Partner der

Heidenheimer Firma Althammer meldet Insolvenz an

Der Edelstahlbauer ist durch Verzögerungen bei zwei Großaufträgen in Schwierigkeiten geraten. Ein Investor soll die Firma übernehmen und die 180 Arbeitsplätze der Mitarbeiter sichern.

|
Die Firma Althammer in Heidenheim.  Foto: 

Die Firma Althammer Edelstahlbau hat am Dienstag einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Das Amtsgericht Aalen hat den Ulmer Rechtsanwalt Prof. Dr. Martin Hörmann zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Althammer beschäftigt rund 180 Mitarbeiter und ist spezialisiert auf die Herstellung von geschweißten Edelstahlrohren. Der Geschäftsbetrieb wird unverändert weitergeführt.

Die Aussichten für die Zukunft des Unternehmens bewerten sowohl der Geschäftsführer Helmut Althammer als auch der Insolvenzverwalter Prof. Hörmann als gut. Man sei mit mehreren, ausschließlich deutschen Investoren in Verhandlungen und hoffe, dass die Betriebsübernahme möglichst bald gelinge. „Dann kann der neue Besitzer über die Strategie für die Zukunft entscheiden“, sagt Hörmann. Die Auftragslage des Unternehmens mit Firmensitz in den Seewiesen sei gut, sagt Althammer. Nach einer branchenbedingten Krise im Jahr 2011, bei der man ein Drittel des Personals abbauen musste, habe man sich von einem unrentablen Unternehmensbereich getrennt.

Das Geschäftsmodell sei neu aufgestellt worden, und insbesondere in der Fertigung von Tragkörben für Castor-Behälter habe man ein wichtiges Geschäftsfeld gefunden. Althammer sei einer von zwei in Deutschland zugelassenen Hersteller von Behältern für abgebrannte Brennelemente aus Kernkraftwerken. Heute beschäftigt Althammer mehr Mitarbeiter als 2011, zwischen 50 und 60 auf Montagestellen im In- und Ausland, die restlichen im Heidenheimer Werk.

Schon die Bilanz des Geschäftsjahres 2014/15 war durch ein negatives Jahresergebnis von 10,8 Millionen Euro geprägt. Ursache war damals ein Großauftrag bei einer finnischen Biodiesel-Raffinerie. Der Auftragsumfang habe sich vervierfacht, berichtet Geschäftsführer Helmut Althammer, der Kunde habe aber Mehraufwendungen, die das Heidenheimer Unternehmen in Millionenhöhe hatte, nicht bezahlt. Ein Schiedsgerichtsurteil lehnte die Schadensersatzansprüche von Althammer ab, obwohl die Firma im Grunde von jeder Schuld freigesprochen wurde. „Das ist sehr schlecht gelaufen“, so Althammer. Zunächst habe das Unternehmen diesen Tiefschlag gut überwunden, das Geschäftsjahr 2015/16 habe man mit positivem Betriebsergebnis abschließen können, der Umsatz lag bei 45 Millionen Euro. Ganz aktuell hat das Unternehmen seine Liquidität verloren, weil sich wieder ein Auftrag im Ausland stark verzögert habe. „Wir hätten die Arbeiten im Juli abschließen sollen, das ging aber nicht, weil andere Gewerke nicht fertig waren“, schildert Althammer die Situation. Der Kunde sei nicht bereit gewesen, dem Unternehmen entgegenzukommen, am Montag scheiterten letzte Verhandlungen.

„Es war eine strategische Entscheidung, ins Insolvenzverfahren zu gehen“, sagt Hörmann. Nun könne die Liquidität des Unternehmens neu geplant werden, man habe auch die Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit. „Das ist ein sehr schwieriger Schritt für einen Unternehmer, und es zeugt von großer Verantwortung dem Unternehmen gegenüber, wenn man ihn so früh geht“, so der vorläufige Insolvenzverwalter.

Man spiele mit offenen Karten, habe auch die Gewerkschaft IG Metall sehr früh miteinbezogen. „Wir müssen jetzt weiterarbeiten, das ist am wichtigsten“, so Althammer. Der 62-Jährige ist schon länger auf der Suche nach einem Investor, weil er altershalber seinen Betrieb übergeben möchte.

Eine Kupferschmiede war der Beginn des Unternehmens Althammer. 1948 gegründet, fand die von Wilhelm Althammer eröffnete Werkstatt im Flügel ihren Firmenstandort. Aus dem Handwerksbetrieb wurde ein mittelständisches Unternehmen, das seit 1983 in den Seewiesen residiert. Firmenchef Helmut Althammer war zudem von 2001 bis 2014 Präsident der IHK Ostwürttemberg.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Wirtschaft im Kreis Heidenheim

Zahlreiche Firmen haben ihren Sitz im Kreis Heidenheim. Hier lesen Sie Nachrichten aus dem Wirtschaftsleben des Landkreises.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Abendgymnasium: Lernen, wenn andere schon abgeschaltet haben

Sich als Erwachsener noch einmal auf die Schulbank zu setzen, ist keine übliche Entscheidung. Wer macht das in Heidenheim und warum? weiter lesen

22IS4