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Kreistag berät, was berufliche Schulen künftig bieten

Landrat Thomas Reinhardt spricht von einem "Meilenstein". Und in der Tat steckt der Schulentwicklungsplan, der heute erstmals öffentlich im Kreistag beraten wird, den Kurs der beruflichen Schulen für mehr als die nächsten zehn Jahre ab. "Es ist der erste große Hauptplan für die beruflichen Schulen überhaupt", unterstreicht Reinhardt die Bedeutung dieser 100 Seiten zählenden Ausarbeitung.

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Die ersten Kompetenzzentren haben sich bereits gebildet. Unser Bild zeigt einen Teil der technischen Ausstattung im Kompetenzzentrum Fertigungstechnik einschließlich Automatisierungstechnik und Messtechnik an der Technischen Schule.

Der Landkreis Heidenheim gehört zu den ersten acht Landkreisen in Baden-Württemberg, die einen Schulentwicklungsplan für die beruflichen Schulen entwickelt haben. Und dieser ist, wie Landrat Reinhardt sagt, „qualitativ sehr anspruchsvoll.“

Vier Jahre zurück datieren im Landkreis die ersten Überlegungen. Dass in der Zwischenzeit mehrfach Fachklassen in den beruflichen Schulen zur Disposition standen oder gar aufgelöst wurden, verdeutlicht die Dringlichkeit, für die drei Schulen mit über ihren fast 3300 Schülern ein Konzept zu erarbeiten, dass einerseits die Standorte sichert, andererseits Möglichkeiten zur Weiterentwicklung beschreibt. „Die beruflichen Schulen gehören zu den Kernaufgaben des Landkreises“, unterstreicht Landrat Reinhardt.

Wie deren Zukunft aussehen kann, hat die Landkreisverwaltung von Beginn mit vielen Partnern beraten. Eingebunden waren nicht nur die Schulen und die Schulverwaltung und die Stadt, auch die Ausbildungsbetriebe vertreten durch die IHK und Handwerkskammer wurden im ihre Meinung gefragt. Gehört wurden zudem Gewerkschaften und die Arbeitgebervertretungen, die Agentur für Arbeit, das Job Center.

Schließlich wirken ja nicht nur die demografisch bedingt sinkenden Schülerzahlen und die Veränderung der gesamten Schullandschaft auf die beruflichen Schulen ein, auch wirtschaftliche Entwicklungen haben zu einer veränderten Nachfrage nach Auszubildenden und Schulabgängern geführt. Fachkräftemangel ist nur ein Schlagwort dafür.

„Es ging auch darum, neue Ausbildungsfelder zu entwickeln, die für die Wirtschaft von Interesse sind“, so Roland Fuchs. Denn grundsätzlich hat sich für den Kämmerer, in dessen Zuständigkeit auch das Schulwesen liegt, eines völlig gewandelt: „Die Schulen hatten sich daran gewöhnt, dass die Schüler gleichsam automatisch kommen. Das ist nicht mehr der Fall.“

Bislang war die duale Ausbildung in den beruflichen Schulen nach Bildungsgängen gegliedert mit einer Fülle von Fachklassen. Diese werden nun gebündelt zu Kompetenzzentren. Dies hat einen aktuell praktischen Grund und ist zugleich eine strategische Entscheidung. Das Land verlangt eine Mindestzahl von 16 Schülern für eine Fachklasse. Wird diese in drei Schuljahren hintereinander unterschritten, droht das Aus. In den Kompetenzzentren kann die theoretische Grundausbildung für mehrere Klassen zusammen erfolgen, womit das Risiko zu kleiner Klassen schmilzt. Gleichzeitig erwartet die Landkreisverwaltung, dass durch das Miteinander mehrerer Gewerke und Gewerbe in der Ausbildung sich Synergien ergeben, welche ihrerseits Innovationen von Unternehmen befördern können. Im Kompetenzzentrum werden mehrere Ausbildungsberufe oder Bildungsgänge zu einem Schwerpunkt gebündelt.

„Als Mix interessanter Möglichkeiten“ bezeichnet Landrat Reinhardt die Ausbildung der Kompetenzzentren, zumal diese sich an den künftigen Interessen von Wirtschaft und Handwerk orientierten. Lagerlogistik, Sport- und Vereinsmanagement oder Gesundheitsökonomie sind drei Beispiele für potenzielle Neuorientierungen im beruflichen Schulwesen. Damit auch die Schüler alle ihre potenziellen Beschäftigungsmöglichkeiten im Blick haben, soll an den Beruflichen Schulen die Berufsorientierung auf ein ganze neues Niveau angehoben werden.

Erwünscht und gefördert wird von der Landkreisverwaltung auch eine bessere Zusammenarbeit der drei beruflichen Schulen. Dabei geht es beispielweise um den Ausbau der Schulsozialarbeit oder ein verstärktes Marketing.

Gleichzeitig soll aber auch für die Schulen die Ein-Standort-Strategie umgesetzt werden. Jede Schule bildet dabei für sich eine räumliche Einheit. Schüler- und Lehrertransporte, wie derzeit noch zwischen der Technischen Schule und dem Berufsschulzentrum, soll es nicht mehr geben.

Auch wenn das Land derzeit ablehnend reagiert, bei der Kreisverwaltung bleiben ein sechsjähriges Technisches Gymnasium und ein sechsjähriges Sozialwissenschaftliches Gymnasium auf der Agenda, was einerseits eine regionweit einmalige Schulform wäre, zum anderen Schülern von Gemeinschafts- und Realschulen eine frühe Orientierung zum Abitur ermöglichen würde.

Ebenso ist mittelfristig die Entwicklung technischer Weiterbildungsgänge mit der Dualen Hochschule vorgesehen.

Auch die Inklusion ist ein Gegenstand des Schulentwicklungsplans. Bereits umgesetzt ist die Berufsvorbereitende Einrichtung an der Technischen Schule, welche hierbei mit der Pistoriusschule kooperiert. Mittelfristig soll die gesamte Berufsschulstufe der Herbrechtinger Sonderschule hier eingegliedert werden.

Aber auch flankierende Maßnahmen sind im Schulentwicklungsplan eingetragen, der in Begleitung mit dem Büro Dr. Garbe und Lexis ausgearbeitet wurde. Dazu gehört etwa die Einführung einer Azubi-Netzkarte, das Ausloben eines Förderpreises Duale Ausbildung oder der Ausbau der Cafeteria im Berufsschulzentrum.

„Bislang sind alle Beschlüsse in den Gremien einstimmig getroffen worden“, hofft Landrat Reinhardt auch heute auf einen breiten Konsens unter den Kreisräten, wenn der Schulentwicklungsplan erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird. „Wir gehen davon aus, dass dieser Plan auch umgesetzt werden wird.“

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