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Heidenheim liegt sehr weit vorne, will aber noch mehr

Seit langen Jahren hat Heidenheim ein Vermögen in Bildung und Betreuung investiert. Das zahlt sich aus: Während viele Kommunen vor dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder ab 1. August zittern, sind die Quoten in der Stadt extrem hoch. Im Rathaus will man aber noch mehr.

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Früh aufgestanden, gut aufgestellt: Nach jahrelangem Vorlauf geht Heidenheim mit einer Quote von fast 47 Prozent in den ab August gültigen Rechtsanspruch auf Betreuung von Kleinkindern (oben im Kindergarten Hölderlinweg). Dennoch will die Stadt weiter ausbauen – denn der Bedarf an Betreuungsplätzen ist in Heidenheim auch wegen Berufspendlern deutlich höher als in vielen anderen Städten.  Foto: 

Quoten gehen durch die Medien. Jedem dritten Kleinkind im Lande müsse man einen Betreuungsplatz bieten können, fordert das Land. Das klappt nicht überall: In Pforzheim hat die Statistik (mit einem Jahr alten Zahlen) nur 16 Prozent ausgemacht, Heidelberg hingegen liegt mit 44 Prozent an der Spitze.

Und Heidenheim? Oberbürgermeister Bernhard Ilg und sein zuständiger Fachbereichsleiter Dieter Henle legen die Zahl mit Genuss auf den Tisch: 46,6 Prozent, ein Spitzenwert. Da fallen dann auch andere Statements leichter: „Es geht nicht um Quoten oder um Rankings – wir müssen den Familien gerecht werden“, sagt der Oberbürgermeister. Und Dieter Henle macht klar, dass es bei den 46,6 Prozent nicht bleiben soll: „Wir werden weiter ausbauen, unser Ziel ist derzeit 50 Prozent“, sagt Henle. Das gebe auch die Bedarfsplanung der Stadt her, die kommende Woche dem Gemeinderat vorgelegt wird. „Was wir an Plätzen anbieten, wird angenommen“, weiß Henle – aktuell sind 97 Prozent aller verfügbaren Plätze auch belegt.

Weshalb hat Heidenheim den prozentualen Betreuungsbedarf einer Universitätsstadt? „Wir sind eben eine Industriestadt, und gerade bei kleinen Kindern geht der Bedarf klar zur Betreuung nahe des Arbeitsplatzes der Eltern“, sagt Ilg. Der Effekt: Wer in Heidenheim arbeitet, bringt gerne seine Kleinkinder mit und lässt sie hier betreuen. Immerhin 19 Kinder unter drei und 65 Kindergartenkinder in Heidenheims Einrichtungen wohnen eigentlich nicht in der Stadt. Das klingt bei insgesamt 1370 Kindern nicht dramatisch, doch in kleineren Kommunen fehlt im Zweifel jedes einzelne Kind.

Heidenheims Spitzenquote kommt nicht von ungefähr: Noch 2005 hatte die Stadt ganze 53 Betreuungsplätze für Kinder bis Drei, die Quote lag damals bei gerade 6,8 Prozent. Acht Jahre später liegt die Zahl bei knapp 360 Plätzen. 2007 hatten Ilg und seine Verwaltung mit dem Gemeinderat die „Qualitätsoffensive Betreuung“ ausgerufen und dafür auch die übrigen Kindergartenträger ins Boot geholt. Wichtig, denn den sieben städtischen Kindergärten stehen 22 kirchliche und drei in freier Trägerschaft gegenüber. Die Qualitätsoffensive sah vor allem eins vor: Gute Angebote, die auch etwas kosten dürfen. Allein in den städtischen Einrichtungen verdoppelte sich die Zahl des Personals, die Stadt baute für Millionen neue Kinderhäuser, sorgte für Sonderprogramme bis zur bilingualen Betreuung. Für Ilg der richtige Schritt zur richtigen Zeit: Andere Kommunen stückeln ihren Kindergärten jetzt hastig Container an, suchen händeringend nach Erzieherinnen.

Dieter Henle will dafür sorgen, dass Heidenheim auch weiter früher aufsteht als andere: Seine aktuelle Bedarfsplanung wartet allein mit neun konkreten Ausbauten auf – von der neuen Kindertageseinrichtung auf dem Ploucquet-Areal bis zu Krippengruppen in diversen Kindergärten. Die Reaktivierung des alten Kindertagheims an der Bühlstraße soll Episode bleiben, war aber nötig: „Gefragt sind zentrale Einrichtungen, aber wir können Kinder auch nicht kreuz und quer durch die Stadt schicken“, sagt OB Ilg. Gleichzeitig hat die Stadt den Trend zu Ganztagesangeboten im Blick: Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll die Quote von 28 auf 37 Prozent steigen, und selbst Exoten wie die neue 24-Stunden-Kita in Kirchheim/Teck schaut sich Dieter Henle sehr genau an: „Wir haben Anfragen zu deutlich ausgedehnteren Zeiten. Die Arbeitszeiten der Eltern werden eben immer flexibler“. Gleichzeitig sollen nun auch die Kindergärten St. Christophorus (Mergelstetten) und Hochbergweg zu „Familienzentren“ werden, in denen man über die Kinder auch einen Weg in die Familien findet.

Noch mehr Betreuung, noch mehr Flexibilität, noch vielfältigere Angebote – unabhängig von den Bauvorhaben für die Stadt eine gewaltige finanzielle Last. Satte 17 Prozent des gesamten Verwaltungshaushalts steckt die Stadt jährlich in Bildung und Betreuung – nur für den laufenden Betrieb. Der Landesschnitt liegt bei kaum mehr als der Hälfte.

Doch OB Ilg steht zu dem Aufwand: „Letzten Endes sind Bildung und Betreuung Investitionen nicht nur in die Zukunft, sondern auch in die Stadt selbst – wir haben sonst kaum Instrumente, um dem Bevölkerungsschwund entgegen zu wirken“.

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