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HSB: Der Weg ist frei einen Profi-Geschäftsführer

Mit einer Satzungsänderung und einer Beitragserhöhung nahmen die Mitglieder die Weichenstellung für eine neue Führungsstruktur vor.

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Die Hürden lagen durchaus hoch, doch jetzt sind sie genommen, wenn auch eher knapp. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten 162 von 205 anwesenden Mitgliedern einer vom Vorstand vorgeschlagenen Weichenstellung zu, mit der nun der Weg für eine Professionalisierung der Vereinsarbeit frei ist. Die für diesen Schritt erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit ist um gerade mal acht Stimmen übertroffen worden.

Ein gewisses Aufatmen war durchaus zu bemerken. Es kam vom HSB-Vorsitzenden Dr. Volker Wiedenmann, der schon deshalb ein glühender Verfechter für die Einstellung eines hauptamtlichen Geschäftsführers ist, weil er seit geraumer Zeit merkt, dass die auf den Großverein zukommende Arbeit von einem ehrenamtlich tätigen Vorstand allein nicht mehr zu stemmen ist.

Viele große Baustellen

Bei der jetzigen Hauptversammlung im Voith-Sportzentrum unterstrich er die Notwendigkeit für einen Kurswechsel nochmals an einigen wenigen Beispielen, erwähnte die aktuell anstehende, offenbar nicht ganz einfache Realisierung des Kinderschutzkonzepts, die noch kompliziertere Umsetzung der EU-Datenschutz-Verordnung, die dringend gebotene Begleitung der sportlichen Entwicklung von Abteilungen und die Neuaufstellung im Fechtzentrum: viele Baustellen, die Wiedenmann große Kopfschmerzen bereiten, denn „das kann man so wie bisher nicht mehr bearbeiten“.

Dass der Vorstand in seiner täglichen Arbeit Entlastung braucht, anerkennt die Vereinsbasis, wo denn auch kein grundsätzlicher Dissens erkennbar ist. Die Absicht, den für 300 Beschäftigte und ein Haushaltsvolumen von drei Millionen Euro zuständigen Vorstand zu verschlanken, in der Satzung fortan sechs Köpfe als Maximum festzuschreiben, fand bei dieser Hauptversammlung ebenso Zustimmung wie die Absicht, in diesem Gremium nunmehr auch die Position eines hauptamtlichen Geschäftsführers zu verankern.

Die Geister scheiden sich allein an der Frage, ob dieser Geschäftsführer einzelvertretungsberechtigt sein soll. Der amtierende Vorstand sieht dies als Grundbestandteil seines Modells, das auf einen starken, handlungsbefugten und mit Kompetenzen ausgestatteten Geschäftsführer zielt.

„Das entspricht durchaus den Gepflogenheiten von Industrie und Wirtschaft,“ sagte Notar a. D. Walter Böhringer bei der Vorstellung der darauf abgestimmten Satzungsänderung, und auch Vorsitzender Volker Wiedenmann machte deutlich, dass er nichts davon hält, mit einem Geschäftsführer zu arbeiten, der Rechtsgeschäfte nur aufgrund von Vollmachten abwickeln kann: „Im Alltag völlig unpraktikabel.“

Gegenwind kam am Donnerstagabend von den beiden HSB-Ehrenvorständen Heinz Mahlau und Rolf Paas, die sich in einem gemeinsamen Antrag dagegen aussprachen, dem in einem gemeinnützigen Verein angestellten hauptamtlichen Geschäftsführer Einzelvertretungsberechtigung zu erteilen. Dies sei unüblich, argumentierte Mahlau, der dafür plädierte, die Aufgaben und Befugnisse in einer Vertretungsvollmacht festzuschreiben.

Der mit diesem Antrag zum Ausdruck kommenden Sorge, dass – so formulierte es Wiedenmann – der Geschäftsführer „irgendwas Dummes macht“, begegnete der Vorstand mit dem Hinweis, dass dessen Handeln durchaus Grenzen gesetzt seien, weil die Einzelvertretungsbefugnis in vermögensrechtlichen Angelegenheiten auf eine Summe von 30 000 Euro beschränkt werden soll.

Am Ende stimmten 43 Mitglieder, also zu wenig, für den Gegenantrag, bei dessen Diskussion sich erstmals auf öffentlicher Bühne zeigte, dass zwischen den beiden Ehrenvorständen und dem amtierenden Vorsitzenden ein nicht näher erklärtes, aber in jedem Fall tief gehendes Zerwürfnis besteht. Mahlau verwahrte sich gegen einen vor Kurzem in einem HZ-Artikel von Wiedenmann erhobenen Vorwurf, mit dem Antrag Unruhe gestiftet und dem Verein geschadet zu haben. „Wer das behauptet, vor dem habe ich jeglichen Respekt verloren“, wetterte das HSB-Urgestein.

Beitrags-Plus von 40 000 Euro

Ungeachtet der offen ausgetragenen persönlichen Befindlichkeiten stehen nunmehr folgende Fakten fest: Der Vorstand wird einen Geschäftsführer bestellen, der auch für das Fechtzentrum zuständig sein wird. Mit dieser Konzeption spart man pro Jahr rund 40 000 Euro und damit so viel, wie durch eine gleichfalls in dieser Woche beschlossene Beitragserhöhung zusätzlich hereinkommen wird.

Durchschnittlich benötigt man von jedem der rund 4300 Mitglieder acht Euro mehr im Jahr, um den Geschäftsführer zu bezahlen; die Beiträge sind gestaffelt, vor allem junge HSBler und Familien werden weniger belastet. Weil mit dem Tod von Jochen Kassel die Idealbesetzung für die Konzeption verloren gegangen ist, wird man nach einem neuen Geschäftsführer suchen (ein ernstzunehmender Bewerber hat offenbar schon an die Tür geklopft), und da der als Externer eine Einarbeitungszeit braucht, hat Dr. Wiedenmann dem HSB angeboten, seine Amtszeit nochmals um zwei Jahre zu verlängern.

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