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Herbstprogramm der Stadtbücherei bunt gemischt

Das Herbstprogramm der Heidenheimer Stadtbücherei für Erwachsene und Kinder ist bunt gemischt. Es reicht von Pornstory bis zum pupsenden Pony.

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Nach jahrelangem Bemühen endlich verpflichtet: Der vielfach ausgezeichnete Münchner Autor Friedrich Ani wird in der Heidenheimer Stadtbücherei aus seinem neuesten Krimi lesen.  Foto: 

„Seit mindestens sechs oder sieben Jahren bin ich hinter dem Ani her“: Klaus-Peter Preußger hat, wenn es ums Zusammenstellen eines neuen Leseprogramms für die Heidenheimer Stadtbibliothek geht, „jedes Mal so ein paar Autoren vor Augen, bei denen ich hartnäckig immer wieder nachfrage“. Rafik Schami beispielsweise sei so einer. Oder eben Friedrich Ani, der Liebling der Münchner Feuilletons, „bei dem ich schon den Eindruck habe, dass Lesereisen nicht unbedingt zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehört“.

Jetzt hat's, endlich, geklappt: Der vielfach ausgezeichnete Kriminal- und Sozialschriftsteller kommt am 27. Oktober ins Elmar-Doch-Haus und liest aus seinem neuesten Tabor-Süden-Krimi „Der einsame Engel“.

Und Ani ist nicht der einzige Verfasser von Krimis resp. Thrillern, eines artverwandten Genres: Mit Petra Hammesfahr kommt eine weitere Autorin, um die sich Preußger schon lange bemüht.

„Wir sind dann halt mal wieder ein bisschen krimilastig“, zuckt Preußger, ohne wirklich tiefsitzendes Bedauern, die Schultern – aber das werde schließlich auch gedeckt durch die Entleihzahlen, auf die das Bibliotheksteam, das letztlich für die Auswahl der Autoren verantwortlich zeichnet, immer auch schaut: Man will schließlich nicht am Geschmack der Leser vorbeiplanen – was überraschende Autorenerlebnisse nicht ausschließt.

Der Einstieg ins Herbstprogramm, das für erwachsene Literaturliebhaber vier Autorenbegegnungen vorsieht, wurde im Auswahlteam, wie Preußger berichtet, intensiv und durchaus kontrovers diskutiert. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt – und sei's an Erfahrung. In diesem Sinne wurden für den Oktober und November vier Schriftsteller verpflichtet, die insgesamt ein recht breites literarisches Spektrum abdecken.

Wenn's gut läuft, ist das der letzte Literaturherbst im Elmar-Doch-Haus: Im November 2017 soll die Bücherei, wenn alle Zeitpläne gehalten werden können, umziehen ins neue Domizil neben der Pauluskirche (Näheres zum Neubau gibt es auf den Seiten 36 und 37). Und der erste literarische Herbst dort wird dann voraussichtlich der letzte sein von Preußger – er geht Ende November 2017 in den Ruhestand.

Jetzt aber engagiert er sich noch, bei aller neuplanerischen Beanspruchung, für auktoriales Leben in der Bücherei. Und er ist gespannt auf den ersten Abend, den am Donnerstag, 13. Oktober, Ralf König im Lokschuppen bestreitet. „Ich weiß noch nicht wirklich, was an diesem Abend passieren wird“, sagt Preußger: „Das wird ein bisschen eine Comiclesung“, erwartet er. Ein Beamer werde vorhanden sein; „auf der Leinwand wird schon irgendetwas passieren“. Ob Ralf König, der ja sehr bekannt geworden ist durch seine Comics wie „Das kleine Arschloch“ oder (erfolgreich verfilmt) „Der bewegte Mann“, bei dem mit dem Heidenheimer Kulturamt veranstalteten Abend „live zeichnet“, wird sich zeigen.

„Comics laufen bei uns sehr gut“, weist die Statistik der Bücherei aus; und der „rotzfreche König“ sei auch in Heidenheim einer der erfolgreichsten Cartoonisten. Wie das Thema „Pornstory“ ankommt, ist noch ungewiss – es dürfte polarisieren; und das hat es auch schon bei der bibliothekarischen Vorbesprechung getan. Sein eigenes Opus beschreibt der gebürtige Soester Zeichner wie folgt: „Knöpft schon mal die Hosen auf - nun ist sie da, die ultimative Betroffenheitsliteratur für Pornoliebhaber und deren Kritikerinnen“. Der „bekennende Schwule und lustvolle Provokateur“ präzisiert freilich: „Mein Ansatz war, bei dem Thema neutral zu bleiben, pornokonsumierende Männer und naserümpfende Frauen zu verstehen.“

Von dem Münchner Friedrich Ani gibt es zwei neue Bücher, ein weiteres wird für den Herbst noch erwartet: Preußger geht davon aus, das er am Donnerstag, 27. Oktober, aus „Der einsame Engel“ liest. In dessen Mittelpunkt steht der legendäre Münchner Ermittler Tabor Süden, der längst zur Kultfigur weit über den bajuwarischen Kulturraum hinaus geworden ist. Er forscht einem verschwundenen Mann nach, der Affären gehabt haben soll mit Frauen jedweden Alters – und doch immer ein einsamer Mensch geblieben ist. Preußger hat den Roman bereits verschlungen und wertet den „Einsamen Engel“ als einen „scharfsinnigen und gefühlvollen Krimi über das Fremdsein in der Liebe und im Leben“.

Auch um Männer, aber wiederum ganz anders, geht es am Donnerstag, 10. November, zu, wenn mit Björn Süfke einer der wenigen deutschen Männertherapeuten ins Elmar-Doch-Haus kommt. Sein Titel ist boulevardzeitungsmäßig akzentuiert: „Männer. Erfindet. Euch. Neu.“ nennt er seinen Abend bei dem er betonen wird, dass die „Neuerfindung des Mannes“ eine überfällige und sinnvolle Sache ist. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Heidenheimer „Forum Bildung und Entwicklung“.

Und dann, zur letzten herbstlichen Lesung, kommt eine Frau, auf die Preußger auch schon lange wartet: Petra Hammesfahr, eine der erfolgreichsten deutschen Thriller-Autorinnen, stellt ihr Buch „Fremdes Leben“ vor. Auch das hat Preußger, der Hammesfahr schon seit über zwei Jahrzehnten liest und schätzt, bereits verschlungen: „Ich wollte nimmer runter vom Sofa“, beschreibt er seine Lesegier. Und wertet Hammesfahrs neues Buch als „hochgradig raffiniert“. Es geht um eine Frau mit Gedächtnisverlust, die sich mit dem Gedanken vertraut machen muss, dass sie wahrscheinlich eine Mörderin ist. Bei der Erinnerungsrecherche steht ihr ein Mann bei, der sich „als ihr Ehemann vorgestellt hat“.

Und dann gibt's da für den Herbst eine zweite Veranstaltungsreihe für Kinder und Jugendliche, die den Bibliothekaren „nicht weniger wichtig“ ist als die bereits vorgestellte.

Es gibt regelmäßige Kinderveranstaltungen, deren Termine im neuen, gerade erschienenen Veranstaltungsheft nachgelesen werden können. Es gibt das Lesezelt im Elmar-Doch-Haus und die Bücherburg in der Zweigstelle Ost, deren Tage ja gezählt sind. Und ebendort wird es zu Halloween wieder eine „Grusel-Lesenacht“ geben: „Die ist äußerst beliebt und meist schnell ausgebucht.“

Professionelles Kindertheater anzubieten, ist ein regionales Alleinstellungsmerkmal der Heidenheimer Bücherei. Am Sonntag, 9. Oktober, stellt das fränkische „Blinklicht-Theater“ szenisch das Buch „Cowboy Klaus und das pupsende Pony“ vor, das in der Originalfassung von Eva Muszynski und Karsten Teich häufig entliehen wird.

Das gilt auch für die „Zeitdetektive“-Bücher von Fabian Lenk: Der Journalist und Buchautor hat eine eigenwillige Form gefunden, eine spannende Krimihandlung mit historischem Hintergrundwissen zu verbinden. Er kommt am Mittwoch, 19. Oktober, 15 Uhr, ins Elmar-Doch-Haus.

Die drei Spieler des „Theaters die Stromer“ schlüpfen am Sonntag, 6. November, 15 Uhr , in aberwitzige Rollen. Der Nachmittag steht unter dem Titel „Der Fee, die Fee und das Monster“.

Fünffach im Bestand und dennoch meist entliehen sind die „Expedition Wissen“-Bücher von Thilo P. Lassak, zu deren Nutzung auch ein „Tiptoi“-Stift gehört, der Zusatzwissen digital abruft: „Ravensburger hat sich da eine sehr lukrative Marktlücke geschaffen“, meint Preußger: „Die Nachfrage ist gigantisch“. Lassak kommt am Dienstag, 8. November, 15 Uhr.

Den Abschluss des Kinderprogramms macht das „Figurentheater Pantaleon“, das bereits mehrfach in Heidenheim zu erleben war. Am Samstag, 10. Dezember, 15 Uhr, wird mit Michel von Lönneberga eine legendäre literarische Figur zum Leben erweckt. Die Aufführung im Elmar-Doch-Haus ist eingebunden in den Markt „Weihnachten unterm Hellenstein“. Und bei diesem Puppentheaterduo hat Preußger immer wieder die Erfahrung gemacht: „Ums Publikum brauchen wir uns da keine Sorgen zu machen“.

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