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Georg Elsers Vermächtnis: Mut gegen Unmenschlichkeit

In Schnaitheim zieht OB Ilg Lehren aus dem Attentat von 1939 – und fordert dazu auf, sich von rechten Vandalen nicht provozieren zu lassen.

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„Was immer die Täter wollten, erreicht haben Sie nur, dass das Andenken an Elser noch präsenter ist“ Oberbürgermeister Bernhard Ilg ging bei der Gedenkfeier gestern auch auf die Schändung des Elser-Gedenksteins im September ein.  Foto: 

Aktuell wie selten fiel die gestrige Gedenkfeier für Georg Elser aus, der am 8. November 1939, gestern vor genau 77 Jahren, mit einer Bombe im Münchner Bürgerbräukeller Adolf Hitler töten wollte.

Denn Oberbürgermeister Bernhard Ilg sprach deutlich die historischen Lehren an, die sich aus Elsers Handeln für die Nachwelt ergeben – und das um so mehr, heute, da Populisten wieder auf dem Vormarsch scheinen.

„Georg Elser erkannte die Gefahr des Nazi-Regimes“, so Ilg. Auch andere hätten das damals erkannt, doch viele hätten nicht den Mut gehabt, gegen das Regime zu handeln. Und es bleibe bemerkenswert, dass gerade ein Mann aus dem Volk die Gefahr gesehen habe, als die Nazis „noch vermeintliche Triumphe feierten“.

Dass Elser heute weltweite Anerkennung erfahre, sei das Verdienst vieler privater Initiativen – Ilg nannte die Arbeitskreise in Heidenheim, Königsbronn und seit Kurzem in Hermaringen – in Schnaitheim in den Elser-Anlagen finde sich freilich die älteste Gedenkstätte von allen, die bereits 1972 eingerichtet wurde.

Ausführlich ging Ilg auf die Schändung des Gedenksteins Mitte September ein: Unbekannte Täter hatten die Gusstafel am Gedenkstein mit brachialer Gewalt aus dem Stein gebrochen, Königsbronns Bürgermeister Michael Stütz fand später in Itzelberg die unrettbar zerstörten Rede der Tafel. In derselben Nacht wurde auch das Elser-Denkmal in Königsbronn geschändet. Bisher, so Ilg gestern, gebe es trotz Belohnung noch keinerlei Ermittlungsergebnisse.

„Lassen wir uns durch diese Untaten aber nicht provozieren!“, so Ilg: Was immer die unbekannten Täter gewollt hätten – erreicht hätten sie nur, dass das Andenken an Georg Elser noch präsenter geworden sei.

Denn Elser bleibe ein Vorbild – gerade in diesen Zeiten. „Die weltweiten Krisen lösen auch bei uns Verunsicherung und Ängste aus“, so Ilg – das werde auch in Deutschland von Populisten ausgenützt – „und das in einer Unverfrorenheit, die bis vor Kurzem als undenkbar galt“. Tatsächlich bedeute Elsers Beispiel auch die Aufforderung, heute gegen Intoleranz, Rassismus und Fremdenhass einzustehen, Demokratie und Freiheit zu verteidigen und diese Werte auch nachkommenden Generationen zu vermitteln. „Zum Glück kann ich aus Heidenheim von vielen Beispielen berichten, dass Bürger sich für und nicht gegen andere Menschen einsetzen“ so Ilg. Anschließend legte der OB bei der von einem Sextett des Musikvereines Schnaitheim umrahmten Gedenkfeier einen Kranz am Gedenkstein nieder, für den die Stadt für rund 1000 Euro eine neue Metalltafel hat gießen lassen.

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Themenschwerpunkt

Elsers Widerstand gegen Adolf Hilter

Johann Georg Elser (* 4. Januar 1903 in Hermaringen, Württemberg; † 9. April 1945 im KZ Dachau) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

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