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Merkel gibt dem Ehrenamt in Heidenheim die Ehre

Im Congress-Centrum fand Angela Merkel viel lobende Worte für engagierte Bürger im Kreis und nahm auch mancherlei Kritik mit nach Berlin.

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Groß waren die Erwartungen, denn dass die Bundeskanzlerin die Stadt besucht ist kein alltägliches Ereignis. Dass sie sich öffentlich präsentiert, mit den Menschen ins Gespräch kommt und sich ihre Anliegen anhört, gab es in Heidenheim bisher noch nicht.

Und die Erwartungen wurden erfüllt. Denn im Gespräch mit vier ausgewählten Vertretern des Ehrenamts wirkte eine sympathische und volksnahe Angela Merkel interessiert, fragte nach, brachte sich ein und bekannte gleich mehrfach, dass Politik kein einfaches Handwerk ist.

Rund 1200 geladene Gäste aus dem ganzen Kreis, die sich in besondere Weise ehrenamtlich engagieren, hatten am Donnerstagnachmittag im Congress-Centrum die Gelegenheit, eine Kanzlerin zu erleben, die die Sorgen der Menschen ernst nimmt ohne gleich Versprechungen zu machen und die zuhört.

„Sie sind ein tolles Stück Deutschland“, sagte Merkel an die Gäste gewandt. und bedankte sich, ebenso wie OB Bernhard Ilg und Landrat Thomas Reinhardt bei den Engagierten. „Das Ehrenamt wird oft als Kitt der Gemeinschaft bezeichnet, als menschliches Gesicht der Gesellschaft, aber das bezeichnet nur einen Teil dessen. Es ist ein Geben und Nehmen“, so die Kanzlerin.

Wenn zu der Veranstaltung Engagierte aus 500 Vereinen und Organisationen aus dem Kreis eingeladen worden seien, sei das Zeichen dafür, wie bunt und vielfältig hier ehrenamtliches Engagement ist. „Wir müssen aber auch darüber reden, wie sich der Zusammenhalt in der Gesellschaft in Zeiten der Veränderung beibehalten lässt“, sagte Merkel.

Die humanitäre Notlage, die 2015 sehr viel Flüchtlinge nach Deutschland führte, sei vor allem auch für die ehrenamtlichen Helfer „außergewöhnlich belastend und fordernd“ gewesen. „Wir haben eine hochentwickelte Bürokratie und vielen ist da erst klar geworden, was wir uns damit selber antun“, so die Kanzlerin.

Um Merkel über die Situation vor Ort zu informieren aber ihr auch die Probleme aufzuzeigen, mit denen Ehrenamtliche zu kämpfen haben, gaben Ulrich Steeger (Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands), Dorothee Raspel (Koordinierungsstelle fürs Ehrenamt), Dr. Peter Wengefeld (Freundeskreis Asyl) und der HSB-Vorsitzende Volker Wiedenmann Einblicke in ihre Arbeit.

Mehr Anerkennung für Ehrenamtliche

Steeger betonte, dass im Kreis die Feuerwehren allesamt freiwillig seien. Rund 1500 Feuerwehrleute leisteten pro Jahr rund 1000 Einsätze. „Jede Gemeinde hat ihre eigene Grundstruktur und bei größeren Einsätzen gibt es Überlandhilfe.“ Darüber hinaus seien die Feuerwehren ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens, betonte Steeger.

Für das, was die Ehrenamtlichen leisten, bedürfe es aber einer höheren Anerkennung, kritisierte er und brachte einmal mehr die Diskussion um zusätzliche Entgeltpunkte bei der Rente ins Spiel.

Merkel: Alles nicht so einfach

Die Kanzlerin nahm den Ball auf, erklärte jedoch, dass das nicht so einfach sei, weil man schwer festlegen könne, wer für welches Ehrenamt wie viel Punkte bekommen soll.

Ihrer Ansicht nach sollte das Engagement regional vor Ort honoriert werden, sie könne sich aber auch vorstellen, Ehrenamtlichen Hilfen beim Berufseinstieg anzubieten, etwa indem das Engagement auf den NC beim Studium angerechnet wird.

„Wenn ich einen Wünsch frei hätte, würde ich in jeder Stadt über 10 000 Einwohner eine Stelle für die Koordinierung des Ehrenamts bereitstellen“, so Merkel.

Das hält insbesondere Dorothee Raspel für eine gute Idee: „Engagement lässt sich gesetzlich nicht verordnen, aber wenn wir den Menschen Werte geben und den Zugang erleichtern, können wir sie besser gewinnen.“ Raspel sieht einen Schwerpunkt der Zukunft darin, ältere Menschen zu betreuen. Um die dafür nötigen Strukturen aufzubauen, habe Heidenheim die „Caring Community“ eingeführt und bereits erste Erfolge erzielen können.

Hohe bürokratische Hürden

Sowohl Wengefeld als auch Wiedenmann erklärten der Kanzlerin, dass das Ehrenamt sehr häufig mit bürokratischen Hürden zu kämpfen habe. „Der HSB arbeitet mit mehr als 400 ehrenamtlichen Helfern in den unterschiedlichsten Bereichen, aber die Bürokratisierung macht uns alles immer schwerer“, sagte Wiedenmann.

Die Verwaltungskosten hätten sich seit 2009 um 100 000 Euro erhöht, die Hälfte der Mitgliedsbeiträge fließe dorthin. Das beginne bei der Besteuerung, gehe über die Dokumentationspflicht beim Mindestlohn, reiche weit in juristische Bereiche. „Ich habe den Eindruck, dass sich in der Regierung keiner Gedanken darüber macht, wie ehrenamtliche Vereine das überhaupt noch leisten sollen“, so der HSB-Vorsitzende.

Manchmal auf Risiken eingehen

„Wir werden der Entwicklung manchmal nicht mehr Herr“, bekannte die Kanzlerin. „Wenn irgendwo etwas passiert, wird sofort der Ruf nach neuen Regelungen laut.“ Aber jede Form der Rechtssicherheit bringe auch Regelungen und Überwachung. „Deshalb müssen wir uns immer wieder anschauen, was notwendig ist und wo man auch mal ein Risiko eingehen kann“, so Merkel.

Wengefeld beklagte ebenfalls viele bürokratische Hürden, die Flüchtlingshelfern das Leben schwer machen aber auch die sehr schlechte Wohnraumsituation in Heidenheim, die es kaum möglich mache, Wohnungen für Flüchtlinge zu finden. Gleichwohl stellte er das besondere Engagement in diesem Bereich heraus. „Auf 1600 Flüchtlinge sind in den Hochzeiten rund 1000 Helfer gekommen“, betonte er.

Vor allen was den Familiennachzug betrifft, den Wengefeld als belastend für die Flüchtlinge ansprach, bat Merkel um Geduld und betonte, dass sich nicht alles immer gleich lösen lasse.

Dass die Kanzlerin die verschiedenen Anliegen der ehrenamtlich Engagierten ernst nimmt, machte sie deutlich und forderte die Verantwortlichen dazu auf, die Punkte zu sammeln und ihr schriftlich zukommen zu lassen. „Wir können sicherlich nicht alles regeln, aber ich werde schauen, ob sich kleinere Verbesserungen hinkriegen lassen“, sagte Merkel.

Video: Angela Merkels Aufrtitt im CC in voller Länge.

Hier der HZ-Liveblog von Donnerstagnachmittag zum Nachlesen:

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Kommentare

12.05.2017 09:35 Uhr

Kanzlerin In HDH

Es wäre besser gewesen wenn dieser Besuch an einem Wochenende stattgefunden hätte!
Bitte in Zukunft besser Planen um nicht wieder so ein Verkehrschaos zu produzieren!

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