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Hagelsturm: Geschädigte streiten bis heute mit Versicherungen

Das Hagelunwetter vom Frühjahr haben manche Betroffene auch vier Monate später nicht verarbeitet – seelisch sowie finanziell.

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Die Bilder vom 29. April werden viele Großkuchener nicht mehr vergessen. Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle regneten herab und zerstörten Hab und Gut.  Foto: 

Das Datum 29. Mai werden viele Großkuchener nicht vergessen. An diesem Sonntag fegte am frühen Abend ein Hagelunwetter über das Härtsfelddorf, wie es die meisten Bewohner noch nie erlebt haben. Der Großteil der Gebäude wurden beschädigt, Autos unter freiem Himmel wurden verbeult, Scheiben zerbrachen und die Natur sah aus wie gerupft.

Vier Monate später haben längst nicht alle Bewohner mit dem Unwetter abgeschlossen. Manche kämpfen mit Nachwehen sowohl seelischer als auch finanzieller Art. Beim Schützenverein könnte der Hagel sogar existenziell sein.

Soweit geht es bei den meisten anderen Geschädigten zwar nicht, doch bei einigen hat der Hagel doch ordentliche Löcher in die Haushaltskasse gerissen. Denn die Entschädigung über die Versicherung lief nicht bei allen so reibungslos, wie in diesem exemplarischen Fall einer vierköpfigen Großkuchener Familie. Wenige Tage nach dem Unwetter schätzte ein Gutachter den Schaden an Dach, Fassade und Sockelplatten auf 11 000 Euro, gab die Auszahlung frei und zwei Wochen später war das Geld auf dem Konto. Darüber hinaus waren auch die Gartenmöbel mitversichert. Auch hier erhielt die Familie für die Wiederbeschaffung 2000 Euro.

Doch nicht bei allen lief es so glatt wie in diesem Fall. Drei Zentimeter hoch ist der Schriftverkehr einer anderen Großkuchenerin mit ihrer Versicherung. Auch bei ihr wurde ein Schaden von 11 000 Euro am Haus festgestellt. Anfang des Monats hat sie eine Teilzahlung von 8000 Euro erhalten. Den Rest erhält sie erst dann, wenn alle Handwerker-Rechnungen der tatsächlich geleisteten Arbeiten vorliegen.

Überhaupt musste sie fast einen Monat warten, bis der Gutachter erst einmal tätig wurde. Die Schäden auf der Dachterrasse hingegen wurden überhaupt nicht beglichen – ganz abgesehen von den Schäden im Garten, die im Versicherungsumfang nicht mit inbegriffen sind. Was alles kaputt war? Die Großkuchenerin muss lange überlegen, bis sie die Liste n nach den vier Monaten zusammen hat. „Ich verdränge es, denn es so fürchterlich, was da passiert ist. Ich will mich nicht erinnern.“

Auch ihre Bekannte wird heute noch ängstlich, wenn dunkle Wolken am Himmel erscheinen. „Bislang sind war ja immer verschont geblieben, doch seit dem Unwetter ist man sich nicht mehr sicher“, sagt sie. 25 Jahre lang musste sie ihre Gebäudebrandversicherung nie in Anspruch nehmen. Umso mehr ärgert sie es jetzt, dass sie auf dem Gutteil des Schadens sitzengeblieben ist. Drei Dachfenster zerbrachen an ihrem Haus. Wegen des Alter des Hauses ersetzte die Versicherung nur 70 Prozent der Neuanschaffungskosten. Und beim Garagendach war die Differenz noch viel größer mit der Begründung, dass nur das ersetzt werde, was auch wirklich undicht war.

900 Euro erhielten die Hausbesitzer für die neuen Dachfirstziegel. Die ramponierten, aber noch dichten Eternitplatten ersetzten sie auf eigene Rechnung. 5400 Euro war die Endrechnung. „Man hat das Gefühl, man sitzt als Versicherungsnehmer am kürzeren Hebel“, sagt die Frau. Bislang war sie immer der Überzeugung, voll versichert zu sein. Doch jetzt wisse sie es besser. Unverständlich erscheint ihr, auf welcher Grundlage die Versicherungen entscheiden: Denn ihr Nachbar, dessen Haus gleich alt sei und der ähnliche Schäden hatte, hat das komplette Dach ersetzt bekommen. „Das kommt wahrscheinlich auf den Sachverständigen an.“

Eine weiter Familie wird wohl auf ihrem Gesamtschaden von circa 20 000 Euro komplett sitzen bleiben. Weil die Beiträge der Hausratversucherung erhöht wurden, hat die Versicherung den Versicherungsnehmern gekündigt und Neuverträge zugeschickt. Die betroffene Familie registrierte nicht, dass damit auch der Dauerauftrag nicht mehr gültig war und sie den Versicherungsbeitrag hätte selbst überweisen müssen. Die Rechnung blieb liegen.

Dadurch bestand kein Versicherungsschutz mehr, und das nach fünf Jahren, in denen der Schutz bestanden hatte. „Wir haben ja nicht gekündigt, sondern die Versicherung“, ärgern sich die Hausbesitzer. Doch die Versicherung ließ sich auf keine Diskussionen und auch auf keinen Vergleich ein. Die Hausbesitzer werden die Versicherung nun wechseln – und sie sind nicht die einzigen mit Wechselgedanken.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung dieses Beitrags war das Datum des Unwetters mit "29. April" benannt worden. Dies war falsch, das Unwetter fand am 29. Mai statt.

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