Partner der

Gewalt in Familien: Die Schwelle sinkt

Das Frauen- und Kinderschutzhaus bietet Zuflucht für Frauen und deren Kinder in extremen Notsituationen. Dort finden sie erst einmal Unterschlupf und Unterstützung. Schwierig wird es jedoch, wenn sich die Frauen kaum verständlich machen können. Die Diakonie sucht deshalb ehrenamtliche Dolmetscherinnen, die vor allem osteuropäische Sprachen beherrschen.

|
Symbolfoto  Foto: 

Psychische und körperliche Gewalt gegen Frauen macht vor keiner Gesellschaftsschicht oder Herkunft halt, stellen die Mitarbeiterinnen des Frauen- und Kinderschutzhauses fest. Was sie bewegt, ist der Eindruck, dass insgesamt die Schwelle zur Gewaltbereitschaft gesunken ist. „Einer Schwangeren in den Bauch zu treten, das ist hemmungslose Gewalt und eine Steigerung ist kaum noch vorstellbar“, sagt eine der Sozialpädagoginnen.

Was für eine Perspektive besteht für eine solche Partnerschaft, die ja eigentlich erst gerade begonnen hat? Wie will die junge Mutter sich und ihr Baby vor den Übergriffen schützen?

Viele Frauen harren heute nicht mehr jahrelang in einer Beziehung aus und nehmen Demütigung und Schläge in Kauf, ehe sie sich von den Männern trennen. Die Sozialpädagoginnen stellen fest, dass es den Frauen heute leichter fällt, auch mit kleinen Kindern die Trennung zu wagen. Doch ohne Unterstützung würden es viele wohl nicht schaffen.

Das bestätigt auch Anna S., die selbst erst vom Frauen- und Kinderschutzhaus erfuhr, als die Polizei wegen häuslicher Gewalt in ihre Wohnung kam. Zu einem Zeitpunkt, als sie in ihrem Leben wie in einem Alptraum feststeckte und keinen Ausweg sah. Arbeitslosigkeit, Geldnot, psychische und körperliche Gewalt bestimmten ihr Leben, und sie war nicht mehr in der Lage, ihren kleinen Sohn zu versorgen. Das Jugendamt brachte ihn in einer Pflegefamilie unter. „Ich habe mich geschämt“, sagt Anna S., aber sie habe sich nicht zu helfen gewusst.

Auch das sehen die Betreuerinnen als typische Entwicklung an. In den Familien gebe es häufig gleich eine ganze Fülle an Problemen, die eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Häufig spielten Schulden und Suchtprobleme, die vom Alkoholmissbrauch bis zur Spielsucht reichen, eine große Rolle.

Die Fülle der Probleme gemeinsam mit den Frauen aufzuarbeiten bedeutet für die Sozialpädagoginnen viel Arbeit – aber auch immer wieder Erfolge. Wie im Fall von Anna S. beispielsweise, die inzwischen zusammen mit ihrem kleinen Sohn in einer eigenen Wohnung lebt.

Seit einiger Zeit kommen verstärkt Frauen mit osteuropäischen Wurzeln ins Frauen- und Kinderschutzhaus. Oftmals hatten sie in ihren Herkunftsländern qualifizierte Berufe, berichten die Betreuerinnen. In ihrer neuen Heimat finden sie aber offenbar keinen Zugang zur Kultur und dem Leben außerhalb ihrer Familie. Häufig scheitert es an der Verständigung.

Ehrenamtliche Helferinnen, die bei Bedarf als Übersetzerinnen eingesetzt werden könnten, wären eine große Unterstützung. Wer sich das vorstellen kann, kann sich unter Tel. 07321.24099 mit dem Frauen-und Kinderschutzhaus in Verbindung setzen.

Die Namen der Sozialpädagoginnen sind in diesem Bericht nicht genannt, um sie vor Übergriffen gewalttätiger Männer zu schützen.
Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Wie kann Giengen auch in Zukunft die ärztliche Versorgung sicherstellen?

Experten diskutierten im Rahmen eines Podiumsgespräch über Möglichkeiten, wie die Stadt Giengen auch in Zukunft die ärztliche Versorgung sicherstellen kann. weiter lesen

22UYJ