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Kaum Spielraum für neuen Jugendherbergs-Anlauf

Das Ende scheint unumgänglich und markiert das Aus einer ganzen Ära. An Angeboten der Stadt für neuee Standort hat's aber nicht gefehlt.

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  • Eigentlich steht die Flagge schon auf Halbmast: Ende des Jahres schließt die Jugendherberge in der Weststadt, und die Chancen für einen Neuanfang sind ausgesprochen gering. 1/2
    Eigentlich steht die Flagge schon auf Halbmast: Ende des Jahres schließt die Jugendherberge in der Weststadt, und die Chancen für einen Neuanfang sind ausgesprochen gering. Foto: 
  • Ende ohne Aus: Die Jugendherberge an der Giengener Straße schloss vor gut 30 Jahren ihre Türen – fand aber einen anderen Standort. 2/2
    Ende ohne Aus: Die Jugendherberge an der Giengener Straße schloss vor gut 30 Jahren ihre Türen – fand aber einen anderen Standort.
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Die Jugendherberge, so steht's fest, ist ein Auslaufmodell, wird Ende dieses Jahres dicht gemacht. Bleibt Heidenheim damit auf der Karte des Jugendherbergswerk für immer ein weißer Fleck oder ist das letzte Wort doch noch nicht gesprochen?

Eigentlich schon, denn alle an diesem Entscheidungsprozess Beteiligten haben ihren Standpunkt bekanntermaßen ziemlich unmissverständlich erklärt: Die Stadt gibt das von ihr in Erbpacht genommene Gelände in der Liststraße an die Eva Heidenheim, also an die Eigenbedarf geltend machende Eigentümerin des Areals zurück und lässt damit den Mietvertrag mit dem Jugendherbergswerk auslaufen, das sich nicht vorstellen kann, an einem anderen Heidenheimer Standort eine neue Juhe zu bauen. Punktum.

Ein Unbehagen indes bleibt. Viele Heidenheimer empfinden die Schließung der längst zum Inventar dieser Stadt gehörenden Jugendherberge als echten Verlust, und im Zuge der öffentlich geführten Debatte ist die Angelegenheit jetzt auch in den Reihen des mit der Sachlage eigentlich ganz gut vertrauten Gemeinderates noch einmal aufgegriffen worden.

Thematisiert hat's zuvorderst SPD-Fraktionschef Rudi Neidlein, der im öffentlichen Teil der jüngsten Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses auf die Bedeutung dieser vom Jugendherbergswerk geführten Einrichtung verwies, die doch dringend notwendig sei und ohne Not nicht aufgegeben werden sollte.

Die Antwort wurde im nichtöffentlichen Teil gegeben und war nicht weiter überraschend, spiegelte die Aussage von Bürgermeister Rainer Domberg doch den bekannten Stand wieder:

Weil der in Stuttgart sitzende Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) nicht in der Lage gewesen sei, der Stadt ein hinreichend verlässliches Signal zu geben, dass man innerhalb eines überschaubaren Zeitraums an einem anderen Standort eine Herberge in Betrieb nehmen werde, habe man im Rathaus keine Möglichkeit gesehen, auf die Eva einzuwirken, das in der Weststadt gelegene Grundstück und Gebäude noch eine Zeitlang weiter zur Verfügung zu stellen.

Dies hat Oberbürgermeister Bernhard Ilg in dieser Woche in einem mit unserer Zeitung geführten Gespräch ausdrücklich bestätigt. „Hätte man beim Jugendherbergswerk gesagt, dass man in absehbarer Zeit an anderer Stelle investiere, dann hätten wir das nicht auslaufen lassen,“ so der Rathaus-Chef, der in diesem Zusammenhang darauf verweist, dem Landesverband auch Hilfe und Entgegenkommen bei der Suche nach einem neuen Platz zugesagt zu haben.

So habe man beispielsweise Grundstücke im Bereich Haintal/Giengener Straße und im erweiterten Bereich des Schlossbergs ins Spiel gebracht, und dieses bis dato ausgeschlagene Angebot gelte weiter: Sollte es auf Interesse stoßen, werde man sicher mit einem Vorteilsangebot auf den DJH zugehen.

Darüber hinaus will der Oberbürgermeister bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, dass man auf städtischer Seite auch schon in der Vergangenheit viele Wünsche des Herbergswerkes erfüllt und die örtliche Juhe in all der Zeit hoch subventioniert habe – im Übrigen ganz im Gegensatz zu anderen Trägern ähnlicher Einrichtungen wie etwa den Naturfreunden.

Auf die zurückliegenden rund 30 Jahre gerechnet, habe die Stadt anstelle der Jugendherberge, die das Gelände eigentlich nutze, 1,5 Millionen Euro Erbbauzins an die Eva bezahlt und auf einen Teil der Miete in Höhe von 1,8 Millionen Euro verzichtet: summa summarum 3,3 Millionen Euro.

Dass die Entscheidung der Stadt angesichts der geschilderten Umstände zugunsten der Eva Heidenheim gGmbH fiel, findet Bernhard Ilg legitim und angemessen zugleich. Diese vor Ort tätige Einrichtung der Jugend- und Jugendberufshilfe erachtet er als mindestens so wichtig wie eine Jugendherberge, „sie ist eher wichtiger für Heidenheim, weil sie sich täglich in vielfältiger Weise um Jugendliche kümmert“.

Nach Lage der Dinge liegt es nun allein am Jugendherbergswerk, den Ball doch nochmal ins Rollen zu bringen. Die Stadt ihrerseits sieht ihre Möglichkeiten ausgereizt und wird deshalb wohl keinen neuen Anlauf nehmen. DJH-Landesgeschäftsführer Karl Rosner wiederum hatte bereits erklärt, keinen finanziellen Spielraum für eine verbindliche Neubau-Zusage zu haben, gleichzeitig aber betont, wie gut und wichtig der Heidenheimer Standort sei. Bleibt's bei der jetzt festgefahrenen Situation, wird die Folge dauerhaft sein: Juhe ade.

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