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Lösungen für Engpass auf lokalem Wohnungsmarkt

Was tun, wenn Hartz-IV-Bezieher oder Flüchtlinge keine Bleibe finden? OB Ilg will dieses Problem gemeinsam mit dem Freundeskreis Asyl lösen.

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Mietverträge sind ein kostbares Gut geworden: Wer auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist, tut sich am schwersten, auf dem Wohnungsmarkt Fuß zu fassen – und Flüchtlinge müssen erst mal Bekanntschaft mit der Hausordnung machen.  Foto: 

Die schwäbische Kehrwoche, selbst für Zugereiste ein putziger Brauch, ist zumal in Flüchtlingskreisen vollkommen fremd. Auch sonst betreten Migranten Neuland, mitunter gar vermintes Gelände, wenn sie sich in der neuen Heimat erstmals in den eigenen vier Wänden bewegen und dort auf etwas namens Hausordnung stoßen. Auch bei Hartz-IV-Beziehern ist das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter nicht immer ungetrübt – und so mancher Wohnungseigentümer will von vorneherein überhaupt keine Geringverdiener im Haus, weil er sich nicht die Finger verbrennen will.

Wohnungsnotstand: Suche nach Lösungen

Dass es auf dem lokalen Wohnungsmarkt eng geworden ist für Menschen, die auf staatliche Stütze angewiesen sind, hatten ehrenamtlich tätige Frauen und Männer des Freundeskreises Asyl erst jüngst in einem an den Gemeinderat gerichteten Brief thematisiert. Der damit verbundene Appell, nach Lösungen zu suchen, ist nicht ungehört verhallt. Anfang dieser Woche trafen sich Sprecher der Flüchtlingsorganisation, Vertreter von Gemeinderatsfraktionen und Oberbürgermeister Bernhard Ilg zusammen mit Mitarbeitern seiner Verwaltung zu einem gemeinsamen Gespräch, das nach allgemeiner Einschätzung konstruktiv verlaufen ist und an einigen Stellen bereits konkrete Handlungsansätze aufgezeigt hat.

Tatsächlich scheint es mehr Konsens als Dissens gegeben zu haben. „Wir sind in viele Themen eingetaucht und das überwiegend realitätsnah,“ so das Empfinden des Rathaus-Chefs, der in dieser Runde deutlich gemacht hat, dass die Stadt bereits auf mehreren Feldern aktiv ist. So ist man nicht nur mit der Anschlussunterbringung befasst, sondern schaut sich auch auf dem privaten Wohnungsmarkt um, steht mit der Vonovia im Gespräch und stellt mit dem geplanten Wohngebiet am Hardtwald zudem die Weichen für die Schaffung weiteren Wohnraums. „In den letzten 20 Jahren ist noch nie so viel gebaut worden wie in den letzten drei bis vier Jahren,“ sagte Ilg nach dem Gespräch gegenüber der HZ: Und trotzdem wisse man, dass das noch nicht genug sei.

OB Ilg: Freie Privatwohnungen melden

Was kann kurzfristig getan werden, um dem Engpass auf dem Wohnungsmarkt zu begegnen, mit dem sowohl Geflüchtete als auch einheimische Geringverdiener konfrontiert sind? Ganz konkret ruft OB Ilg – wie schon früher – die Bevölkerung auf, der städtischen Liegenschaftsverwaltung freie private Wohnungen zu melden, die auch und gerade für größere Familien geeignet sind, wohl wissend, dass dem oft verschiedenste Vorbehalte entgegenstehen. Um potenziellen Vermietern Sicherheit zu garantieren und mögliche Ängste zu nehmen, zeigt sich die Stadtverwaltung bereit, auch als Zwischenmieter aufzutreten, also in eine Rolle zu schlüpfen, in der die Kommune dann auch für mögliche Schäden verantwortlich ist, die durch die Mieterschaft verursacht werden. Nach Einschätzung von Kurt Wehrmeister könnte dies neben bereits anerkannten Asylbewerbern auch jenem Personenkreis einen Weg ebnen, der sonst am wenigsten Chancen hat, auf dem Wohnungsmarkt Fuß zu fassen: geduldete Flüchtlinge und solche, die nur subsidiären Schutz haben – also ein Jahr Aufenthaltsrecht und keine Möglichkeit, die Familie nachzuholen.

Stadt will Wohnungen der Vonovia anmieten

Darüber hinaus hat Bernhard Ilg zugesagt, einige der von den Flüchtlingshelfern aufgezeigten Lösungsmöglichkeiten aufzugreifen und anzugehen. Das weiß nicht zuletzt Kurt Wehrmeister sehr zu schätzen, der zusammen mit Roswitha Herzel und Jutta Dorsch den Vorschlag unterbreitet hat, die Stadt möge leerstehende Wohnungen von der Vonovia anmieten und sie auf eigene Kosten so sanieren, dass sie wieder zur Vermietung zur Verfügung stehen. Nach Informationen unserer Zeitung will die Stadt auch einem weiteren als wichtig erachteten Anliegen nachkommen und schon in Bälde mit dem Landkreis Gespräche über die Aussetzung der gesetzlichen Regelung aufnehmen, derzufolge anerkannte Asylbewerber innerhalb von drei Monaten aus Gemeinschaftsunterkünften ausziehen müssen. Damit hätten die Flüchtlinge mehr Zeit, eine geeignete Wohnung zu finden.

Wichtige Akteure im aktuellen Geschehen sind nach Einschätzung Ilgs die ehrenamtlich tätigen Bürger. „Es ist spürbar, dass wir ohne sie nicht können, aber unser Gespräch hat ihnen auch gezeigt, dass die Stadt viel tut.“ Nicht zuletzt sieht er ehrenamtliche Helfer in einer wichtigen Rolle, wenn sie Flüchtlinge, die eine eigene Bleibe gefunden haben und mit dem deutschen Alltagsleben nicht vertraut sind, an die Hand nehmen und ihnen zeigen, dass man mit einer Wohnung, auch wenn sie vom Grundsicherungsträger bezahlt ist, pfleglich umgehen muss. Denn dass dies mitunter anders läuft, ist ebenfalls Teil der Wirklichkeit.

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