Partner der

Ma'cappella: "Teilweise klingt das richtig fett"

"Wenn wir's für Geld machten, würde es nicht funktionieren": Ma'cappella, das junge Vokalsextett aus dem Kreis Heidenheim, existiert jetzt seit fünf Jahren. Und, regionale Perspektive: Die Jungs sind unglaublich erfolgreich.

|
Fünf Jahre zusammen – und gerne auch mal richtig leise: Das Gesangssextett „Ma'cappella“ beschenkt sich zum fünften Jahrestag des Bestehens mit der CD „Hier und jetzt“ mit neun selbst verfassten Titeln. Ihr Anspruch: Es darf schon „semiprofessionell“ klingen.  Foto: 

Sie haben auch schon im CC gesungen – und der komplett bestuhlte große Saal war total ausverkauft. Schon zwei Monate vor dem Auftritt gab's keine Karten mehr. Damals sind die sechs jungen Männer, die zumeist noch studieren, „voll ins finanzielle Risiko gegangen“. Und es hat sich gelohnt – „es war ein wunderbares Konzert“, erinnern sich die Gerstetter Brüder Jan und Sebastian Jäger.

Aber bei über 1200 verkauften Karten – da muss doch was hängen bleiben? Was dann, gerade bei bedürftigen Studenten, womöglich ein sehr willkommenes Zubrot wäre? „Nein, wir leben alle nicht davon. Jeder von uns ist elterlich noch gut subventioniert“, schmunzelt Jan Jäger. Und sein Bruder Basti ergänzt: „Das eingenommene Geld kommt in einen Topf und bleibt dort bis Ende des Jahres. Kosten, die wir haben, etwa jetzt mit unserer neuen CD, werden davon bestritten. Allenfalls gehen wir, bei Überschüssen, mal gut essen oder kaufen uns gleiche Anzüge in Metzingen“.

Außerdem gönne man sich gerne mal etwa einen Workshop mit einer Stimmbildnerin – „und die soll dann dafür auch anständig bezahlt werden“. Oder: Bei Konzerten wolle man eine gute und nicht nur eine ausreichende Tonanlage: „Das sollen unsere Fans genießen – auch wenn es uns dann vielleicht das dreieinhalbfache kostet“.

Oder jetzt, bei der Aufnahme der neuen CD: „Wir wollten ,Hier & jetzt' einspielen in semiprofessioneller Qualität. Darüber haben wir uns viele Gedanken gemacht – und was nun entstanden ist, das kostet halt“, sagt JJ, der für sein Musikstudium in Würzburg die Bachelorarbeit schreibt über „Planung und Realisierung“ einer solchen „semiprofessionell erstellten CD“.

Klar: Das kostet dann. Etwa bei der Tonanlage – auch wenn dafür „unser siebter Mann“ zuständig ist, den man bei einem Auftritt bei Voith kennen gelernt hat, wo man bekanntlich ebenfalls sehr auf Qualität achtet und entsprechende Kosten dann eben in Kauf nimmt. Dort hatten sie mit dem Tontechniker Martin Scherrmann, den sie „Schemme“ nennen, zu tun. Der ist ein gut beschäftigter Profi aus dem schwäbischen Metzingen, der etwa schon bei „Toto“ für angemessenen Bühnensound gesorgt hat.

Und „Schemme“ war vom Voith-Auftritt Ma'cappellas und vielleicht mehr noch vom Wesen der sechs einnehmenden, qualitätsbewussten und doch ausgesprochen bodenständig gebliebenen Sängern so sehr angetan, dass er anbot, für Ma'cappella tätig zu werden.

„Mit Schemme zu arbeiten, ist immer eine fruchtbare Sache“, meint Basti Jäger. In seinem Metzinger Studio haben sie das letzte Drittel der Aufnahmetage verbracht.

Acht Tage hatten sie zuvor in Hüttisheim hinter Ulm produziert, wo „ein guter Kumpel“ einen Bauernhof bewohne, „der mit mir in England studiert hat“. Dort gab's „massig Platz“; und die Ma'cappellisten haben sich zwei Räume aufwändig hergerichtet und ein provisorisches Studio eingerichtet: Ein Raum wurde „mühsam abgehangen, für minimale Reflektion“, die Mikrophone aufgestellt; im anderen Raum wurde das Mischpult, die Computer etc. aufgestellt. Allein dieser Aufbau hat mehr als einen Tag verschlungen. Und wenn etwa der bäuerliche Nachbar „mit seinem Traktor große Steine abgeladen hat“, musste eben frisch aufgenommen werden.

Aber noch heute schwören die Jäger-Buben vom „unglaublichen Gemeinschaftserlebnis“, das bei den Aufnahmen und natürlich beim Drumherum zustande kam.

„Wir verstehen uns jetzt, nach fünf Jahren gemeinsamen Auftretens, besser denn je. Früher waren wir eher ein Zweckbündis zum Singen. Das hat sich richtig gut entwickelt – wir sind jetzt die besten Kumpels, und zwar richtig hart“. Jeder gehe, seit seinem Abitur in Heidenheim, seinen eigenen Weg – „und hat deswegen große Lust aufs gemeinsame Singen“. Und auch das Verfolgen gemeinsamer Ziele, wie etwa dieser Jubiläums-CD, schweiße einen ja weiter zusammen.

An Selbstbewusstsein mangelt es den sechs jungen Männer eigentlich nicht: „Wir müssen uns vor niemandem verstecken“, meint Jan Jäger. Und dennoch: Die ersten Ergebnisse bei den Tonaufnahmen waren „ganz schrecklich. Wir waren sehr unzufrieden mit dem, was da zunächst ganz trocken in die Mikros ging. Wir sind an Grenzen gestoßen“, meint selbstkritisch der angehende Profimusiker Jan Jäger. Auch Schemme sei „nicht glücklich“ gewesen.

Doch jetzt, nach Abschluss der aufwändigen Produktion (heute wird die CD „gepresst“), sind die selbstkritischen jungen Geister einigermaßen zufrieden: „Das klingt teilweise richtig fett“.

Wobei ihnen da, zum guten Gelingen, drei weitere Namen wichtig sind – drei Mitstreiter, die sie im Laufe ihrer „Karriere“ kennen gelernt und begeistert haben, die sie eingebunden und angeboten haben, mit ihren Fähigkeiten mitzuwirken.

Denn zum „semiprofessionellen“ Anspruch von „Hier & jetzt“ gehört auch ein „durchdachtes Layout und Design“, für das der Gerstetter Patrick Thierer sorgt, einst Layouter bei der Südwestpresse, jetzt Chef des „Design-Quartiers“ im heimischen Gerstetten. Und sein Bruder Florian Thierer, gelernter Fotograf und „in der Modeszene gut gebucht“, hat für „hochprofessionelle Aufnahmen“ gesorgt.

Und schließlich ist noch der Herbrechtinger Michael Kling im Boot, der mit seinem Label „Kling Records“ für mehr als nur die gute Distribution der zunächst in einer Tausender-Auflage erscheinenden CD sorgt, die übrigens, was auch zum Anspruch gehört, ausschließlich aus selber komponierten und getexteten Stücken besteht.

Die CD wird, so die Jägers, „punktgenau“ zu den beiden Jubiläumskonzerten im Konzerthaus fertig sein, das für Samstag und Sonntag, den 8. und 9. November, je ab 19.30 Uhr, gebucht wurde. Die Erstauflage wird dann, so hoffen die Jägers, auch bald vergriffen sein – „und erst dann hat sich die Produktion auch finanziell getragen“.

Die Sechs von Ma'cappella machen sich nicht rar, aber sie dosieren ihre Auftritte, auch wenn jeder mit einem eigenen Programm bestritten wird. „Es gibt da unglaubliche Fans“, haben sie erfahren – etwa bei der Verlosung von drei „Wohnzimmerkonzerten“. Die seien hintereinander zu jedem Auftritt gekommen, was durch das Stempeln von Besucherkarten dokumentiert wurde. Und jetzt wurden als Gewinner ausgelost: Greta Lorenz und Kilian Hommel aus Giengen, Bärbel Weiß sowie Katharina Weber, beide aus Sontheim.

Und wie geht's weiter mit dem jungen Ensemble? Die Jäger-Buben schauen sich in die Augen und sagen: „Hoffentlich unendlich“. Auch wenn die beruflichen Perspektiven immer weiter auseinanderdriften: Singend wollen sie niemals auseinander geh'n.

Info: Karten für die beiden Konzerte am Samstag und Sonntag gibt's im Ticketshop des Heidenheimer Pressehauses. Ab dem Konzert ist dann auch die neue CD erwerbbar.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Heilig Abend: Menschen aller Kulturen zum Essen und Feiern eingeladen

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Hüseyin Perktas lässt sich das nicht zweimal sagen: Einmal mehr betätigt sich der Heidenheimer Unternehmer als Türöffner und lädt Menschen aller Nationalitäten, Kulturen und sozialer Schichten am 24. Dezember ein, gemeinsam Heilig Abend zu feiern. Mit Essen und Trinken, „so viel Sie wollen“. weiter lesen

231RY