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Macht Schwesternwohnheim Platz für Neubaugebiet?

Der Landkreis beabsichtigt, den als Schwesternwohnheim bekannten Bereich zu verkaufen – gelingt das Vorhaben, könnte das Goldstaub für den Städtebau sein.

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Mehr als 200 Einheiten umfasst die Wohnanlage beim Klinikum, die nach Vorstellung von Landrat Thomas Reinhardt den Besitzer wechseln soll. Im Laufe des nächsten Jahres sollte ein Knopf an die Sache gemacht werden können.  Foto: 

Noch ist völlig offen, wer am Ende als Investor zum Zuge kommt, zumal es noch keine konkreten Planungen für den zur Disposition stehenden Wohnbereich des Klinikums gibt. Und doch hat die Zukunft schon begonnen, denn der Veränderungsprozess als solcher nimmt langsam seinen Lauf.

Der Anstoß liegt schon mehr als ein Jahr zurück und war von Seiten des Landkreises erfolgt. Der lotet als Träger des weiterhin unter chronischer Unterfinanzierung leidenden Klinikums alle möglichen Einsparpotenziale aus und hat in diesem Zusammenhang auch den großen Wohnbereich des Krankenhauses auf den Prüfstand gestellt. Dieser Gebäudebestand könnte veräußert werden, um Kredite abzubauen, hatte Landrat Thomas Reinhardt bereits im November 2015 im Zuge der damaligen Haushaltsberatungen verlauten lassen – und die Anregung hatte bei allen Kreistagsfraktionen positive Reaktionen hervorgerufen.

Inzwischen ist der Ball etwas weiter ins Rollen gekommen. „Wir sind dabei, abzuklären, wie's auf der betriebswirtschaftlichen Seite aussieht,“ sagt der Landrat, der auch Vorsitzender des in Verkaufsfragen federführenden Aufsichtsrates der Klinikgesellschaft ist. Zudem, so heißt es auf Anfrage, werde geprüft, was auf dem diesem zwischen dem eigentlichen Kliniku-Areal und der Schlosshaus-Siedlung gelegenen Areal planungsrechtlich möglich ist: „Da stehen wir mit der Stadt im Gespräch.“

Was man auch bei der Stadt bestätigt. Nach aktuellen Angaben aus dem Rathaus ist der Landkreis Ende vorigen Monats auf die Kommunalverwaltung zugekommen und hat um Prüfung gebeten, wie die Flächen, zu denen vier mehrgeschossige Häuser sowie mehrere kleinere zweigeschossige Gebäudetrakte gehören, für Wohnungen verwertet werden können. Derzeit stehen in der aus dem Jahre 1973 stammenden und größtenteils als sehr sanierungsbedürftig geltenden Wohnanlage 195 Einzimmer-Appartements und 18 größere Wohneinheiten zur Verfügung.

Wollte man diesen Bestand abreißen und durch neue Wohnbauten ersetzen, müsste der bestehende Bebauungsplan geändert werden. Der stammt aus dem Jahre 1969 und setzt die Wohnanlage als „Sondergebiet, Bedienstetenwohnungen“ und deren südliche und östliche Randbereiche als Grünflächen fest. Der erst in diesem Sommer beschlossene Flächennutzungsplan, mit dem zum Jahre 2029 die Weichen für die Entwicklung von Bau- und Gewerbegebieten gestellt worden sind, weist das in Rede stehende Gelände als „sonstiges Sondergebiet“ mit dem Zweck „Klinikum“ aus.

Die Pläne des Landkreises, diesen Teil des Klinik-Areals zu versilbern, haben im Heidenheimer Rathaus früh aufhorchen lassen, könnten sie doch Oberbürgemeister Bernhard Ilg in die Karten spielen, der ständig nach neuem Wohnraum Ausschau halten lässt, ohne dass er die Stadt immer weiter ins Grüne wachsen lassen will.

Das grundsätzliche Interesse an diesem wohl auf den Markt kommenden Teil des Schlossbergs hatte das Stadtoberhaupt in dem im August in unserer Zeitung erschienenen Sommerinterview zum Ausdruck gebracht: Entstünde dort ein Neubaugebiet, würde man sicher auch Teile des gesamten Flächennutzungsplan neu denken, denn „all das ist ja auch städtebauliche Dynamik, die man zulassen muss“ – zumal auch hier ein Baugebiet eben nicht durch das Roden des nächsten Stück Waldes entstehen würde.

Inzwischen ist die Sache soweit gediehen, dass die Stadt mit der Überprüfung möglicher städtebaulicher Entwicklungsperspektiven beginnt. Diese Aufgabenstellung ist nach Darstellung von Rathaus-Pressesprecherin Birgit Baumann sehr komplex, gelte es doch, einige Faktoren zu analysieren und zu bewerten. So sind die im Sondergebiet selbst und in der näheren Umgebung ausgeübten Nutzungen zu berücksichtigen – vom Klinikum über die Voith-Arena einschließlich deren Umfeld bis hin zur TC-Tennisanlage und zum Congress-Centrum. Zudem ist die emissionsschutzrechtliche Situation bezüglich des Sport-, Freizeit- und Verkehrslärms zu berücksichtigen. Darüber hinaus betrachtet man die Lage der Liegenschaft im städtebaulichen Gesamtzusammenhang – für sich gesehen eine Insellage, aber zugleich Bestandteil der städtebaulichen Entwicklungsachse Schlossberg mit ihren auch (über-)regionalen bedeutsamen Nutzungsschwerpunkten. Und last but not least hat möglicherweise die Stadt selbst ein Interesse am Erwerb eines Teils der Fläche. Baumann: „Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird die Stadt ein Wertgutachten vorlegen und die Bauleitplanung entsprechend der neuen Anforderungen ändern.“

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