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Kirchenglocken: Wann und warum läuten diese eigentlich?

Jeder kennt es, viele nehmen es bewusst aber kaum mehr wahr: das Läuten der Kirchenglocken. Wann und warum läuten diese eigentlich?

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Morgens um 6.30 Uhr läuten die Glocken der katholischen Kirche St. Maria das erste Mal. „Das ist das Angelus-Läuten, das auch mittags um 12 Uhr und abends um 19 Uhr zu hören ist“, weiß Karl-Heinz Huschka, Mesner der katholischen Kirche St. Maria.

„Den Grund für das Läuten kennt heute aber kaum jemand mehr“, befürchtet Pfarrer Josef Ebert von der Dreifaltigkeitsgemeinde. Eigentlich sei dieses nämlich ein Aufruf zum Gebet, dem Angelus-Gebet, das dreimal täglich gebetet wird. In der Dreifaltigkeitskirche startet man damit aber etwas später als in der Marienkirche: Um 7 Uhr, um 12 Uhr und um 18.30 Uhr läuten hier die Glocken. Um die Ruhe am Wochenende nicht zu stören, wird am Samstag und Sonntag auf das morgendliche Angelus-Läuten verzichtet.

Als es noch kein Radio und Smartphone gab, orientierte man sich ohnehin noch mehr an den Glocken, denn diese waren weithin zu hören: „Zum Beispiel bei der Arbeit auf dem Feld“, sagt Huschka. „Ab dem 12. Jahrhundert warnten die Glocken vor Hochwasser und Feuer“, weiß Pfarrer Ebert, der sich auch noch an das „Wetterläuten“ während seiner eigenen Kindheit erinnert. So wurden damals auch drohende Unwetter angekündigt.

Vor Gewittern wird heute im Wetterbericht gewarnt, zum Gebet aber rufen die Glocken auch bei den Protestanten. So wird in der Pauluskirche morgens, mittags und abends geläutet. Um 7 Uhr ruft die Betglocke zum Morgengebet, um 12 Uhr erklingt sie abermals und um 19 Uhr wird dann auch schon das Nachtgebet angemahnt.

Wie die Pauluskirche hat auch die Michaelskirche vier Glocken, die zu verschiedenen Zeiten läuten: Die zweitgrößte Glocke der Michaelskirche, die Kreuzglocke, läutet jeweils um 11 Uhr und um 15 Uhr. Sie sollen an das Geschehen von Golgotha, also die Kreuzigung Jesu, erinnern.

Bei Beerdigungen aber läutet nur noch die jeweilige Glocke auf dem Waldfriedhof oder Totenberg, erklärt Pfarrerin Dorothea Schwarz von der evangelischen Paulus-Wald-Kirchengemeinde: „Bei der Vielzahl der Beerdigungen ist das nicht mehr praktikabel.“ In der Stadt sei – anders als in den Dörfern rings um Heidenheim – für den einzelnen Einwohner nicht mehr klar, für welchen verstorbenen Mitbürger nun die Glocken läuten.

Sonn- und Festtage werden in der Pauluskirche am Vorabend um 17 Uhr mit allen Glocken angekündigt. Eine Stunde vor Gottesdienstbeginn ertönt die Betglocke – eine halbe Stunde später die Sonntagsglocke und zu Beginn des Gottesdienstes heißt es dann wieder: volles Geläut. Auch während des Gottesdienstes bleiben die Glocken nicht still, erklärt Schwarz: „Betet die Gemeinde im Gottesdienst das Vaterunser, wird die Betglocke geläutet, damit die Daheimgebliebenen mit der Gemeinde mitbeten können.“

Auch katholische Messen werden laut angekündigt: So kann man die Glocken der Dreifaltigkeitskirche fünfzehn Minuten vorher hören. „Jeweils zehn Minuten vor den Messen läutet es in der Marienkirche“, weiß Huschka, und das in der Regel fünf Minuten lang. Einmal sei eine Vertretung für ihn dagewesen, diese habe die Glocken 20 Minuten vorher geläutet: Verwirrung unter den Gottesdienstbesuchern sei die Folge gewesen.

Bei den Katholiken gibt es dann natürlich noch einen anderen Grund, die Glocken klingen zu lassen: Wenn in Rom weißer Rauch aufsteigt und ein neuer Papst gewählt ist, wird das auch in Heidenheim verkündet. „Bei der letzten Papstwahl haben die Glocken eine halbe Stunde lang geläutet“, erinnert sich Huschka.

Das neue Jahr begrüßen in Heidenheim zu Silvester sowohl evangelische als auch katholische Glocken. Und dann gibt es ja auch noch den Stundenschlag. Alle 15 Minuten schlägt ein Hammer auf eine der Glocken und weist damit auf die Uhrzeit hin, weiß Pfarrerin Schwarz.

Früher habe der Stundenschlag und die Kirchturmuhr noch die eigene Armbanduhr ersetzt. Beim eigentlichen Läuten wird die Glocke mit Hilfe eines elektrischen Antriebes in Schwingung versetzt. Anno dazumal war das Ganze weitaus mühsamer: Ein Seil diente als Antrieb. Das ist heute aber nicht mehr praktibel, sagt Pfarrer Ebert: „In der Dreifaltigkeitskirche ist das Läuten von Hand allein schon deshalb nicht mehr möglich, weil sich an den Glocken gar keine Seile mehr befinden.“

Unsere Serie „Heiliger Bimbam“ stellt die ältesten Glocken im Landkreis Heidenheim vor:

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