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Förderung für schwache Schüler steht auf der Kippe

Mit EU-Geldern werden Sozialarbeiter finanziert, die schlechten Schülern bei der Berufswahl helfen. Obwohl es wirkt, steht das Projekt in Frage.

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Der Motivator und Ansprechpartner zugleich: Stefan Lorenz hilft Schülern an der Friedrich-Voith-Schule und Bühlschule in Giengen, einen Ausbildungsplatz zu finden.  Foto: 

In zehn Schulen im Landkreis kümmern sich Sozialarbeiter speziell um schwache Schüler, die vom Schulabbruch oder von Schulversagen bedroht sind und die es deshalb besonders schwer haben, den Schritt in eine Aus- oder Weiterbildung zu schaffen.

Im vorigen Schuljahr betreuten sie rund 100 Jugendliche, im kommenden Schuljahr werden es 140 werden. Das Projekt trägt den Namen „Startklar intensiv“ und wird teils von der Agentur für Arbeit, vom Landkreis Heidenheim und auch mit Geldern aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Ziel ist es, dass die Jugendlichen schlussendlich einen Ausbildungsvertrag erhalten.

Komplizierte Bewerbung

Anfang der Woche waren Schulleiter, Klassenlehrer und die sechs Sozialarbeiter eingeladen, um aus der Praxis über diese Art von Berufsförderung zu erzählen. Der Tenor war eindeutig: Die Arbeit ist unverzichtbar und kann von den Lehrern in dieser Form nicht geleistet werden. Und auch die Eltern können ihren Kindern oftmals nicht helfen – zum Teil, weil sie selbst bildungsfern sind, zum Teil aber auch, weil das Berufswahlverfahren mit Online-Bewerbungen und Assessment-Centern komplizierter geworden ist und die Eltern nicht auf dem neuesten Stand der Gepflogenheiten sind.

Insgesamt 190000 Euro fließen über den ESF-Topf in den Landkreis Heidenheim, 30000 Euro davon erhält das Projekt „Startklar intensiv“, das damit das Einzelcoaching der Schülern finanziert. Das heißt, die Schüler erhalten Tipps, wie sie ihre Bewerbung schreiben, wie man telefoniert, was man zum Bewerbungsgespräch anzieht und wie man sich dort verhält. Warum das nicht die Eltern vermitteln? „Es ist eine Altersgruppe, bei der die Eltern oftmals keinen Einfluss mehr haben“, sagt Angelika Körner, eine der Sozialarbeiterinnen.

Erfolgsquote ist jetzt höher

Insgesamt kostet das Projekt jährlich rund 112000 Euro, wobei auch Gruppenarbeit und weiteres Personal inbegriffen ist. Dieses Geld kommt zum Großteil von der Agentur für Arbeit, aber auch der Landkreis schießt einen Teil zu.

Dem Vortrag zugehört haben Mitglieder des Arbeitskreises des Europäischen Sozialfonds (ESF) im Landkreis, die jährlich über die Vergabe der Gelder entscheiden und sich ein Bild davon machen wollten, für was das Geld verwendet wird. Im November steht die nächste Entscheidungsrunde für das kommende Jahr an, dann muss sich „Startklar intensiv“ erneut um die Gelder bewerben.

Das Angebot sei aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken und fester Bestandteil der Berufswegeplanung, sagt Jürgen Gruhler, stellvertretender Schulleiter der Hillerschule in Steinheim. „Die Erfolgsquote beim Übergang von der Schule in den Beruf ist seitdem signifikant höher als vorher.“ Ohne Startklar würden die schwachen Schüler hinten runter fallen, ist sich Gruhler sicher. Mit Blick auf die wandelnde Schülerstruktur an den Realschulen stellt sich für ihn die Frage, die Hilfe auch auf diese Schulart auszuweiten.

Haarscharfe Entscheidung

Doch statt über eine Ausweitung zu diskutieren, ging es bei dem Treffen vielmehr darum, den Fortbestand der Hilfe zu sichern. Denn wie Susanne Dandl, Mitglied im Arbeitskreis, verriet, war es bei der letzten Vergaberunde „haarscharf“ mit der Bewilligung.

„Denn allein, dass etwas gut ist, reicht nicht für eine weitere Förderung“, stellte Thomas Kreuz klar, der als Vertreter des Landkreistages ebenfalls ein Auge auf die ESF-Mittel wirft. Wichtig sei immer eine Weiterentwicklung. Darüber konnte man in der Lehrerschaft teils nur den Kopf schütteln: „Ich tu mich schwer, etwas Neues herbeizuhirnen, nur damit das Projekt weitergeht“, sagte Werner Weber, geschäftsführender Schulleiter in Heidenheim.

Doch es gibt einen Ausweg. Claudia Wieland, beim Landratsamt zuständig für das Projekt, will bis Ende September den Antrag so formulieren, dass er Chancen auf eine weitere Bewilligung hat. Mittelfristiges Ziel soll es danach sein, so der Vorschlag von mehreren Seiten, die Berufswahl-Hilfe für die schwachen Schüler zu einer Dauer-Einrichtung zu machen, gefördert mit Landesmitteln.

Wohin die ESF-Mittel im Landkreis fließen

Drei Angebote werden derzeit von den 190 000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert, die der Landkreis Heidenheim bekommt. Das ist die Bewerberwerkstatt für Langzeitarbeitslose der Caritas Ostwürttemberg, dann das Gemeinschaftsprojekt „Restart 2.0“ von Caritas und Arbeiterwohlfahrt, bei dem es um die Begleitung und berufliche Eingliederung von bleibeberechtigten Flüchtlingen geht. Und der dritte Förderung geht im Moment an „Startklar intensiv“.

Abgelehnt wurde laut Auskunft vonseiten des Landratsamtes bislang kein Antrag. Jährlich würden zwei bis drei Anträge gestellt.

Die Bewerbungsrunde für 2017 läuft an: Bis Ende September müssen die Anträge gestellt werden. Das Entscheidungsgremium tagt Mitte November.

Mit dem ESF will die Europäische Union die Beschäftigung in Europa fördern und vor allem Arbeitslosen helfen bei der Wiedereingliederung oder bei Bildung unterstützen. Das Land Baden-Württemberg erhält in der Förderperiode 2014 bis 2020 rund 260 Millionen Euro aus dem ESF.

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