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Franz Untersteller beim ersten Energiegipfel Ostwürttemberg

Bei der ersten prominent besetzten Veranstaltung dieser Art ging es in der IHK um Projekte in der Zukunft und Sorgen der Bürger in der Gegenwart.

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Umwelt- und Energie-Minister Franz Untersteller war prominentester Gast beim ersten Energiegipfel Ostwürttemberg im Haus der IHK.  Foto: 

Die Energiewende hat viele Gesichter: überrascht, zufrieden, unbehaglich, zweifelnd und auch leidend. Zu sehen waren sie alle beim ersten Energiegipfel Ostwürttemberg, den die IHK am Montag an ihrem Sitz in Heidenheim ausgerichtet hat.

Franz Untersteller, der Umweltminister des Landes, war der prominenteste Teilnehmer beim Podiumsgespräch. Er fasste bei der gut besuchten Veranstaltung zusammen, was nach dem Schock von Fukushima im März 2011 passiert ist. Für IHK-Präsident Carl Trinkl „unheimlich viel“ – vor zehn Jahren wäre das alles nicht denkbar gewesen.

38 Prozent beträgt inzwischen bundesweit der Anteil der erneuerbaren Energie am Strom. „Niemand mehr wird heute mehr ein konventionelles Kraftwerk bauen“, war sich Untersteller sicher, auch der Markt habe sich vollkommen hin zu den Erneuerbaren entwickelt.

Energiewende noch nicht beim Verkehr angekommen

Auf der anderen Seite: Das Land wird seine für 2020 gesteckten Ziele für den Klimaschutz bei der CO2-Reduzierung verfehlen. Einerseits, so der Minister, sei die Energiewende noch nicht beim Verkehr angekommen und es werde für die Unternehmen zu wenig Anreiz gesetzt, effizienter mit Energie umzugehen. „Machen sie es trotzdem“, appellierte Untersteller an die Unternehmer, auch wenn in ihrem Haus der Strom nur zwei bis vier Prozent der Produktionskosten ausmacht.

Die Windkraft, für deren Nutzung im vergangenen Jahr im Land 120 neue Windräder gebaut worden seien, werde zum Bedauern von Untersteller mittels bundesweit geltenden regulatorischer Vorgaben bei der Ausschreibung im Süden schon wieder geblockt. Es müsse eine Änderung in neuen Ausschreibungsverfahren geben. In Summe galt für Untersteller unzweifelhaft: „Die Energiewende nutzt dem deutschen Standort“. Dies allein schon aus der Perspektive heraus, dass man unabhängiger von Energieimporten werde.

Stromkabel über den Häusern

Es gibt aber auch ein Leiden an der Energiewende. Aus dem Raum Ellwangen, Hüttlingen und Neunheim waren Vertreter einer Bürgerinitiative anwesend, über deren Häuser eine 110 kV-Leitung führt und die einen weiteren Netzausbau fürchten. „Wir leiden“, so ein Sprecherin, welche die Politik bei ihrem Anliegen hinter sich weiß. In Ortslagen, so Ostalb-Landrat Klaus Pavel, dürfe es keinen Stromleitungsbau mit Masten mehr geben. „Das ist nicht akzeptabel, das ist nicht vertretbar.“ „Die Energiewende geht nur mit den Bürgern“, betonte Karl Hilsenbek, der Oberbürgermeister von Ellwangen.

Im Ostalbkreis plädiert Landrat Pavel entsprechend auch für den Ausbau von Speichereinheiten anstelle von Netzerweiterungen. Herbert Schein, der Geschäftsführer von Varta Microbattery in Ellwangen, kann diese heute schon für Haushalte anbieten. In Verbindung mit einer Solaranlage macht man sich damit autark. „Das ist in einer halben Stunde installiert.“

Der Vorteil, für die, die es sich leisten können, wird freilich zum Nachteil der anderen. Von „einer Entsolidarisierung der Gesellschaft“ sprach Frank Hose. Denn die Kosten für die Netze stiegen damit für die verbliebenen Nutzer. Der Vorstand der EnBW Ostwürttemberg, der im Ausbau des Gasnetzes einen künftigen riesigen Energiespeicher sah, plädierte wenn schon für vernetzte Speicher, auf die der Netzbetreiber Zugriff haben müsse, damit er Angebot und Nachfrage regulieren kann.

Untersteller macht Bund verantwortlich

Bis zu einem Anteil von 50 bis 60 Prozent der Erneuerbaren in der Stromproduktion werde das bestehende Netz als Puffer reichen, meinte Minister Untersteller. Dafür, dass für die Betreiber der Netzausbau rentabler ist als Investitionen in Speichertechnologie, machte Untersteller den Bund verantwortlich, der im Energiewirtschaftsgesetz die Spielregeln setze.

Hier müsse umgesteuert werden. Den schwarzen Peter hatte damit Ministerialdirigentin Gerlind Heckmann in der Hand, die als Repräsentantin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie nach Heidenheim gekommen war. Hier setzt man auf mehr Energieeffizienz, möchte Strom verstärkt auch im Verkehr und für die Wärmegewinnnung einsetzen und dafür Anreize über veränderte Strompreiskomponenten geben. Dabei sollen im Sinne der Verbraucher „die Gesamtkosten so gering wie möglich“ gehalten werden.

An solch eine Kostengrenze stoßen denn auch die Bürger aus dem Ostalbkreis, die keine 110 kV-Leitung mehr haben wollen. Denn das Gesetz schreibt vor, dass Erdkabel nur finanziert werden, wenn sie nicht über das 2,75fache teurer als eine Freileitung werden. Die EnBW, so Hose, könne zwar das Gesetz übertreten, und auf ihre Kosten das Kabel in die Erde verlegen, hätte aber dann einen Präzedenzfall „für alles“ geschaffen. „Der Ball liegt beim Bund“. Heckmann versprach das Anliegen mitzunehmen. Das Gesetz werde sicher nicht geändert. Aber vielleicht lasse sich ein Rahmen schaffen, in dem die Erdverkabelung möglich wird.

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