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Kulisse für die Oper stammt von Kistenmacher aus Mergelstetten

Erstmals wirken ortsansässige Handwerker beim Bühnenbild für die Opernfestspiele mit: Die Verpackungsfirma IVH aus Mergelstetten hat einen Containerhafen aus Holz produziert.

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In Groß denken, Verpackungen für riesige Bauteile erstellen, XXL-Kisten von A nach B transportieren: Damit kennen sich die Kisten-Spezialisten aus Mergelstetten bestens aus. Ein Bühnenbild allerdings entstand noch nie in den Hallen der Industrieverpackung Heidenheim GmbH. Premiere also, sowohl für die Fachverpacker als auch für die Organisatoren der Opernfestspiele. Denn bisher haben sich ortsansässige Handwerker noch nie am Festival beteiligt.

Wie kam's zu der Zusammenarbeit? „Stefan Brandtmayr, der Bühnenbildner, hat mir per Mail eine Skizze seiner Ideen zugeschickt. Ein Containerhafen sollte es sein, also habe ich mich im Kreis nach Firmen umgesehen, die Kisten herstellen“, erzählt Technikerin Stefanie Langen. Als Brandtmayr auf einem Foto eine produzierte Kiste der IVH gesehen hat, sagte er: „Genau das ist mein Bühnenbild.“

An einem Sonntagnachmittag im März hat sich Geschäftsführer Peter Hoffmann-Pichler also mit den Verantwortlichen getroffen. Es ging nicht lange um das „Ob“, sondern vielmehr um das „Wie“. „Die Euphorie war das eine, die Machbarkeit das andere“, so Hoffmann-Pichler.

Er habe sich das ganz einfach, eben in Groß, vorgestellt: Die Kiste wird am Stück gebaut (wie immer eben), dann wird sie mit einem riesigen Kran in den Rittersaal transportiert (oder mit einem Hubschrauber), und fertig ist das Bühnenbild.

Erschwerte Bedingungen

Doch die Realität sieht bekanntlich immer anders aus. Der Kran kann bei einer so weiten Auslage und bei den engen Platzverhältnissen gerade einmal 250Kilogramm stemmen, die Kiste war aber mit viereinhalb Tausend Kilogramm geplant. Was tun? „Wir haben auf Leichtbauweise umgestellt“, so Hoffmann-Pichler. Die Kiste kam so aber noch immer auf dreieinhalb Tausend Kilo, viel zu viel für den Kran. Die einzige Lösung: Die Kiste muss in Einzelteilen produziert werden.

„Dieses Bühnenbild ist wie Lego“, trifft es Firmeninhaber Dieter Pichler auf den Punkt. Und weil das mit dem Kran nicht schon Enttäuschung genug war, mussten die Fachverpacker als Nächstes fürchten, dass der 1,80Meter breite Anhänger mit den Einzelteilen, gezogen von einem Traktor, gar nicht durch das Tor hinter der Bühne passt. „Wir haben uns schon jeden Balken einzeln in den Rittersaal hineintragen sehen“, erinnert sich Reiner Wiedenmann, der gemeinsam mit Jochen Frey für das ganze Projekt verantwortlich ist.

„Wir waren ja von Anfang an sehr skeptisch“, erzählt er. Kurz hätten sie überlegt, für den Zeitraum Urlaub einzutragen, sagen beide und lachen. Doch dann hat das Glück sich eingeschaltet. Bei traumhaftem Wetter wagten sie den Versuch, et voilà: Nachdem sich das Tor dankenswerterweise gleich selbst ausgehebelt hatte, passte der Anhänger tatsächlich gerade so durch.

Während der drei Tage, an denen Frey und Wiedenmann das Bühnenbild montiert haben, lief endlich alles wie am Schnürchen. „Das hat super funktioniert, damit hätten wir niemals gerechnet“, sagt Wiedenmann.

Jetzt steht die Kiste als Gesamtkunstwerk genauso da, wie sie es soll: 16,50Meter lang, 2,50Meter hoch und zwei Meter breit. „Das war, als würde man ein Fertighaus bauen“, vergleicht Frey. „Vielleicht war das nicht der letzte Auftrag im Namen der Kunst, warten Sie's nur ab“, warnte Technikerin Langen und lachte. Als Sahnehäubchen verkündete sie, dass das Bühnenbild bis Saisonende im Rittersaal stehen bleiben darf und nicht noch ein paar Mal auf- und abgebaut werden muss. Im Congress-Centrum hingegen ist genau das der Fall. Dafür bauen die Verpacker das Bühnenbild gleich noch einmal, nur drei Meter kleiner.

Nach getaner Arbeit steht für Wiedenmann und Frey, die sich für die Oper nicht so recht begeistern können, jetzt eigentlich nur noch eine Frage im Raum: Sollen Sie zur Premiere – oder lieber nicht?

Wer sind die Kisten-Spezialisten?

Die IVH Industrieverpackung Heidenheim GmbH mit Sitz in Mergelstetten ist mit ihren 50 Mitarbeitern der führende Kistenspezialist für Ostwürttemberg.

Die Fachverpacker fertigen Kisten, Sonderpaletten, Verschläge und spezielle Schwergutkisten für Waren an, die bis zu 100 Tonnen wiegen. Die Ware wird entweder in Mergelstetten verpackt oder direkt beim Kunden vor Ort.

Weiter geht es mit den Waren auf unterschiedlichen Wegen: per Lkw, Flugzeug, Schiff oder Bahn - und das in die ganze Welt hinaus.

Langweilig wird es den Fachverpackern nie, weil sie immer für neue Ware Kisten herstellen müssen. Für Steifftiere zum Beispiel, die nach Tokio müssen, für riesige Glasscheiben, die nicht zerbrechen dürfen, für schwere Grabstatuen, Wohncontainer oder für Airbus-Teile.

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