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Hartmann-Mitarbeiter und Spediteur wegen Betrugs vor Gericht

Vor dem Schöffengericht müssen sich seit Montag ein ehemaliger Hartmann-Mitarbeiter und ein Spediteur verantworten. Sie sollen das Unternehmen gemeinsam geprellt haben.

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Das Hartmann-Logistikzentrum in Herbrechtingen war Schauplatz eines mutmaßlichen Betrugs, der sich über Jahre hingezogen haben und bei dem Hartmann ein Schaden in Höhe von mehr als 45 Euro entstanden sein soll.  Foto: 

Sechs Jahre liegen die Ereignisse schon zurück, und so nimmt es kaum Wunder, dass beim einen oder anderen Zeugen Erinnerungslücken auftauchen. Doch das betrifft im Wesentlichen die Details, die von den Verteidigern der beiden Angeklagten bis ins Kleinste hinterfragt werden. Die beiden Angeklagten selbst wollten beim gestrigen Auftakt der Verhandlung vor dem Schöffengericht keine Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen sie abgeben.

Einem ehemaligen Mitarbeiter des Hartmann-Logistikzentrums in Herbrechtingen und dem Geschäftsführer einen Spedition wird vorgeworfen, die Paul Hartmann AG zwischen Februar 2007 und November 2011 in 53 Fällen betrogen zu haben. Über diesen Zeitraum hinweg soll es der Spedition mit Hilfe des Mitarbeiters ermöglicht worden sein, überhöhte Rechnungen zu stellen, so die Anklage. Monat für Monat sollen dabei Beträge zwischen 500 und knapp 2000 Euro unrechtmäßig bezahlt worden sein.

Falsche Angaben über Retouren

Dabei ging es um Retour-Lieferungen von Hartmann-Produkten, die im Logistikzentrum eingingen. Die mit den Retouren beauftragten Spediteure wurden auf Grundlage der gelieferten Warenmenge bezahlt – abgerechnet nach Kubikmetern Fracht. Das Volumen wurde von einem Mitarbeiter, der als Zeuge aussagte, anhand der Palettenzahl und -höhe geschätzt und auf einem Zettel vermerkt. Diese Zettel gab er dann eigenen Angaben zufolge an seinen Vorgesetzten weiter, der wiederum neue Zettel ausfüllte mit diesen Angaben und sie zur Abrechnung mit den Speditionen weitergab. Dass der Vorgesetzte dabei die Volumina bei einer bestimmten Spedition erhöhte, damit diese mehr Geld erhält, wird ihm und dem Spediteur vorgeworfen.

Auf die mehrmals von Seiten des Richters Eberhard Bergmeister gestellte Frage, warum denn überhaupt Zettel ausgefüllt wurden, wenn ohnehin alles über ein Computersystem läuft, konnte keiner der Befragten antworten. Insgesamt entstand der Firma Hartmann der Staatsanwaltschaft zufolge ein Schaden in Höhe von mehr als 45 000 Euro. Für die erhöhten Volumenangaben soll der angeklagte ehemalige Hartmann-Mitarbeiter Sach- und Geldleistungen in Höhe von rund 14 000 Euro erhalten haben.

Verdacht der Befangenheit

Die Höhe des Schadens wurde von einem Gutachter ermittelt, gegen den einer der Verteidiger jedoch einen Befangenheitsantrag stellte, unter anderem weil er nicht erlaubte Einschätzungen und Schlussfolgerungen vorgenommen habe. Noch ist über diesen Antrag nicht entscheiden.

Die Vernehmung von vier Zeugen konnte nur wenig Licht in den Sachverhalt bringen, weil sie allesamt nicht in der Lage waren, den Gesamtzusammenhang des mutmaßlichen Betrugs aufzuklären. Jeder der damaligen Hartmann-Mitarbeiter konnten nur Angaben über den ihn betreffenden Arbeitsschritt machen.

Ein Betriebsratsmitglied, das bei der hausinternen Anhörung des beschuldigten Ex–Mitarbeiters zugegen war erklärte zwar, der habe alles eingeräumt, und seine Taten mit finanziellen Schwierigkeiten begründet, doch das wiederum wird von dessen Anwalt bestritten. Eine der vielen offenen Fragen am ersten Prozesstag ist auch die nach der Herkunft des Protokolls eines Telefongesprächs das der Angeklagte mit seinem Untergebenen geführt haben und in dessen Verlauf er diesen aufgefordert haben soll, Mails zu löschen. Der Zeuge sagte aus, nie ein derartiges Gespräch geführt zu haben.

Die Verhandlung wird am kommenden Freitag fortgesetzt, dann hat das Schöffengericht auch zu entscheiden, ob dem Befangheitsantrag der Verteidigung gegenüber dem Gutachter stattgegeben wird.

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