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Klinikum Heidenheim operiert an seiner Flexibilität

Für alle Notfall-Eventualitäten rund um die Uhr gerüstet zu sein, ist der eine Anspruch – keine überflüssigen Ressourcen vorzuhalten, der andere. Hier das richtige Maß zu finden, ist das Kunststück, das man im Klinikum Heidenheim in Gestalt eines neuen Belegungs-Managements versucht.

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Stationsarbeitsplätze im neuen Bettenhaus: Ressourcen und Patientenströme werden optimiert.  Foto: 

Seit jeher und allerorts steht der klinische Betrieb im Spannungsfeld stark variierenden Arbeitsaufkommens. Zu den Extremen zählen beispielsweise die gehäuft auftretenden Infektionserkrankungen in den Herbst- und Wintermonaten, denen im Frühjahr und Sommer eine häufig eher geringe Belegung gegenüber steht.

Das ist auch im Klinikum Heidenheim so, doch während man früher im 700-Betten-Haus alter Prägung und einer vergleichsweise üppig anmutenden Personalausstattung deutlich lockerer mit der Auslastungsproblematik umgehen konnte, haben sich die Rahmenbedingungen erheblich verschärft. Die gesamte Bettenkapazität ist im vollstationären Bereich auf 537 Plätze geschrumpft, die Personalausstattung auf Kante genäht, die betriebswirtschaftliche Situation von chronischer Unterfinanzierung bedroht.

„Die Spielräume sind enger geworden“, sagt Dr. Martin Grünewald, Chefarzt der Medizinischen Klinik I und erklärt den Handlungsbedarf aus der Praxis heraus. „Just in time“ ist angesagt, denn mehr als 80 Prozent aller Patienten kommen ungeplant, also nicht zu vorher vereinbarten Eingriffen auf den Schlossberg. Diese Einweisungs-Zahlen unterliegen aber großen Schwankungen, unabhängig von dem Zwang, eine konstante Mitarbeiterzahl, ein festes Bettenkontingent und die gesamte Logistik eines Krankenhausbetriebs vorzuhalten.

Was tun? – Die Heidenheimer Klinikleitung möchte in einem strukturierten Vorgehen Belegungszyklen untersuchen und bewerten, um dann kapazitätsorientiert Kontingente zu bilden. Konkret bedeutet dies, dass man versucht, das aktuelle sommerliche Belegungs-Tief mit den Ressourcen in Einklang zu bringen, den personellen wie logistischen Aufwand auf möglichst kleiner Flamme zu halten. Heißt: Anstatt in vielen Bereichen unbelegte Betten zu haben, konzentriert man den Leerstand für einen vordefinierten Zeitraum auf einen einzigen Bereich.

Die aktuelle Wahl fiel auf eine kleine, 14 Betten umfassende Station in der Gastroenterologie, die derzeit stillgelegt ist. Dieser kleine autonome Bereich, der zur 100 Betten starken Medizinischen Klinik I und damit zur größten Einheit des Akutkrankenhauses gehört, eignet sich nach Einschätzung der Verantwortlichen gut als Experimentierfeld für das Belegungs-Management, bleibt die Manövrierfähigkeit in der allgemeinen inneren Medizin doch voll erhalten. Das Rezept, nicht mehr alle Stationen in Betrieb zu halten, hat den Vorteil, dass Logistik eingespart werden kann, und dass Beschäftigte Urlaub nehmen oder zum Teil in starkem Maße aufgelaufene Überstunden abbauen können. Die Konzentration auf einen leerstehenden Bereich bedingt aber auch, dass Mitarbeiter ihren gewohnten Arbeitsplatz auf Zeit wechseln. „Da ist allseits Verständnis nötig“, sagt Pflegedirektor Klaus M. Rettenberger nicht zuletzt im Blick auf die Zukunft, in der man noch tiefer ins Belegungs-Management einsteigen will.

Die jetzt vorgenommene vorübergehende Schließung einer kompletten Station ist nur der erste Schritt eines längeren Weges. So kündigt Pflegedienstleiterin Susanne Gaiser an, dass man sich nach dem Jahreszyklus auch den Wochenrhythmus ansehen wird, um zumal im Kurzliegerbereich eine Belegungssteuerung zu realisieren. So könnten etwa an den Wochenenden halbleere Stationen vermieden werden, die sich allein schon aus dem Patientenbedürfnis ergeben, das da lautet: montags rein und freitags heim.

Ein denkbares Modell sind neben den klassischen Stationen mit fester Betten-Zuordnung sogenannte Mischstationen, in denen die Kurzlieger – das sind fast 50 Prozent aller Patienten – von verschiedenen Fachbereichen versorgt werden.

Martin Grünewalds Versprechen: Bei allem Streben nach mehr Flexibilität wird man im Klinikum immer noch Reserven vorhalten, um die volle Aktionsfähigkeit zu bewahren. OP-Kapazitäten beispielsweise werden im Moment nicht abgebaut. Die chirurgischen Chefärzte rechnen auch in den Sommermonaten mit einem hohen Aufkommen, zumal diese Zeit von eher jüngeren Leute für Wahleingriffe vorgezogen wird.

Ob und wie die Operation „Belegungs-Management“ gelingt, wird eine Evaluierung zeigen, die auch offenbaren soll, wo eventuell nach- oder gar umgesteuert werden muss. Über all dem, so versichert man im Klinikum, steht die Versorgungsqualität der Patienten. Dient das flexible Krankenhaus auch der Zufriedenheit der rund 1500 Mitarbeiter, ist das Organisationskonzept perfekt.

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