Partner der

Letzte Chance nach Ausrastern im Drogenrausch

Ein 34-Jähriger wurde trotz Vorstrafen zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Dafür gab es Gründe.

|

„Die Wurzel allen Übels ist die Sucht“, sagte Richter Eberhard Bergmeister am Mittwoch in seiner Urteilsbegründung über das Leben des 34-jährigen Angeklagten. Tatsächlich stand der Mann bei allen drei Taten, die sich im vergangenen Jahr ereignet hatten, unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Er war hochaggressiv, gegen andere und sich selbst – und zeigte sich vor Gericht geständig, reuig und vor allem nachgewiesenermaßen drogenfrei.

Verurteilt wurde er wegen Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung in mehreren Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Obwohl der Heidenheimer mehrere Vorstrafen hat, vor allem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt, „weil er seit den Taten alles richtig gemacht hat“, so Richter Bergmeister. Streng sind dafür die Auflagen während der dreijährigen Bewährungszeit: Der Mann muss sich einer stationären Entzugstherapie unterziehen, davor alle 14 Tage zum Drogenscreening, danach im zweimonatigen Rhythmus. Zudem muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

„Ich schäme mich“

„Ich schäme mich für meine Taten, ich möchte mich ändern und meinen Kindern in Zukunft ein Vorbild sein“, sagte der sehr zerknirscht wirkende 34-Jährige in seinem Schlusswort. Das Gericht gab ihm mit dem Urteil eine - womöglich letzte – Chance dafür.

Die erste Tat hatte sich im Januar 2016 ereignet, als der Angeklagte am frühen Abend einem Zeugen in der Innenstadt auffiel, weil er Spiegel von geparkten Autos wegtrat und seinen Kopf mehrfach gegen eine Scheibe schlug. Die herbeigerufenen Rettungssanitäter allerdings schrie der Mann an und bedrohte sie verbal, bei einem Gerangel an der Tür des Rettungswagens zerrte er am Bein eines 24-jährigen Rettungsassistenten.

Danach flüchtete er mit einem Begleiter zum Schlossaufgang am Eugen-Jaekle-Platz, wohin er von dem 63-jährigen Zeugen und einem zufällig vorbeikommenden 55-jährigen Kriminalbeamten verfolgt wurde. Letzterer nahm ihn fest und wartete, bis ein Streifenwagen eintraf. Zu dritt mussten die Polizisten den Mann schließlich überwältigen, weil er sich gegen das Anlegen von Handschließen wehrte. „Er hatte große Stimmungsschwankungen, seine Aggressivität schlug immer wieder in Selbstmitleid um“, berichtete der 55-jährige Kriminalbeamte.

Total abgestürzt

Der Angeklagte selbst beschrieb sich als zu dieser Zeit „total abgestürzt“. Erst am Morgen hatte er die Psychiatrie im Klinikum verlassen, er sei unter dem Einfluss von Benzodiazepinen und Opiaten gestanden. Bei einem weiteren Vorfall im Juni hatte er neben Alkohol und Opiaten auch noch Crystal Meth konsumiert, so der Mann. In diesem Zustand hat er seine Lebensgefährtin nach einem Diskobesuch geschlagen und gewürgt, so dass diese zu den Nachbarn flüchten musste und ein blaues Auge davongetragen hat. Diese Tat bereute der Mann sichtlich am stärksten, bei der Aussage der 28-jährigen Frau („meine große Liebe“) hatte er Tränen in den Augen. Nach dieser Gewalttat kam die Frau nochmal mit ihm zusammen, „er hat sich verändert und auch um unseren gemeinsamen Sohn gekümmert“, so die 28-Jährige. Allerdings hat sich das Paar vor drei Wochen wieder getrennt, „es hat nicht funktioniert“, meinte die Frau.

Kurz nach dem Angriff auf seine Lebensgefährtin ging der Mann mit einem Küchenmesser auf seinen Vermieter los, wobei er 1,87 Promille Alkohol im Blut hatte und laut dem Vermieter „kaum stehen konnte.“ Bei diesem Angriff wurde niemand verletzt, der Angeklagte kam in Polizeigewahrsam, wo er auch noch einen Polizisten beleidigte.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Kinderwagen eingeklemmt: Brenzbahn fährt trotzdem einfach los

Beim Aussteigen in Herbrechtingen schließt eine Zugtür und klemmt einen Kinderwagen ein. Dann fährt der Lokführer los, obwohl Kind und Kinderwagen in der halbgeöffneten Tür hängen. weiter lesen

232S6