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Finanzen und Medizin: So sieht der neue Klinik-Chef die Lage

Das Klinikum schließt 2016 wieder mit einem Millionen-Defizit ab. Der neue Geschäftsführer Udo Lavendel setzt auf Teamarbeit, aber auch auf die Unterstützung des Landkreises.

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Die Zahlen ständig im Blick behalten: Dies fordert der neue Klinik-Geschäftsführer Udo Lavendel neuerdings von seinen Chefärzten. Gleichzeitig sagt er auch, dass Zuschüsse des Landkreises als Klinikträger notwendig sein werden.  Foto: 

Seit einem Vierteljahr hat das Klinikum Heidenheim eine neue Geschäftsführung: Der Landkreis hat einen Vertrag mit der Firma Economedic abgeschlossen, die den neuen Geschäftsführer Udo Lavendel und drei weitere Mitarbeiter in der Verwaltung der Klinik stellt.

Lavendel hat sich mittlerweile einen Überblick über die Situation des Klinikums verschafft, die wie überall in deutschen Krankenhäusern finanziell gesehen nicht besonders rosig aussieht. Am Jahresabschluss für 2016 wird noch gearbeitet, und auch der Wirtschaftsplan für das laufende Jahr ist noch nicht vom Aufsichtsrat der Klinik genehmigt worden.

Diese Verzögerung in der Planung ist aber bewusst gewählt und dem Wechsel in der Geschäftsleitung geschuldet.

Zuschüsse unbedingt notwendig

Was den Jahresabschluss für 2016 angeht, kann Udo Lavendel noch keine konkreten Zahlen präsentieren. Klar sei aber, dass sich das Defizit, mit dem die Klinik abschließe, in derselben Größenordnung wie im Vorjahr befinde – 2015 lag der Fehlbetrag bei rund drei Millionen Euro.

„Ganz alleine aus dem Betrieb heraus kann das Klinikum nicht finanziert werden“, sagt Lavendel. Zuschüsse vom Landkreis werden aus seiner Sicht auf jeden Fall notwendig sein.

Medizinisch ein „Juwel“

Defizite sieht der Diplomökonom vor allem in der Ausstattung und der Bausubstanz, hier spricht er von einem Investitionsstau, der sich über die letzten Jahre aufgebaut habe. Ganz anders sieht es aus seiner Sicht mit der fachlichen Kompetenz und dem Personal aus: „Die Klink ist ein medizinisches Juwel“, urteilt er.

Ein sehr wichtiges Thema sei die Endabstimmung für den Bauabschnitt II der Kliniksanierung. Lavendel hofft auf einen Baubeginn im Februar 2018, bei dem zunächst der Erweiterungsbau aus dem Jahr 1980 abgerissen werden muss. Anschließend soll dort ein über 6000 Quadratmeter umfassendes siebenstöckiges Gebäude entstehen, in dem die neue Radiologie, der OP-Bereich und Patientenzimmer Platz finden sollen.

Für diesen Bauabschnitt rechnet Lavendel mit zweieinhalb Jahren Bauzeit – und ist gedanklich schon bei dem nunmehr dritten Bauabschnitt, der danach folgen soll. „Die bisherige Planung dafür ist mittlerweile überholt, wir haben neue Erkenntnisse“, sagt er. Mit diesen will er in Verhandlung mit dem Sozialministerium treten, das den überwiegenden Teil der Baukosten aus dem Landeshaushalt finanzieren muss. Aber auch die Unterstützung des Landkreises wird notwendig sein.

Was die politische Zustimmung für die finanzielle Unterstützung des Landkreises angeht, ist Udo Lavendel optimistisch: „Was gibt es denn für eine Alternative?“, fragt er, schließlich sei das Klinikum für den Landkreis unverzichtbar. „Natürlich müssen auch wir unsere Hausaufgaben machen und können uns nicht nur auf Zuschüsse verlassen“, so der 55-Jährige.

Begonnen hat die neue Geschäftsleitung bereits mit der Umstrukturierung. Dabei liegen besondere Schwerpunkte auf der Planung von Abläufen und der ständigen Kontrolle der Zahlen. Eine Strategieklausur mit den Leitern der Fachabteilungen hat schon stattgefunden, dabei sei es um die Frage gegangen, wie das medizinische Konzept der Zukunft aussehen solle, berichtet Lavendel.

Monatliche Zahlen und Gespräche

Der neue Geschäftsführer, der 14 Jahre lang bis Ende 2013 Geschäftsführer des Malteser Krankenhauses St. Anna in Huckingen war und dann die Beratungsgesellschaft SCC Smart Compliance Consulting gründete, geht systematisch an die Führung des Krankenhauses heran.

So bekommen die Chefärzte neuerdings monatlich vom Controlling der Klinik die Zahlen für ihre Abteilung geliefert. „Leistungsentwicklung“ nennt Lavendel die Belegung der Stationen mit Patienten. „Die Leiter der Fachabteilungen sollen den Soll-/Ist-Vergleich aktuell im Blick haben, dann kann man gleich an die Ursachenforschung gehen“, so Lavendel.

Eine hohe Transparenz, was die Zahlen angeht, sei ihm sehr wichtig. „Es kommt auf die Teamleistung an, alleine kann man gar nichts bewirken“, sagt er. Deshalb legt er auch Wert auf einen regelmäßigen Austausch: Wöchentlich trifft sich die Klinikleitung, auch der Betriebsratsvorsitzende sitzt mit am Tisch. Monatlich finden Chefarztkonferenzen statt, alle zwei Monate gibt es sogenannte Klinik-Updates, bei dem in einer halben Stunde allen Beschäftigten des Klinikums die wichtigsten aktuellen Informationen weitergegeben werden sollen.

Kein Stollstand bei den OPs

Ganz wichtig ist für den Geschäftsführer das optimierte OP-Management: „Hier müssen die Prozesse optimal geplant werden, damit im sehr teuren Bereich der Operationen kein Stillstand entsteht“, sagt er. Dies sei vergleichbar mit einer stillstehenden Maschine in einer Fabrik, die dem Unternehmen immense Kosten verursache. Für die Planung der komplizierten Abläufe wurde ein OP-Manager eingesetzt. Wöchentlich werden die Kennzahlen geprüft, „um zu sehen, wie effizient unsere Abläufe sind“.

Finanziell ebenfalls von großer Bedeutung ist für die Klinik die Fallkostenkodierung. „Die richtige Codierung ist entscheidend für die richtige Abrechnung der Leistungen“, sagt Lavendel. Wie genau die Codierer arbeiten sollen – ob sie beispielsweise die Ärzte bei der Visite begleiten oder die Codierung vom Schreibtisch aus vornehmen sollen -, wird momentan noch eruiert. Dass diese Dokumentationsarbeit für die Klinik so bedeutend ist, letztlich aber Ressourcen aus der Pflege abzieht, bedauert Lavendel – bezeichnet das Problem aber als systemimmanent.

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