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Mein Zeitungsausschnitt: Der fleischfreie Freitag

Die HZ hat in den vergangenen Wochen aufgerufen, alte Zeitungsausschnitte einzusenden und die Geschichte dahinter zu erzählen. Zahlreiche Schnipsel, Artikel und Fotos haben wir erhalten. Auch von Renate Schach.

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  • Renate Schach hat will das vor rund 55 Jahren in der HZ erschienene Gedicht „Trotzkopf“ (rechts) weiter in Ehren halten. 1/2
    Renate Schach hat will das vor rund 55 Jahren in der HZ erschienene Gedicht „Trotzkopf“ (rechts) weiter in Ehren halten. Foto: 
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Wann genau das Gedicht in der HZ erschienen ist, lässt sich nicht sagen. Das Papier ist jedenfalls stark vergilbt und Renate Schach schätzt, dass der Ausschnitt gut 55 Jahre alt ist. Ihre Eltern haben das Gedicht aus der Zeitung ausgeschnitten. „Vermutlich war es meine Mutter“, sagt Renate Schach. „Als ich noch ein Kind war, konnte meine Mutter Teile davon auswendig vortragen. Daran kann ich mich noch gut erinnern.“ Und auch daran, dass Zeitungsausschnitte zusammen mit Briefen und Glückwunschkarten in einem Holzkistchen im Wohnzimmerschrank aufbewahrt wurden.

Aber warum hat die Mutter das Gedicht überhaupt ausgeschnitten? „Dafür gab es sicher mehrere Gründe“, sagt Renate Schach. „Mein Vater mochte Gedichte. Er las zum Beispiel gerne die Baierische Weltgschicht von Michl Ehbauer.“ Ein weiterer Grund könnte die Ähnlichkeit zwischen dem kleinen Mädchen auf dem Foto und ihr selbst als Kind gewesen sein. Damit meint sie aber weniger die Gesichtszüge als den Sonntagsstaat: Weißes Hänger-Kleidchen, weiße Knie-Strümpfe und gekämmte Haartolle. „So haben uns die Mütter früher an Sonn- und Feiertagen rausgeputzt und stolz hergezeigt“, sagt die 56-Jährige. „Meine Mutter hat Herrenschneiderin gelernt und viele Kleider selbst genäht.“ Sonntagmorgens ging es so schick in die Kirche und danach zum Promenadenkonzert.

Das Gedicht aus den 50er-Jahren beschreibt eine andere Zeit, eine andere Gesellschaftsordnung. „Damals saß mancher Vater bei Kotelett und Bier – so wie es im Gedicht beschrieben ist“, sagt Schach. „Mein Vater hat als Stoffdrucker bei der WCM 10 bis 14 Stunden am Tag gearbeitet. Wenn er heim kam, stand das Vesper und eine Flasche Bier auf dem Tisch.“ Die Mutter habe mit drei Kindern ganz selbstverständlich nicht gearbeitet.

Ihre Kindheit beschreibt Renate Schach als schön. „Wir waren bescheiden, ehrlich, anspruchslos. Aber wir haben uns geliebt gefühlt“, sagt sie. „Man kam von der Schule, das Essen stand auf dem Tisch und es war jemand da, der einem zuhört.“ Manches sei gut gewesen in der alten Zeit. Um sich daran zu erinnern, liest Renate Schach das ausgeschnittene Gedicht auch heute noch dann und wann. „Damals gab es in jedem katholischen Haushalt freitags kein Fleisch und keine Wurst, sondern eine Süßspeise.“ Und die Mutter kochte Grießbrei mit Zucker und Kompott, Dampfnudeln oder Ofenschlupfer. „Das haben wir aber nicht als Strafe empfunden.“ Dennoch könne sie sich gut in die im Gedicht beschriebene Szene und die Rachegelüste des Kindes hineinversetzen. „Ich finde, das Gedicht ist immer noch aktuell. Denn was man als Erwachsener nicht vorlebt, kann man auch von keinem Kindern fordern.“

Trotzdem erstaunlich, dass der Zeitungsschnipsel in all den Jahren nicht in den Papierkorb gewandert ist. „Meine Eltern haben den Krieg erlebt. Etwas wegwerfen, war in dieser Generation verpönt. Und das hat mich auch geprägt. Ich werde den Ausschnitt weiterhin sorgfältig aufbewahren.“

Leider hat die HZ-Redaktion keine Informationen zum Autor des Gedichts (J.B. aus Heidenheim). Vermutlich stammt „Trotzkopf“ nicht aus der Feder eines Redakteurs, sondern war eine Leserzuschrift. Wer dazu einen Hinweis geben kann, kann sich gerne an die Redaktion wenden.

Und Ihre Geschichte?

Sie haben auch einen Zeitungsausschnitt, der mindestens 20 Jahre alt und in einer der Heidenheimer Zeitungen erschienen ist? Dann erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Senden Sie uns eine Kopie des Ausschnitts (mit Erscheinungsdatum), Ihren Vor- und Nachnamen, Anschrift, Telefonnummer und einen Text mit Ihrem persönlichen Bezug zum Artikel per Post an Heidenheimer Zeitung, Olgastraße 15, 89518 Heidenheim. Oder einfach per E-Mail an redaktion@hz-online.de

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