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Landkreis will die schnelle Glasfaser für jeden Ort

Die weißen Flecken sind fast verschwunden, einzelne Kommunen haben bereits extrem schnelle Anbindung. Doch der Kreis will weitermachen: In den kommenden Jahren soll es Glasfaser für jeden Ort geben.

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Was Landrat Thomas Reinhardt und Wirtschaftsförderer Michael Setzen beim Pressegespräch auf den Tisch legen, wäre vielen Netzanbietern Gold wert: Jahrelang hat Michael Setzen Klinken geputzt, Gespräche geführt, Vertrauen gebildet– bis im Landratsamt die einzige Karte zusammenkam, auf der alle Internet-Autobahnen aller konkurrierenden Anbieter verzeichnet ist. Mit dabei sogar die Telekom, die jahrelang keinerlei Daten preisgeben wollte. Die Karte ist natürlich Geheimsache:„Wir verwenden sie zur Abstimmung, aber natürlich dürften wir nie einem Anbieter zeigen, was sein Mitbewerber an Datenleitungen hat“, so Setzen.

Es hat sich allerhand getan seit 2008. Damals kam der Landkreis Heidenheim im landesweiten Pilotprogramm„Belib“ unter (was für„Bedeutung von Breitbandtrassen für die Breitbandversorgung des Ländlichen Raumes in Baden-Württemberg“ stehen soll): Die Kreise Heidenheim, Rottweil und Lörrach erhielten Fördermittel für ein koordiniertes Schließen von Internet-Lücken.

Schnelles Internet– Landrat Reinhardt kann sich darüber ärgern, wenn dieses Ziel bisweilen als Spielerei verkannt wird:„Ein schnelles Internet ist für einen Standort heute so wichtig wie eine Wasserleitung oder ein Stromanschluss“, so Reinhardt. Wer meine, schnelle Datenleitungen seien nur für videospielende Jugendliche da, verkenne die Zeichen der Zeit.

Nach vier Jahren„Belib“ kann der Landkreis durchaus Bilanzen vorlegen: 14 Gebiete im Kreis hatten vor 2008 noch nicht einmal eine Internetanbindung mit einem Mbit pro Sekunde– also der sogenannten„Tausender-Leitung“. Inzwischen gibt es nur noch ein einziges„Tausender-Loch“ in Teilen Küpfendorfs, die 13 anderen Löcher sind bereits gestopft bzw. ist die Lösung in Arbeit– so in Fleinheim und Oggenhausen, Hürben und Heldenfingen, Hausen und Gnannenweiler. Doch eine„Tausender-Leitung“ gilt heute schon gar nicht mehr als schnelles Internet. Für Internet-TV, für Echtzeit-Anwendungen, aber auch für Anwender, die Daten ins Netz hochladen wollen, sollte es schon mindestens das Zehnfache sein– lieber das 20- oder 30-fache.

Noch in diesem Winter will der Landkreis den nächsten Schritt gehen und Planungen für eine flächendeckende Glasfaser-Versorgung ausschreiben. Einmal mehr käme dem Kreis selbst die Rolle des Vermittlers zu: Dank der„Geheimkarte“ kann man Tipps geben, welcher Anbieter womöglich schon eine Hauptleitung in der Nähe hat. Und Anbieter gibt es viele: Gasversorger haben Glasfaser in ihren Leitungen, die EnBW ODR verlegt die Fasern ebenso wie Vodafone, oder die Telekom, die Stadtwerke Ulm ebenso wie die Sontheimer Datentechnik.„Wir haben den Vorteil, hier eigentlich sehr viele Anbieter zu haben“, sagt Michael Setzen, der nichts dazu sagen will, dass die Landkreise Rottweil und Lörrach in den drei„Belib“-Jahren nicht so weit kamen wie Heidenheim.

Zusätzlicher Charme der Landkreis-Betreuung: Beantragt eine Gemeinde vom Land Fördermittel für den Breitband-Ausbau, muss sie nur auf den Kreis verweisen: Dessen Masterpläne, bei der FH Furtwangen umgesetzt, ersetzen mühsame Begründungen der einzelnen Gemeinde.

Glasfaser bis an jeden Aussiedlerhof? Das kann und muss nicht sein.„Es gibt Alternativen“, so Michael Setzen: In Auernheim wird das Internetüber alte Rundfunkfrequenzen ausgestrahlt, in Stetten ob Lontal kommt es über Satellit.„Das kostet ein paar Hundert Euro in der Anschaffung und rund 60 Euro im Monat“, sagt Setzen. Für einen Betrieb, der auf schnelles Internet angewiesen sei, eigentlich kein Thema.

Das Ziel ist für Landrat Reinhardt, Glasfaser bis an jeden Ort heranzuführen. Den Rest haben dann oft die Bürger selbst in der Hand.„In Sachsenhausen gab es ein Staffelpreismodell, es wurde also günstiger, je mehr Bürger sich für Glasfaser entscheiden“, so Reinhardt. Dort habe das gut geklappt. Parallel gäbe es kaum noch eine Kommune, die in Neubaugebieten und bei Sanierungen nicht für Glasfaser sorge– sei es am Roßrucken Nord in Königsbronn oder auf dem Ploucquet-Areal in Heidenheim.

Auf Probleme und Problemchen stellt man sich dabei schon heute ein: Michael Setzen kennt denÄrger mit unterschiedlichen Leerrohren oder den Tücken eleganter Ideen wie dem Glasfaser in der Wasserleitung („ist dann technisch meist gar nicht so einfach“), Thomas Reinhardt ist nicht nur Landrat, sondern auch Jurist und kennt sogar gerichtlichen Streit um das Breitband:„Das Gesetz sagt zum Glück, dass sich ein Grundstückseigner nicht wehren kann, wenn wir ein Glasfaserkabel durch sein Grundstück legen“.

Schließlich setzt man auf den Überblick des Kreises und die interkommunale Zusammenarbeit: Hürben könnte sein Glasfaser zum Beispiel leichter aus Herbrechtingen erhalten.„Für solche Projekte gibt es sogar höhere Förderung“, so Reinhardt.

Bis Jahresende will man die neuen Planungen ausschreiben, bis Ende 2013 sollen sie vorliegen.

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Kommentare

15.11.2012 17:53 Uhr

Schnelle Netze für alle

Ich bin ja dafür das das Leitungsnetz ausgebaut,aber das sollte auch in Heidenheim selbst vorangetrieben werden.300m Luftlinie vom Stadtkern muss man sich noch mit einer 3000er Leitung zufrieden geben.

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