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Haarige Prachtstücke liegen wieder voll im Trend

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Heide Rupprecht klöppelt auf der Jette. Was darauf entstehen kann, zeigt das Foto oben rechts. Das Armband in der Mitte ist geflochten, das untere gehitcht. Als Material dient Pferdehaar.  Foto: 

Die Möglichkeit, aus Haar Schmuck herzustellen, kennt man schon mehrere Jahrtausende. Kunsthandwerk sei schon immer ihr „Ding“ gewesen, meint Heide Rupprecht. Schon lange ist das Nordlicht auf der Schwäbischen Alb heimisch geworden ist und hat hier Generationen das Tanzen gelehrt. „Alles, was ich mache, ist mit einem gewissen System verbunden“, sagt Heide Rupprecht.

Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung stieß die Kunsthandwerkerin vor gut zwei Jahren auf Schmuck aus Pferdehaar und machte sich schlau: „Flechten traue ich mir zu“. Trotzdem hat sie viel Lehrgeld gezahlt.

Direkt aus Ställen

Das Rosshaar muss vor der Verarbeitung mehrmals gewaschen und zusätzlich desinfiziert werden. Sonst wirkt das Ergebnis stumpf. Zu Beginn kaufte Heide Rupprecht fertig präpariertes Haar bei einer Fachfirma ein, heute bezieht sie direkt aus Ställen und Reithöfen. „Das ist nämlich meine Spezialität. Der Reiter liefert mir das Material vom eigenen Pferd und bekommt von mir ein Unikat.“

Das hält die Kunsthandwerkerin so, seit sie mit ihrer ersten Kollektion auf landwirtschaftlichen Märkten und Turnieren im Landkreis Heidenheim auf sich aufmerksam machte. „Ein Stück zweimal? Das gibt es bei mir nicht.“ Im Angebot befinden sich momentan Ketten, Armbänder, Ohrringe, Schlüsselanhänger, Lesezeichen, Hutbänder, verzierte Reitgerten und Stirnbänder fürs Zaumzeug.

Gefragt nach ihrem Zeitaufwand für die trendigen Stücke, äußert Heide Rupprecht: „Darüber denke ich erst lieber gar nicht nach. Ich will es wirklich nicht wissen. Würde ich nachrechnen, wäre die Freude an der Herstellung vermutlich dahin.“

Wobei der Spaß von Heidi Rupprecht eher darin zu liegen scheint, wenn sie sich in eine neue Materie reinkniet. Perlenschmuck war einer ihrer letzten Schwerpunkte. „Ich bin neugierig geblieben“, erklärt die Heidenheimerin und setzt sich vor den Flechtstuhl, den man Jatte nennt, und auf dem die Hohlarbeiten entstehen. Die Haarklöppel hängen an einer Scheibe, in deren Mitte Gewichte eingearbeitet sind. „Vergleichbar ist die Jatte mit der Strickliesel“, erläutert die Pferdehaardesignerin.

Flechten und Klöppeln scheint sie im Schlaf zu beherrschen. Beim Hitchen, eine Mischung aus knüpfen, knoten und Schlaufen legen, ist noch eine Portion mehr Konzentration verlangt. Die einzelnen Haarstränge werden um einen Kettfaden gewickelt, der auf einem Rundholz liegt, bei filigraneren Arbeiten auch schon mal auf einer Stricknadel.

Die Kunst der Cowboys

Auch wenn die fertigen Arbeiten so aussehen, als ob sie gewebt wären, handelt es sich um eine ganz eigene Technik. In Amerika gilt sie als reine Cowboykunst, obwohl die Motive eher indianisch wirken.

Geht es um die Bestellung eines dieser individuellen Schmuckstücke, ganz gleich, ob nun geflochten, geklöppelt oder gehitcht, sind die Geschmäcker zwar verschieden, die alles entscheidende Frage stets gleich: Von wieviel Haar muss sich der Gaul trennen?

„Keinesfalls so viel, dass es den Pferdefreund aus dem Sattel hebt“, ist zu erfahren. Heide Rupprecht: „Für Flechtarbeiten benötige ich eine Länge von 40 Zentimetern, für geklöppelte Stücke deutlich längeres Haar und fürs die Hitchtechnik eine größere Menge.“

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