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Heidenheimer Gießerei meldet erneut Kurzarbeit an

Das Schicksal von Heidenheimer Arbeitsplätzen hängt davon ab, wie in Berlin Energiepolitik gemacht wird. Und weil's dort nicht so recht vorwärts geht, ziehen Unternehmen wie die Heidenheimer Gießerei den Kürzeren: Es fehlt der Rückenwind für Windkraft-Aufträge.

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Das damit verbundene Auslastungsproblem bleibt nicht ohne Konsequenzen. Um die durch den Auftragseinbruch verursachte Durststrecke zu überwinden, unternimmt man seitens der Unternehmensleitung alle Versuche, die Kosten des zur Casting Technologies Gruppe gehörenden Traditionsbetriebes zu senken. „Wir müssen durch ein Tal durch und müssen jetzt sehen, dass uns die roten Zahlen nicht über den Kopf wachsen“, sagt CT-Geschäftsführer Ulrich Severing, der für den Heidenheimer Standort mit seinen insgesamt 220 Beschäftigten fürs letzte Quartal vorsorglich Kurzarbeit angemeldet hat. Ob man dann tatsächlich von der Regelarbeitszeit abweichen wird, ist noch offen, hängt von der weiteren Entwicklung der gegenwärtigviel zu schwachen Auslastung ab. Grundsätzlich geht es dem Management bei dieser vorsorglich eingeleiteten Maßnahme darum, keine der als hochqualifiziert geltenden Mitarbeiter freistellen zu müssen, das als Grundkapital der Gießerei geltende Personal halten zu können.

Im Bestreben, die Durststrecke möglichst unbeschadet zu überwinden, weiß die Leitung der Unternehmensgruppe die erst seit einigen Monaten wieder in Vollbeschäftigung stehende Belegschaft der Heidenheimer Gießerei GmbH und Co. KG an ihrer Seite. So zeigten sich die Mitarbeiter am Dienstag im Rahmen einer vom Betriebsrat einberufenen außerordentlichen Betriebsversammlung bereit, ihren Teil zur Sicherung der Gießerei und damit auch ihrer eigenen Arbeitsplätze beizutragen. So stimmten sie einem Verzicht auf die Sonderzahlung 2012, also das 13. Monatsgehalt, zu und erklärten sich zudem mit einer bis Ende dieses Jahres geltenden Gehaltssenkung einverstanden.

Die tariflichen Einschnitte haben in einer unmittelbar nach der Betriebsversammlung einberufenen Mitgliederversammlung der IG Metall auch die gewerkschaftliche Zustimmung gefunden. Dies signalisiert, dass auf beiden Seiten Verständnis für das Vorgehen und den vom Management eingeschlagenen Kurs besteht, der der Überbrückung einer Notlage dient.„Die Begeisterung hält sich zwar in Grenzen, aber die Mitarbeiter vertrauen der Geschäftsleitung, dass das Geld in besseren Zeiten als eine Art Erfolgsbeteiligung zurückfließt“, sagt Ralf Willeck, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim, der Ulrich Severing attestiert, um einen fairen Umgang nach allen Seiten bemüht zu sein.

Ob und wann es in der in den Seilen hängenden Heidenheimer Gießerei wieder aufwärts geht, hängt im Wesentlichen von der weiteren Entwicklung des von politischen Unsicherheiten geprägten Offshore-Windenergie-Geschäfts ab. Solange die Netzanbindung offen, also nicht geklärt ist, wie der in der Nordsee erzeugte Strom in den Südenkommt, bleiben die Investoren von Windparks in Wartestellung– und solange geht man in Heidenheim leer aus, wo man sich auf den Guss der bis zu 70 Tonnen schweren Maschinenträger sowie die großen Windkraft-Naben spezialisiert hat.„Wir gehören zu den ersten, die diese Komponenten mit entwickelt und konstruiert haben“, sagt Ulrich Severing und verweist auf zwei führende Projektierer und Hersteller von Offshore-Windparks, mit denen man im Geschäft steht und deren abwartende Haltung zu einem Umsatzeinbruch von mehreren Millionen Euro führt.

In die bei Severing, aber auch in der Belegschaft zu spürende Verärgerung über die jede Planungssicherheit vermissen lassende Politik mischt sich die mit einer Forderung verbundene Hoffnung.„Es geht jetzt darum, die Energiewende tatsächlich in Gang zu setzen“, so der CT-Geschäftsführer, der fest an die Zukunft der Heidenheimer Gießerei glaubt und hofft, dass sich 2013 auf diesem Markt etwas bewegt– und dann eine„Riesenchance“ sieht. Denn dass man in Heidenheim etwas von diesem speziellen Offshore-Windgeschäft versteht und als Garant für Qualität gilt, zeigt nicht nur das Interesse zweier Marktführer, sondern signalisiert auch ein in der Branche vielbeachteter Auftrag für einen südkoreanischen Kunden, der hier ein 58 Tonnen schweres Spitzenprodukt geordert hat.

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