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Heidenheimer Singschule wurde am Sonntag eröffnet

Die Singschule "Musica Cantorum Heidenheim" wurde am Sonntag offiziell eröffnet. Das Team stellte sich vor, für die Kinder gab es ein Schnupperprogramm.

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Der „Aha-Effekt“ ist es, auf den Maddalena Ernst, die Stimmbildnerin der neuen Singschule „Musica Cantorum“, setzt. Denn ihrer Erfahrung nach denken viele, sie könnten gar nicht singen. „Aber wenn Atmung, Körperhaltung und alles richtig eingestellt ist, kann jeder singen“, ist die 35-Jährige überzeugt. Sie zeigt den Sängern vom Kinder- bis zum Erwachsenenchor ab sofort verschiedene Techniken, gibt Hilfestellungen und begleitet das, was im Chor gemacht wird.

Doch Ernst ist nicht die Einzige, die Teil der neuen Singschule ist. Initiiert wurde das Projekt von Regionalkantor und Kirchenmusiker Jan Martin Chrost. Erst am Freitag beendete der 26-Jährige sein Studium mit einem Master in katholischer Kirchenmusik – und am Sonntag eröffnete er bereits feierlich die Singschule.

In der leitet der Wahl-Heidenheimer nicht nur den Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchor, sondern zeichnet sich auch für die Männer- und Frauenschola sowie für das Junge Ensemble verantwortlich.

Das Hauptaugenmerk lag bei der Eröffnungsfeier im Gemeindezentrum am Ottilienberg aber zweifelsohne auf den Kindern. Denn für die gibt es nun zwei Gruppen, in denen die Drei- bis Siebenjährigen spielerisch das Singen lernen sollen. Die „Singzwerge“ (drei bis fünf Jahre) und die „Marienkäfer“ (ab vier Jahren bis zur Einschulung) betreut ab sofort Dina Grossmann.

Die 27-Jährige hat an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln elementare Musikpädagogik studiert und freut sich sehr auf ihre neue Aufgabe. „Ich hoffe, dass ich das, was mich schon von klein auf begeistert hat, auf die Kinder hier übertragen kann.“ Sie sei ein eher schüchternes Kind gewesen und habe durch die Musik und das Singen einen Weg gefunden, um sich auszudrücken. Diese Freude wolle sie auch bei den Kleinen wecken.

„Ich glaube, man kann gar nicht früh genug mit dem Singen beginnen“, so Grossmann. Denn neben der eigenen Stimme, die jedem bleibe, auch wenn alles Materielle weg sei, seien es vor allem die Erfahrungen, die man in jungen Jahren sammle, die prägen: „Ich weiß, dass nicht alle, die an meinem Kurs teilnehmen, Musiker werden, aber wenn etwas hängen bleibt, dann kann ihnen das keiner mehr nehmen“, erklärt die Musikpädagogin.

Bei den „Singzwergen“ sei die Besonderheit, dass hier die Kinder in Begleitung eines Erwachsenen zum wöchentlichen Treffen kommen. „So bekommen sie Liedgut mit, das sie auch Zuhause anwenden können.“ Das Singen stehe hier klar im Mittelpunkt, aber auch Instrumente und Bewegung spielen eine große Rolle.

Hinter den „Marienkäfern“ hingegen steckt ein einjähriges Konzept, bei dem der Einstieg zu jedem neuen Schuljahr möglich ist. „Hier haben wir eine breitere Musikvermittlung“, erläutert Grossmann. Es gehe neben dem Singen darum, Instrumente und Klänge aus Stücken herauszuhören und sich zu bewegen. Sogar ein „Elementar-Instrumentarium“, bestehend aus Handtrommeln, Glockenstäben, Rasseleiern, Xylophonen, Klanghölzern, Becken, Triangeln und so weiter ist eigens angeschafft worden. Damit soll die Feinmotorik geschult werden. „Und die Kinder haben schnelle Erfolgserlebnisse und bleiben so am Ball“, so die Gruppenleiterin.

Sowohl Grossmann als auch Ernst sind gespannt, wie die Singschule anläuft. Das Ziel der Stimmbildnerin ist es, den Sängern dabei zu helfen, ihre eigenen Stimmen besser kennenlernen und sich intensiver damit auseinandersetzen. „Das Singen hat viel mit Körperlichkeit zu tun – und die soll jeder für sich selber entdecken“, so Ernst. Der Unterricht – zumindest in der Musikschule, wo sie auch tätig ist – sei meist sehr produktiv: „Viele gehen trällernd raus, sind wacher und besser aufgestellt.“

Und während im großen Saal des Gemeindezentrums Pfarrer Tuan Anh Le, Diözesanmusikdirektor Walter Hirt und Professor Robert Göstl von der Musikhochschule Köln den Erwachsenen die Vorteile einer Singschule näher brachten, durften die Kinder im Nebenraum musizieren und basteln.

Grossmann und Ernst hatten einen Sitzkreis aufgebaut. Mit dem „Musi-Kater“, einem Kuscheltier, und dem dazu passenden Lied lernten sich die Kinder zunächst spielerisch kennen. Anschließend machte Dina Grossmann deutlich, wie wichtig es ist, den Körper aufs Singen vorzubereiten. Alle standen auf, lockerten Hände, Beine und Kopf. Es folgte eine Geschichte von Maddalena Ernst, bei der die Kinder verschiedene Laute – von tief bis hoch, von laut bis leise – üben konnten. Das reichte vom leisen Schnarchen beim Schlafen, über die sich öffnende Bustür bis hin zum plätschernden Regen.

Bei der „Rasselbande“, einem kurzen Lied, wurden die Rasseleier ausprobiert und jeder durfte mal der Chef-Rassler sein. Am Ende durfte jedes Kind noch einen Schlüsselanhänger basteln, was ihnen ganz offensichtlich großen Spaß bereitete. Das Motiv: Der kleine rote Vogel, der das Logo der Singschule „Musica Cantorum“ ziert. Stolz wurden sie hinterher den Eltern gezeigt.

Wie die neue Singschule sich entwickelt, wird sich zeigen. Pfarrer Le jedenfalls zeigte sich in seiner Ansprache sehr optimistisch.

Der Diözesanmusikdirektor schloss sich an und betonte, wie sehr Chrost „für die Sache brennt“. Das Engagement des Regionalkantors unterstrich auch der Professor: „Die Singschule ist ein Pilotprojekt, das es in dieser oder ähnlicher Form nur zweimal im gesamten Bistum gibt.“ Die Idee sei „einfach fantastisch“.

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