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Heidenheimer Metzgerei will nicht als "Drecksladen" dastehen

Ein tief in seiner Berufsehre gekränkter Metzgermeister stand am Donnerstag vor Gericht, weil er einen Bußgeldbescheid nach einer Kontrolle der Lebensmittelbehörde nicht akzeptieren will.

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Im Behelfsgerichtssaal im Untergeschoss der Dualen Hochschule an der Wilhelmstraße trafen Welten aufeinander: die Sicht der Lebensmittelkontrolleure, die auf Vorschriften pochen und sich selbst als „Sachverständige“ sehen, auf die des Metzgers, der den enormen Stress an diesem Tag und die realen Arbeitsbedingungen in einem Betrieb ins Felde führte. Ebenso unvereinbar aber auch die Perspektive von Richter Kröner, der dem Angeklagten zu erklären versuchte, warum er die Sache nicht ganz fallen lassen könne, und die feste Überzeugung des Metzgermeisters, das auch ein erheblich reduziertes Bußgeld einem Schuldeingeständnis gleichkäme und ein schlechtes Licht auf seine Arbeit werfen würde: „Ich lasse es mir nicht gefallen, als Drecksladen dazustehen“, sagte er.

Eine Gerichtsverhandlung ist kein Debattierclub und auch kein Wunschkonzert, und Urteile, die aus Sicht von allen Beteiligten genau richtig sind, gibt es wohl auch nicht. In diesem Fall gab es gar kein Urteil, die Verhandlung wurde nach einer knappen Stunde unterbrochen und auf die kommende Woche vertagt. An den vorgelegten Fotografien und den dazu gehörten Stellungnahmen wird sich aber auch bis dahin wohl nichts ändern, es bleibt einzig, den bei der Kontrolle anwesenden Veterinär als Zeugen zu hören.

Die Kontrolle fand im vergangenen Jahr im Juni statt, am Tag vor einem Feiertag. Der 69-jährige Metzgermeister ist immer noch aufgebracht, wenn er an diesen Tag zurückdenkt: „Ich habe um 3 Uhr nachts begonnen zu arbeiten, und um 8 Uhr kommt die Kontrolle“, berichtete er. Insgesamt werden, das bestätigte auch der Richter, „nur Kleinigkeiten beanstandet“, darunter Arbeitsgeräte, ein Fleischwolf und eine Handbürste, an denen sich Fleischreste befunden haben. Nun reklamiert der Metzgermeister, dass dieses Handwerkszeug seit fünf Stunden benutzt wurde und deshalb nicht sauber gewesen sei.

Ganz anders die Sicht des beim Landratsamt beschäftigten Lebensmittelkontrolleurs: Die Schmutzreste seien hart und verkrustet gewesen, produktionsbedingte Reste dagegen seien weich. Außerdem sei frisches Fleisch rot, die aufgefundenen Reste seien grau gewesen. Der Metzgermeister gab zu bedenken, dass der zwei Stunden am Stück laufende Fleischwolf heiß werde und deshalb die Reste schnell antrocknen.

Unbestritten aufgefunden worden sind Flusen am Kühlhausaggregat, ein verschmutztes Stromkabel am Fleischwolf und eine verschimmelte Dichtung an einem Fahrzeug, mit dem die Metzgerei Produkte ausfährt. Außerdem stand im Kühlhaus eine offene Kiste mit Fleisch und daneben ein Karton, an dem sich laut Lebensmittelkontrolleur naturgemäß viel Schmutz befinde.

„Sie müssen Ihre Arbeitsstelle sauber halten“, hielt der Richter dem Metzgermeister vor, und dass dabei mehr Sorgfalt vonnöten sei als beispielsweise in einer Schreinerei, fand auch der dieser einleuchtend. „Bei mir gab es keine Verunreinigungen, die jemanden gefährden“, führte der Betriebschef an, und verwies auf Kontrollen vor zwei Jahren und im vergangenen Jahr vor Weihnachten, bei denen es keine Beanstandungen gab.

Der 69-Jährige, der auch bekannte, dass ihn die Vorwürfe „jeden Tag und jede Nacht“ beschäftigen, hielt den Lebensmittelkontrolleuren vor, einen Angestellten eines Konkurrenzbetriebs, der als Lebensmittelkontrolleur angelernt wird, dabeigehabt zu haben. Diesen Umstand empfand auch der Richter nicht als unproblematisch: „Ob man die Kontrolle an einem so stressigen Tag durchführen muss, kann man bezweifeln, und auch, jemanden mitzunehmen, der 200 Meter weiter beschäftigt ist, ist nicht glücklich.“

Während der Richter dem Metzgermeister eine Reduzierung des Bußgeldbescheids auf 500 Euro vorschlug, blieb der Metzgermeister dabei, dass er keinen Bußgeldbescheid akzeptieren werde. „Nach fünf Stunden Arbeit kann nicht alles sauber sein“, bekräftigte er: „Da müssten Sie jedem Metzger einen Bußgeldbescheid zustellen.“ Am Donnerstag kommende Woche soll die Verhandlung fortgesetzt werden.

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