Energie, luftig und dennoch von enormer klanglicher Präsenz. „Quiet Nights“ erklang mit wenig Blech, aber der Miles-Davis-Titel von 1964 hatte seinen besonderen Charme bei „kleiner“ Besetzung.

Doch dann krachte es wieder bei „April in Paris“, und Mitch ermunterte immer wieder das Orchester: „Swing it, boys“. Dazu Winehouse mit einem Hauch britischer Noblesse und subtilem Understatement. Seine Stimme hatte jene unwiderstehliche suggestive Kraft in fast allen Lagen.

Viel zu schnell zu Ende

Amys Debüt „Nearness Of You“ kam mit einem Hauch von Melancholie. Der Kaffee-Hit „Night And Day“ aber hatte wieder jenen übermütigen Schwung, und bei „Wave“ hörte man den Londoner Dialekt heraus, wo es wie „wife“ klingt und offenbar einige Zuhörer belustigte. Doch so markante Stücke wie „Please Baby Don't“ oder der Count-Basie-Ohrwurm „One O'Clock Jump“ begeisterten, und Mitch verlieh „Day In Day Out“ kräftige Farben. Viel zu schnell ging dieser inspirierende Abend zu Ende. „Fly Me To The Moon“ und „I've Got You Under My Skin“ durften natürlich bei der großen Sinatra-Hommage nicht fehlen, und „Learning The Blues“ schien von eigener Erfahrung zu erzählen: „Wenn du fühlst, dein Herz zerbricht, lernst du den Blues.“

Das blieb nicht die einzige Zugabe, und man verabschiedete sich von einer großartigen Big Band und ihrem junggebliebenen Leiter und Moderator des Abends. Aber er wie Mitch Winehouse samt Band schienen ebenso großen Spaß an diesem Abend empfunden zu haben wie das begeisterte Publikum. Und nicht nur Amy wäre sicher stolz gewesen auf ihren Dad, der das Zeug zu etwas Großem in sich hat.

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