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FCH bezahlte bislang nur 2600 Euro Pacht im Jahr

Der Gemeinderat soll am Donnerstag die Übereignung von Stadion und Trainingsplätzen an den Zweitliga-Verein beschließen.

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Eine Fläche von 80 000 Quadratmetern soll an den FCH überschrieben werden: Stadion und Parkplatz (oben) sowie vier bereits fertige Trainingsplätze (rechts und links) sowie einer, der sich noch im Bau befindet (ganz links).  Foto: 

Zur geplanten Eigentumsübertragung der Voith-Arena an den 1. FC Heidenheim zum symbolischen Betrag von einem Euro sind neue Details bekannt geworden. So sollen nicht nur das Stadion selbst, sondern auch die Trainingsplätze an den Zweitliga-Fußballverein übertragen werden. Auf Nachfrage der Heidenheimer Zeitung teilte die Stadtverwaltung nun auch mit, was der FCH bislang an Pacht für das Stadion und die Trainingsplätze bezahlt hat, nämlich insgesamt rund 2600 Euro pro Jahr.

„Ein angemessener Pachtzins“

Schon vor längerer Zeit hatte die HZ bei der Verwaltung angefragt, wie hoch die Mietzahlung des FCH ist. Damals verwies die Stadt darauf, dass man mit dem Fußballverein Stillschweigen über die Summe vereinbart habe. „Der FCH bezahlt einen angemessenen Pachtzins, insbesondere trägt der Verein sämtliche Betriebskosten für Stadion, Gebäude und Trainingsplätze”, so die damalige Aussage.

Auf neuerliche Nachfrage nannte die Verwaltung nun doch konkrete Summen: 487,50 Euro beträgt die Jahrespacht für die Trainingsplätze, 2150 Euro für das Stadion, macht insgesamt 2637,50 Euro jährliche Miete.

Zum Vergleich: Dynamo Dresden, ebenfalls Zweitligaverein, zahlt eine jährliche Stadionmiete von 4,75 Millionen Euro, davon übernimmt die Stadt Dresden 1,5 Millionen Euro. Das 2009 eröffnete Stadion kostete ca. 43 Millionen Euro und gehört der privaten Stadion Dresden Projektgesellschaft. Oder das Beispiel 1. FC Kaiserslautern: Seit 2014 bezahlt der Zweitligaverein eine von 3,2 auf 2,4 Millionen Euro reduzierte Jahresmiete für das Fritz-Walter-Stadion an die Stadt Kaiserslautern. Für die Pachtreduzierung zugunsten des aus der 1. Liga abgestiegenen Vereins gab es damals Kritik vom Bund der Steuerzahler.

Weniger Pacht, nämlich nur 300 000 Euro jährlich, bezahlt der Karlsruher SC. Allerdings spielt der Verein im Wildparkstadion, das zuletzt 1993 renoviert wurde. Seit mehr als zehn Jahren suchen Stadt und Verein nach einer Lösung für die Renovierung oder den Neubau eines Fußballstadions.

Aus den von der Stadtverwaltung Heidenheim veröffentlichten Unterlagen zur Gemeinderatssitzung am Donnerstag (Beginn um 17 Uhr) gehen weitere Einzelheiten der geplanten Vereinbarung hervor. So soll eine Fläche von rund 80 000 Quadratmetern in den Besitz des Vereins übergehen, nämlich das Stadion sowie fünf Trainingsplätze. Dies sind zwei alte Trainingsplätze, ein Rasen- und ein Kunstrasenplatz, die 2009 gebaut wurden und ein neuer Platz, der sich momentan noch im Bau befindet. Der Bodenwert dieser gesamten Fläche liege „weit unter dem bisherigen finanziellen Einsatz des FCH von ca. 20 Millionen Euro“, so die Stadtverwaltung. Die 20 Millionen Euro hatte der FCH indes nicht für den Bodenwert der Anlage bezahlt, sondern als Anteil am Ausbau des Stadions. Die Stadt hat seit 2008 weitere 16 Millionen Euro in den Stadionausbau, Trainingsplätze und Parkplätze investiert.

Laut Pachtvertrag ist die Stadt für die Unterhaltung der Anlage verantwortlich. Dafür müsse man jährliche Rücklagen in Höhe von 290 000 Euro bilden, so die Verwaltung. Die ebenfalls zu erwirtschaftende Abschreibung beträgt jährlich 320 000 Euro, so dass eine Summe von 610 000 Euro jährlich bereitgestellt werden muss. „Nach Berechnungen der Stadt betragen die Folgekosten deutlich mehr als 20 Millionen Euro”, so die Verwaltung in der Sitzungsvorlage, allerdings wird für diese Summe kein Zeitraum benannt.

Rückkauf für einen Euro

Für eine erfolgreiche Entwicklung des Vereins sei es notwendig, dass der FCH von der Stadt unabhängig werde und gleichzeitig Möglichkeiten zur Fremd- oder Eigenkapitalbeschaffung habe. „Es macht deshalb Sinn, den FCH endgültig zu verselbstständigen und ihm das Eigentum an den von ihm genutzten Spielstätten nebst der dazugehörigen Infrastruktur zu übertragen”, so die Verwaltung.

Auf der anderen Seite soll ein Wiederkaufsrecht des Stadions zum Preis von einem Euro vereinbart werden für den Fall, dass der Verein sich aufgelöst oder insolvent wird, den Spielbetrieb einstellt oder die Anlage verpachtet oder verkauft. Dies bedeutet aber auch, dass die Belastung der Immobilie mit einer Hypothek sinnlos wäre - es sei denn, die Stadt würde diese dann übernehmen.

Gleiches Recht für alle Vereine

Als letzten Punkt der Beschlussfassung soll die Verwaltung prüfen, ob andere Sportvereine mit vergleichbar gelagerten Eigentumsverhältnissen „im Sinne der Gleichbehandlung” ebenfalls eine Eigentumsübertragung wünschen. „Die Verwaltung zeigt sich offen für Verhandlungen“, so die Vorlage.

Die Drucksache, die alle Informationen für den Tagesordnungspunkt enthält, trägt den Vermerk, dass im nichtöffentlichen Teil beraten und im öffentlichen Teil abgestimmt werden soll.

Oberbürgermeister Bernhard Ilg versichert jedoch, dass sowohl der Bericht über das Vorhaben als auch die Aussprache des Gemeinderats öffentlich stattfinden werden. Sonst würde die Öffentlichkeit nicht erfahren, wer sich wie positioniert oder welche Bedenken die Stadträte an dem geplanten Geschäft äußern.

Bereits terminiert ist eine Pressekonferenz am Freitag nach der Gemeinderatssitzung. „Oberbürgermeister Bernhard Ilg und der Vorstandsvorsitzende des FCH Holger Sanwald präsentieren dabei erstmals gegenüber der Presse die Hintergründe und den Nutzen dieses Vorhabens,“ heißt es in der Einladung zu der Veranstaltung in der Voith-Arena.

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Kommentare

30.03.2017 00:01 Uhr

Übereignung Stadion

Für mich ist die geplante Übereignung von Stadion und Trainingsplätzen für einen Euro an den FCH ein Unding.
Bei einem monatlichen Pachtzins von 220 Euro von angemessen zu sprechen ist ein schlechter Witz.
Was für eine Wohnung kann man sich im Vergleich dazu für 200 Euro in Heidenheim leisten? Vielleicht eine Garage?
Warum werden erst jetzt die entsprechenden Zahlen veröffentlich?
Hatte die Stadtverwaltung Angst, sich im Vorfeld der Abstimmung den Unmut kritischer Stimmen zu stellen?
Wenn man die Pachtzahlungen anderer Zweitligisten zugrunde legt ,muß man sich doch fragen warum
ausgerechnet die Stadt Heidenheim Gelder in Millionhöhe zu verschenken hat.
Wo sind die Interessen und Bedürfnisse von Bürgern , anderer Vereine und Abteilungen im Vergleich dazu gewahrt?
Die Übereignung für einen Euro als guten Deal für die Stadt darzustellen kann ich nicht nachvollziehen.
Die Bergründung mit den hohen Folgekosten für die Stadt ist nicht stichhaltig.
Würde der FCH einen wirklich angemessenen Pachtzins bezahlen ,könnte man davon auch die Folgekosten tragen.
Soll es jedoch zu einem Verkauf an den FCH kommen so kann doch jeder Bürger erwarten ,daß dafür auch ein entsprechender Erlös erzielt wird.
Nachdem die Stadt ca. 16 Millionen in Stadion,Trainigsplätze und Infrastruktur für den FCH investiert hat
kann man doch auch eine entsprechende Summe in Millionenhöhe vom FCH verlangen. Er bekommt dafür ja auch einen entsprechenden Gegenwert.
Der FCH ist doch ein Profiverein und sollte, wie jeder andere Betrieb auch, ohne massive öffentlich Hilfe und Geschenke zurechtkommen.
Das in diesem Zusammenhang jetzt noch gleiches Recht für alle Vereine zu gewähren ,hat schon etwas
von schlechtem Gewissen.
Seltsam ist auch die geplante Pressekonferenz am Freitag.
Wird da schon der Deal verkündet? Steht das Ergebnis der Abstimmung etwa schon fest ?
Bei einer Angelegeheit dieser Größe und Tragweite muß die Öffentlichkeit vor der Abstimmung aureichend und lückenlos informiert werden und nicht erst hinterher.
Das kann jeder Bürger von der Stadtverwaltung und vom FCH erwarten.
Irgendwie erscheint die ganze Angelegenheit doch etwas seltsam.
Ich hoffe der Gemeinderat hinterfragt das geplante Vorhaben kritisch und nickt nicht nur die Vorschläge ab.
Das der OB noch extra versichern muß, daß die Sitzung öffenlich stattfinden wird, spricht für sich.





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29.03.2017 07:16 Uhr

Ungleicher Wettbewerb

Wenn man so die erst jetzt bekannt geworden Mietzahlungen der einzelnen Vereinen für Ihre Spiel u. Arbeitsplätze vergleicht , befindet sich der FCH ja in einem Schlaraffenland .
Ich glaube dass diese Zuwendung von Steuergeldern in der Vergangenheit gar nicht notwendig war, da der Verein durch ein breite Aufstellung der Sponsoren recht gut aufgestellt.
Da hätte ich mir als Fan einfach gewünscht dass der Verein so Ca 2,5 Mio in die Hand nimmt um einen schlagkräftigen Stürmer zu verpflichten, denn Marc Schnatterer spielt nicht ewig (so gut)
Aber Hand aufs Herz , ich habe von der Sonderbehandlung auch einen Vorteil gehabt,denn meine Rentnerkarte werde ich zukünftig für 75 € nicht mehr bekommen.
Rudi Herdeg

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28.03.2017 20:49 Uhr

stadion /Abgekartes Spiel

Also erst die Absage an den FCH, ihn nicht mehr zu unterstützen, dann die Mitteilung das ganze Gelände für eine Euro zu verkaufen. Dann schon einen Pressetermin festzulegen am Tag nach der Gemeinderatsitzung ??????

Ist schon verdammt komisch.

Also doch eine weitere VERSTECKTE UNTERSTÜTZUNG des FCH!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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