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Gemeinderat stimmt gegen Pläne für Automuseum

Alles zurück auf Anfang: Auf dem südlichen WCM-Gelände entsteht weder ein Oldtimermuseum noch ein Hotel. Außerdem wird der verbliebene Rest der Fabrikationsgebäude nun doch abgerissen. Die auf dem Tisch liegenden Pläne eines potenziellen Investors hatten weder Verwaltungsspitze noch Gemeinderat überzeugt.

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Ein Hauptpunkt der städtischen Kritik: Würde im Zuge einer Erweiterung die jetzt durch die Duale Hochschule (schwarzes Gebäude in der linken Bildhälfte) belegte Fläche noch einmal benötigt, bliebe auf dem südlichen WCM-Gelände (vorne) kaum Platz für ein Hotel.  Foto: 

So groß die fast von jeglicher Bausubstanz freigeräumte Fläche mit knapp 20 000 Quadratmetern ist, so breit der Raum, den die Frage ihrer künftigen Nutzung in der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend einnahm.

Neu ist das Thema nicht. Im Gegenteil. Allerdings mangelte es in den vergangenen Jahren an einem mehrheitsfähigen Vorschlag, verschwand etwa die Idee schnell wieder in der Schublade, in den mittlerweile geschliffenen Gardena-Bau die Landkreisverwaltung einziehen zu lassen.

Bewegung schien in die Sache zu kommen, als die Flex-Fonds Capital AG aus Schorndorf ihr Ansinnen publik machte, in dem noch verbliebenen Fabrikgebäude nahe dem über die Bahn führenden Fußgängersteg ein Oldtimermuseum einzurichten. Flankiert werden sollte es durch ein kleines Hotel an der Brenz. In Rede standen außerdem ein Erweiterungsbau der Dualen Hochschule und Studentenwohnungen.

„Diese Pläne waren gar nicht schlecht“, räumte Oberbürgermeister Bernhard Ilg jetzt den Mitgliedern des Gemeinderats gegenüber ein. Spiegele man allerdings das Hochschulgelände mit seinen 16 000 Quadratmetern auf die andere Seite der Brenz, dann sei schnell klar, dass nicht mehr viel freie Fläche übrig bleibe.

Eben daran hätten die Flex-Fonds-Pläne gekrankt, so Ilg, denn„worauf soll diese Stadt setzen, als auf die Weiterentwicklung der Dualen Hochschule“. Sie dürfe nicht zugunsten eines Hotels an die B 19 verschoben werden.

Auf die mehrmalige Aufforderung hin, das Hotel in den nördlichen Bereich des WCM-Geländes zu verlagern, habe der potenzielle Investor bestenfalls zögerlich und halbherzig reagiert, sich nach Vorlage einer Skizze dann Anfang November aber schnell auf seine ursprünglichen Pläne zurückgezogen.

„Es istärgerlich: Flex Fonds hatte seit April die Chance, uns zu überzeugen, hat aber die Zeitvorgabe nicht genutzt und nicht geliefert“, sagte Ilg,„so kann man mit einem Auftrag des Gemeinderats nicht umgehen.“ Und da eine Zerstückelung der letzten großen Freifläche am Rande der Innenstadt die städtebauliche Gesamtentwicklung erschwerte, schlage die Verwaltung vor, die vorliegenden Pläne nicht weiter zu verfolgen, sondern dem nur ausgesetzten Gemeinderatsbeschluss entsprechend das noch stehende Fabrikgebäude abzureißen.

Ilg führte auch die Überzeugung zu Rate gezogener Fachleute ins Feld, wonach sich ein Automuseum auf dem WCM-Gelände„kaum vorstellbar, ein Hotel mit 30 oder 40 Zimmern wohl nicht“ rentierte. Angesichts solcher Aussagen komme die Stadt gar nicht umhin, sich mit der Wirtschaftlichkeit eines privat finanzierten Vorhabens auseinanderzusetzen.

Grath-Idee: Nur ein Marketing-Gag?

Ulrich Grath (Freie Wähler) pflichtete Ilg bei und verwies darauf, der Gemeinderat habe von Anfang an klar gemacht,„dass dieses Filetstück nicht zerstückelt werden darf“. Möglicherweise handele es sich bei dem Interesse von Flex-Fonds um eine klug eingefädelte Marketingmaßnahme:„Die kennt jetzt doch jeder.“

Da es momentan offenbar keinen Interessenten gibt, der den noch stehenden Fabrikrest erhalten will, spricht aus Graths Sicht nichts gegen einen Abriss, zumal die Bausubstanz entgegen der gerne verwendeten Bezeichnung nicht unter Denkmalschutz stehe. Das konzedierte auch Rudi Neidlein (SPD):„Obwohl ich emotional mit dem Gebäude verbunden bin, weil ich dort gelernt habe, muss ich sagen:„Was wäre außer der Fassade denn übrig geblieben?“

Auch Uwe Wiedmann (CDU) hält einen Abriss für die richtige Entscheidung. Da man den Interessenten mehrmals habe zum Jagen tragen müssen, bleibe nur die Erkenntnis:„Chance gehabt, Chance vertan.“

Für die Fraktion der Abrissgegner sagt Ralf Willuth (Freie Wähler), in der Bevölkerung existiere durchaus Interesse für ein Oldtimermuseum. Ohnehin werde in anderen Städten deutlich beispielhafter mit Industriebrachen verfahren. Er forderte deshalb eine„langfristige Umnutzung des Geländes ohne Zeitdruck“. Entsprechend solle auch der Abriss hinausgezögert werden,„sofern nicht große finanzielle Nachteile entstehen“. Ilg nannte einen Betrag in Höhe von 60 000 Euro, der aufgebracht werden müsste, um in diesem Fall der Verkehrssicherungspflicht genügen zu können.

Schlussendlich votierten 24 Stadträte für den Antrag der Stadtverwaltung, acht sprachen sich dagegen aus. Mit derselben Deutlichkeit war zuvor der Antrag der Grünen-Fraktion abgelehnt worden, die Entscheidung zu vertagen und eine Arbeitsgruppe– besetzt mit Vertretern der Rathausspitze, der Verwaltung, von Flex-Fonds und Anrainern sowie mit Stadträten und Planern– einzusetzen, die eine einvernehmliche Lösung finden sollte.

Grünen-Fraktionschef Michael Sautter beklagte, durch einen Abriss würden ohne zeitliche Not irreversible Fakten geschaffen. Dabei sei Heidenheim ohnehin schon„geschichts- und traditionslos geworden“. Dieser Argumentation schloss sich Reinhard Püschel (DKP) an:„Wir müssen so einen industriehistorischen Bau einbinden, sonst sind wir arm dran.“

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