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Kinderwerk Lima: Besuch aus Burundi beim Jahresfest am Sonntag

Die Heidenheimer Organisation ist auch in Burundi aktiv und hat zum Jahresfest am Sonntag Gäste aus dem afrikanischen Land eingeladen.

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Mit Afrika im Dialog: Der Leiter des Kinderwerks, Pfarrer Imanuel Kögler (re.), hat Onesphore Manirakiza (li.) und Donatien Ndagijimana von der Harvest Initiative in Burundi zum Jahresfest nach Heidenheim eingeladen.  Foto: 

Die Gegensätze könnten kaum größer sein: Deutschland hatte 2016 ein Bruttoinlandsprodukt von 41902 US-Dollar pro Kopf und lag damit weltweit auf Platz 19 aller Länder. Burundi nimmt mit 814 US-Dollar pro Kopf und Jahr den drittletzten Platz ein.

Laut Welthungerindex gilt es sogar als ärmstes Land der Welt. Trotzdem wollte Onesphore Manirakiza nach seinem Jurastudium in der Hauptstadt Bujumbura die Heimat nicht verlassen. „Ich hatte Freunde in Kanada, die hätten mir bei der Auswanderung geholfen“, erinnert sich der 45-Jährige.

Das sei eine große Versuchung gewesen, jedoch: Er wollte nicht weg und nur für seinen eigenen Vorteil leben, sondern seine Vision für sein Land verwirklichen. „Bildung ist der Schlüssel“, ist sich Onesphore Manirakiza sicher. Deshalb gründete er, motiviert aus dem christlichen Glauben heraus, die Initiative „Harvest“.

Neue Mittelschicht in Peru

2015 machte sich Pfarrer Imanuel Kögler, der Leiter des Kinderwerks Lima, auf die Suche nach einem neuen Betätigungsfeld für die Ende der 1960er-Jahre in Heidenheim gegründete Hilfsorganisation. In Peru und Paraguay, wo sich das Kinderwerk mit Schulen, Kinderspeisung und beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen engagiert, gibt es mittlerweile eine kleine, aber wachsende Mittelschicht, sodass künftig ein Teil der Spenden auch in den Ländern selbst generiert werden kann.

„Als wir nach Burundi kamen, haben sich gerade alle anderen Hilfsorganisationen von dort zurückgezogen“, erinnert sich Kögler an die politische Lage in dem ostafrikanischen Land vor zwei Jahren. In Burundi leben wie im benachbarten Ruanda auch die Volksgruppen der Hutu und Tutsi. In den 1990er-Jahren gab es einen Bürgerkrieg mit 300000 Toten, heute fehlt durch einen widerrechtlich amtierenden Präsidenten die politische Stabilität.

Imanuel Kögler und Onesphore Manirakiza kamen zufällig in Kontakt miteinander – oder durch Gottes Fügung, wie sie beide glauben. Es entstand eine Partnerschaft, bei der auf beiden Seiten dieselbe Vision geteilt werde, sagen die beiden Männer übereinstimmend.

Dabei findet das Engagement des Kinderwerks in Afrika auf einer ganz anderen Basis statt als Ende der 1960er-Jahre in Südamerika: Während damals Mitarbeiter aus Deutschland und der Schweiz nach Lima entsandt wurden und einen Kindergarten neu aufbauten, gab es in Burundi bereits eine Hilfsorganisation mit einheimischen Mitarbeitern, die das Kinderwerk jetzt unterstützt.

Einen Mitarbeiter aus Deutschland, der idealerweise die pädagogische Arbeit vor Ort fachlich unterstützen kann, sucht das Kinderwerk noch dringend. Aufgrund der schwierigen politischen Lage sei es aber nicht einfach, jemanden zu finden, der darüber hinaus mindestens Französisch als Fremdsprache beherrschen sollte, denn dies ist neben Kirundi die zweite Amtssprache des Landes.

„Es hat sich ein modernes Verständnis von Hilfstätigkeit entwickelt“, erläutert Kögler. Man komme als Partner und wolle gegenseitig voneinander lernen. Manirakiza bestätigt auch, dass die Gelder vom Kinderwerk nicht an Bedingungen gebunden seien. Umgekehrt gebe es eine große Transparenz, wie die Spenden vom Kinderwerk in Burundi verwendet werden, sagt Kögler.

Bessere Ausbildung für Lehrer

Zweimal jährlich reisen Mitarbeiter des Kinderwerks nach Burundi und informieren sich vor Ort. Zum ersten Mal sind Onesphore Manirakiza als Gründer der Harvest-Initiative und deren aktueller Leiter Donatien Ndagijimana momentan zu Gast in Europa. In Begleitung von Kögler und Jürgen Burst vom Kinderwerk reisen die beiden unter anderem in die Schweiz zur dortigen Niederlassung des Kinderwerks und besuchen verschiedene Schulen in Deutschland, um sich für ihre Arbeit in Burundi Anregungen zu holen.

Am Sonntag, 17. September, sind die beiden Afrikaner zu Gast beim Jahresfest des Kinderwerks und berichten aus ihrem Heimatland. Ganz wichtig sei es, in Burundi das Niveau der Lehrerausbildung anzuheben, meint Imanuel Kögler. „Oft beenden sie die Schule und fangen direkt an, selbst zu unterrichten“, erzählt der Pfarrer. „Wir können uns jetzt Lehrer mit Hochschulabschluss leisten“, ergänzt Donatien Ndagijimana.

Besondere Förderung kommt den Kindern des Pygmäen-Volkes zu. Diese ethnische Minderheit werde in Burundi „wie Menschen dritter Klasse“ behandelt, berichtet Manirakiza. Die früher als Nomaden lebenden Pygmäen wurden in Burundi unter Zwang angesiedelt. Besonders frühe Eheschließungen verhindern die Bildung der Mädchen, so Manirakiza. Dem will die Initiative Harvest durch eine Internatsschule begegnen, die im kommenden Jahr eröffnet werden soll und in der bevorzugt Pygmäen aufgenommen werden könnten.

Kinderspeisung und Schulausbau als Mittel gegen die Armut

Das Kinderwerk Lima konnte 2016 in Burundi mit etwa 150 000 Euro helfen. 2017 könnten es bis zu 200 000 Euro werden. Bislang wird eine Schule für 350 benachteiligte Pygmäen-Kinder im Norden des Landes unterstützt sowie die Kinderspeisung für 1250 Kinder an verschiedenen Orten des Landes.

Geplant sind der Ausbau der Schule um die fehlenden Sekundarschulklassen, die Anschaffung von Unterrichtsmaterial, der Aufbau einer Berufsausbildung.

Nach wie vor ist das Kinderwerk in Peru und Paraguay mit fünf Schulen tätig. Dort sind 570 einheimische Mitarbeiter beschäftigt, die sich um 4650 Schüler kümmern. Zudem werden täglich 2500 Kinder in Lima gespeist, es gibt Kinderhorte und Familiensozialarbeit, zudem werden Kirchengemeinden gegründet. In Deutschland beschäftigt das Kinderwerk sieben Mitarbeiter in Heidenheim und eine Halbtagskraft in der Schweiz.

Das Jahresfest des Kinderwerks am Sonntag, 17. September, beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Turn- und Festhalle Mergelstetten. Am Nachmittag gibt es Workshops und es wird mit Musik von der Sängerin Siyou gefeiert. Bei der Veranstaltung werden rund 600 Gäste erwartet.

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