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Landkreis verabschiedet Kreisrat Jörg Ehrlinger

Niemand war bislang im Landkreis länger Kreisrat als er. 1973 erstmals in den Kreistag gewählt, hat Jörg Ehrlinger 40 Jahre die Kreispolitik mitgestaltet, zuletzt als Fraktionsvorsitzender der SPD. „Man hat sich bemüht“ zitierte der Giengener zum Abschied Willy Brandt.

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40 Jahre die Kreispolitik mitgestaltet: Dafür zeichnete Landrat Thomas Reinhardt den scheidenden Kreisrat Jörg Ehrlinger (rechts) mit dem Ehrenmammut in Gold aus.

Nicht nur dem körperlichen Format nach, auch in der Kommunalpolitik des Landkreises war Jörg Ehrlinger ebenso einer der ganz Großen. 2011 hatte Ehrlinger seinen Abschied aus dem Giengener Gemeinderat genommen, in dem er ebenfalls 40 Jahre seine Meinung und die seiner Wähler vertreten hatte. Nun folgte am Montag dieser Woche sein Rückzug aus der Kreispolitik. Nicht ganz freiwillig hatte der 73-Jährige um sein vorzeitiges Ausscheiden gebeten, es war auch der angegriffenen Gesundheit geschuldet. Oberbürgermeister Bernhard Ilg wünschte Ehrlinger deswegen auch bei der Sitzung des Kreistags im Namen aller Fraktionen für die Zukunft eine „stabile Gesundheit.“

Ehrlingers politische Laufbahn im Kreistag, so hatte Landrat Thomas Reinhardt nachgeschlagen, begann just zu der Zeit als dieses politische Gremium mit der großen Verwaltungsreform in seine heutigen Aufgaben hineinwachsen sollte: Entwicklung des neuen Klinikums auf dem Schlossberg, Übernahme der Trägerschaft für berufliche Schulen, Ausbau des Bildungsangebots und Aufbau einer zentralen Abfallentsorgung. Ehrlinger wurde so zum Mann der ersten Stunden. Im beruflichen Leben mit Managementaufgaben bis hinein in die Vorstandebene der Erlau AG in Oberkochen betraut, konnte Ehrlinger über die Jahre viel wirtschaftlichen Sachverstand in die Arbeit des Kreistag und seiner Gremien einbringen, er machte aber immer deutlich, dass sein Herz auch politisch links schlägt. Ein gut geführtes Klinikum und eine gute Sozialpolitik, die den Menschen ihre Würde lässt, dafür stand Ehrlinger mit seinem ganzen politischem Gewicht ein. „Als Mann deutlicher Worte und pointierter Aussagen haben Sie stets für soziale Gerechtigkeit gekämpft, ohne Auseinandersetzungen zu scheuen“, hielt Landrat Reinhardt vor dem Kreistag fest. Er war sich dabei sicher, dass Ehrlinger, seit 1964 Mitglied der SPD, von diesem „sozialen Wächteramt“ auch künftig nicht lassen werde.

Als vorbildlich galt Reinhardt auch die Intensität des Engagements von Ehrlinger, der trotz Beruf und dem Doppelmandat als Stadt- und Kreisrat auch noch das Mitteilungsblatt der Giengener SPD ins Leben gerufen und in den ersten Jahren als Chefredakteur geleitet habe. Zahlreiche Ehrungen hat Ehrlinger im Laufe seines reichen politischen Lebens erhalten, darunter die Verdienstmedaillen des Landkreistages in Silber und Bronze. Am Montag wurde Ehrlinger nun von Landrat Reinhardt mit dem Ehrenmammut in Gold, der höchsten Auszeichnung, die der Landkreis vergeben kann, bedacht.

Stehenden Beifall gab es dafür von den Genossen, die mit zur Sitzung des Kreistags gekommen waren und von Eva Oppermann, der Grande Dame der SPD, eine herzliche Umarmung. „Die Überraschung steckt mir in den Gliedern“, freute sich Ehrlinger, dem bei der Rückschau auf die vier Jahrzehnte selbst wieder ein „Stück Landkreisgeschichte“ vor Augen getreten war.

Ehrlinger bedankte sich mit kurzen Charakterisierungen der Landräte Wild, Würz und Mader und fand auch ein Wort für den amtierenden Landrat Reinhardt, dem er einen „Aufbruch zu neuer Gelassenheit“ bescheinigte. „Der Landkreis mit seiner ganzen Infrakstruktur kann sich heute sehen lassen.“

Auch den Kreisräten gab Ehrlinger einen Satz mit auf den Weg. Viele der im Kreistag getroffenen Entscheidungen beeinflussten die Lebensqualität der Menschen – „mehr als uns vielleicht bewusst ist.“ Die Verwaltung habe er in all den Jahren immer als starken Partner des Kreistags erlebt. Die Überreichung der Ehrenmammuts erfülle ihn mit Stolz. „Sie dürfen mir das glauben.“

Dem Parteibuch nach ist Heidenheims OB Bernhard Ilg ein Gegner Ehrlingers. Und nicht einmal nur war diese Meinungsgegnerschaft auch in Sitzungen des Kreistags zu erleben gewesen. Sehr geschätzt, so Ilg, habe er die Verlässlichkeit und die Gradlinigkeit seines Gegenübers und auch das gute Miteinander.

Fehlen werde dem Gremium auch das Fingerschnippen von Ehrlinger bei seinen Wortmeldungen – sozusagen die „Ouvertüre zur Rede.“ Ehrlinger gab einen Hinweis, worin diese Art begründet gewesen sein könnte. Landrat Dr. Albrecht Wild habe das Rederecht nach der Lautstärke der Wortmeldung gegeben. „Ich war damals schon gut mit dabei.“

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