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Mit der Kunst den Kampf aufnehmen gegen den Krebs

Kunsttherapie Vor zehn Jahren wurde am Klinikum Heidenheim begonnen, Patienten mittels Kunst zu therapieren. Ab Freitag gibt's dazu eine Ausstellung.

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Bilder wie diese wird es ab 7. Oktober im Foyer des Klinikums zu sehen geben. Sie sind das Ergebnis der Kunsttherapie, die seit nunmehr zehn Jahren den Patienten der Onkologie und Palliativmedizin angeboten wird.Foto: Privat

Nach Tagen oder Wochen der nagenden Unsicherheit erhält ein Patient die Diagnose: Krebs. Plötzlich steht die Zeit still. Zukunftspläne weichen der Verzweiflung, Selbstbestimmtheit wandelt sich in Resignation. Aus dem täglichen Leben wird eine Kette von Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten, vernichtenden Diagnosen und nebenwirkungsträchtigen Behandlungen.

Nahezu unweigerlich ist die Diagnose Krebs mit Fragen der Sinnhaftigkeit und der Endlichkeit des Lebens verbunden. Besonders wichtig wäre es in dieser Zeit für Betroffene, über Nöte und Ängste zu sprechen. Nicht selten jedoch verfallen sie aber in einen schockähnlichen Zustand, der teilweise mit einer umfassenden Sprachlosigkeit einhergeht. Dadurch haben Betroffene keine Möglichkeit, ihr Leid zu teilen.

Und der Sinn des Lebens?

Genau an dieser Stelle setzen die verschiedenen Formen der Kunsttherapie an: sich ausdrücken ohne Worte. Als gebräuchlichste Form gilt dabei die gestaltende Kunsttherapie, häufig im Sinne einer Maltherapie. Diese wurde vor nunmehr zehn Jahren am Klinikum Heidenheim im Bereich Palliativmedizin und Onkologie eingeführt.

Die Kunsttherapie zu einer bleibenden Einrichtung am Klinikum zu machen, wäre aber vermutlich nicht gelungen, hätten der Förderverein Palliativmedizin sowie die Geschäftsleitung des Klinikums nicht zugesagt, die Kunsttherapie nicht nur beim Start, sondern schließlich auch kontinuierlich über Jahre hinweg zu unterstützen.

Betreut und weiterentwickelt wird die Kunsttherapie seit sieben Jahren von der Kunsttherapeutin Monika Zürn. Zu den Projekten, die von ihr realisiert wurden, zählen das Malprojekt „Dem Leben Farbe geben – Zeichen setzen“ und der „Lebenszeichen-Kalender“. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Kunsttherapie hat Zürn außerdem eine Ausstellung mitgestaltet: Ab 7. Oktober werden Werke von Patienten im Foyer des Klinikums ausgestellt. Für Zürn ist es zugleich ein sehr persönliches Jubiläum, da sie 70 Jahre alt wird und sich am Ende des Jahres in den Ruhestand verabschiedet.

Mit Hilfe der Kunsttherapie ist es am Klinikum gelungen, das seelische Gleichgewicht vieler Patienten wiederherzustellen. Denn Ziel der Therapie in der Onkologie und Palliativmedizin ist es, körperlicher Beschwerden durch Ablenkung und Entspannung zu lindern, innere Bilder, Gefühle und Gedanken auszudrücken und dadurch Ressourcen und Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Außerdem lernen die Patienten neue Sichtweisen kennen, sind aktiv, haben Freude und setzen sich künstlerisch mit dem Tod und dem Sterben auseinander.

Ziele und Motivation

Die meisten Patienten sagen zunächst, sie könnten nicht malen, doch in der Kunsttherapie gibt es kein „falsch“. Jedes Bild ist ein individueller Ausdruck. Durch das kreative Tun kann die Lebensqualität verbessert werden. Denn durch eine neu entdeckte Kreativität erlebt sich der Patient im Tun autonom, in einer Zeit, in der er sich Krankheits- und Therapie-bedingt vielem ausgesetzt fühlt. Er kann ganz neue Stärken entdecken.

Während einige Patienten davon sprechen, dass sie die Welt um sich herum vergessen, wenn sie malen, ist es für andere eine eigene Welt, in die sie eintauchen. Für manche bedeutet das Malen gute Laune, manche möchten ihren Angehörigen ein ganz persönliches Geschenk machen – und wenn es Abschiedsbilder sind. Die Beweggründe, zu Papier und Stift oder Pinsel zu greifen, sind sehr verschieden, und doch haben sie am Ende eines gemeinsam: sie sind für die Ewigkeit.

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