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Klinikum Heidenheim probt den Ebola-Ernstfall

Das Klinikum als Sperrgebiet? Eigentlich ein Alptraum, doch sollte er wider aller Erwartungen tatsächlich wahr werden, zeigt man sich immerhin gerüstet: Ärzte und Pflegepersonal üben den Ebola-Ernstfall.

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Das Klinikum hat 60 solcher Sets: Flüssigkeitsabweisende Schutzkleidung, die aus einem Overall, einer Schutzbrille samt Atemschutzmaske, Handschuhen und Überziehschuhen besteht.  Foto: 

Es ist wie in anderen deutschen Krankenhäusern auch. Seit sich die Ebola-Epedemie in Westafrika ausbreitet und das Risiko wächst, dass auch hierzulande ein Infektionsfall auftreten könnte, hat man sich an der ärztlichen Front zu rüsten begonnen. In den Krankenhäusern fällt der Umfang der dort entwickelten Notfallpläne durchaus unterschiedlich aus, zumal nur wenige Kliniken auserwählt sind, sich direkt auf die Behandlung von infizierten Patienten einzustellen. Ungeachtet dessen ist jedes Krankenhaus gleichermaßen mit einer bangen und immer drängender werdenden Frage konfrontiert: Was tun, wenn ein Patient mit begründetem Ebola-Verdacht aufschlägt, bevor dieser in die nächstgelegene Sonderisoliereinheit verlegt werden kann?

In Heidenheim stützt man sich auf einen Befragungsbogen, der von allen im Klinikum ankommenden Patienten ausgefüllt werden muss, wenn bestimmte Symptome auftreten. Dazu zählen höheres Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Muskelschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Blutungen. Die damit verknüpften Fragen beschäftigen sich mit einer ganzen Reihe von Verdachtskriterien – unter anderem mit der Herkunft und mit den Reiseaktivitäten des Patienten, mit risikobehafteten Kontakten und mit der Vorgeschichte von Erkrankungen.

Ergibt sich aus den Antworten tatsächlich ein Ebola-Verdacht, schrillen unverzüglich die Alarmglocken. Nach der Information des leitenden Oberarztes und des Gesundheitsamtes wird sofort ein umfangreicher Ebola-Maßnahmenplan eingeleitet, mit dem die gesamte Notfall–Kavallerie des Krankenhauses in Gang gesetzt wird. Dieser Katalog basiert auf Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, des Landesgesundheitsamtes sowie des zuständigen Fachbereichs am örtlichen Landratsamtes und regelt die Vorgehensweise bis ins Detail, ist aber nichts Statisches. „Es ist ein Masterplan, an dem ständig gefeilt wird, der immer wieder erweitert und angepasst wird,“ erklärt der Ärztliche Direktor Dr. Jan-Peter Schenkengel, dem auch und gerade bei diesen drängenden Fragestellungen mit Bernd Linsmeier ein ausgewiesener Hygienefachmann zur Seite steht.

Das A und O des gesamten Programms ist der Schutz vor dem verdächtigen Ebola-Patienten selbst. Um direkten Kontakt zu vermeiden, hat das Klinikum 60 Schutzanzüge bestellt, die man freilich nicht mal so überstülpen kann. Das An- und Ausziehen der flüssigkeitsdichten Overalls will gelernt sein und wird im Rahmen eines speziellen Schulungsprogrammes trainiert, an dem insgesamt rund 100 Mitarbeiter direkt teilnehmen. Der gesamte Rest der Belegschaft absolviert eine Fortbildung.

Wer immer in diese Spezialkleidung gesteckt wird, macht schon übungshalber die Erfahrung, dass es allein körperlich sehr anstrengend ist, unter einer Art Plastiksack zu arbeiten. „Da lässt die Konzentration schnell nach,“ erklärt der Ärztliche Direktor, der im Ernstfall davon ausgehen muss, dass zur physischen Belastung ein psychischer Druck kommt, so dass die Teams relativ rasch durchgewechselt werden müssen.

Dem Eigenschutz folgt in einem zweiten Schritt die rasche Isolation eines Ebola-verdächtigen Patienten. Dies gilt auch für Familienangehörige oder andere Begleitpersonen sowie für den gesamten bereits kontaminierten Bereich. Der wird zur Sperrzone erklärt und unter Berücksichtigung des Brandschutzes hermetisch abgeriegelt. Nach aktueller Fassung des Maßnahmenkatalogs marschiert sogar die Polizei auf, wenn es gilt, nicht abschließbare Türen zu überwachen. Im sogenannten betroffenen Bereich arbeiten dann drei verschiedene Teams: Eines kümmert sich um den Verdachtsfall, das zweite um die restlichen Patienten, und eine dritte Crew unterstützt das mit eingeschaltete Gesundheitsamt und versucht die möglicherweise für Stunden isolierten Patienten zu beruhigen.

Ausführlich zeigt der Notfallplan die gleichfalls aufwändige Primärversorgung der Verdachts-Patienten auf, wobei es auch hier vorrangig ist, das Infektionsrisiko durch kurze Übertragungswege zu minimieren, bevor der Transport in eines der nächstgelegenen Behandlungszentren erfolgt – im Falle Heidenheims wäre dies zunächst Stuttgart. Parallel dazu müssen die Abläufe im restlichen Bereich der Klinik sichergestellt werden. Eine Schlüsselrolle kommt hierbei den Mitgliedern einer Taske Force zu, die schon bei früheren massenhaften Infektionserkrankungen wie bei der Schweinegrippewelle und beim Ausbruch des Q-Fieber zum Einsatz gekommen ist: Mit dem Unterschied, dass der im Falle von Ebola zu betreibende Aufwand unvergleichlich höher ist.

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