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Heidenheimer Feuerwehr: Fast 500 Einsätze im vergangenen Jahr

Heidenheims Gesamtwehr blickt auf ein anstrengendes Jahr zurück – und die Herausforderungen werden 2017 nicht weniger werden.

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Dass die Feuerwehr selbst bei ihrer eigenen Hauptversammlung zum Einsatz ausrücken muss, ist ein altes Beispiel für die ständige Einsatzbereitschaft.

Während der Hauptversammlung in der Voith-Arena mussten Heidenheims Feuerwehrleute gleich zweimal in den Einsatz – vielleicht das beste Bild für die ungeheure Arbeit der rund 200 Aktiven aus den sechs Abteilungen.

Fast 500 Einsätze im Jahr 2016 – selbst diese Zahl stellte Stadtbrandmeister Rainer Spahr nüchtern als „wieder etwas ansteigend“ vor. Tatsächlich hatten Stürme und Unwetter ebenso für mehr Aufgaben gesorgt wie die sich auffällig häufenden Tierrettungen.

Wie immer liegt die Zahl der Brandeinsätze mit rund 160 weit niedriger, den Löwenanteil machen Hilfeleistungen von der Türöffnung bis zum Insektennest oder Wasserschäden aus.

Und immerhin 40 Mal wurde die Heidenheimer Wehr 2016 zur Hilfe in andere Kreisgemeinden gerufen – nirgendwo sonst im Kreis gibt es so viele Sonderfahrzeuge, heuer wird Heidenheim einen speziellen Atemschutzgerätewagen sowie einen neuen Lichtmastanhänger in Betrieb nehmen.

Auch die Personenrettung nehme zu, so Spahr. Und gerade der Einsatz der Drehleiter in zugeparkten Wohngebieten oder Altstadtquartieren bringe „immer öfter erhebliche Probleme“. Gleichzeitig stehe in den kommenden Jahren die Beschaffung einer neuen Drehleiter an. Für das rund 800 000 Euro teure Fahrzeug müsste die Stadt trotz Landeszuschüssen gut 550 000 Euro zuzahlen.

Absage an Neubauwünsche

Gut aufgestellt sieht Spahr die Wehr in Sachen Gebäude: Jahrelang habe die Stadt investiert, die Feuerwehrhäuser seien gut in Schuss und die Frage nach Neubauten stelle sich in absehbarer Zeit nicht.

Wohl aber müsse man weiter nachrüsten – auch wegen neuer Auflagen. So müssten für weibliche Feuerwehrkräfte getrennte Umkleiden geschaffen werden, und selbst Feuerwachen müssten mittelfristig eigene Brandmeldeanlagen erhalten.

Klar machte Spahr aber auch, dass Heidenheims Feuerwehr ebenso schlagkräftig wie vergleichsweise günstig sei: „Mit Ausgaben von einem Prozent des Haushaltsvolumens liegen wir im Grünen Bereich“, so Spahr.

Das liege auch daran, dass Heidenheims Gesamtwehr nach wie vor extrem auf Ehrenamtliche setzen könne. Gerade acht hauptamtliche Feuerwehrkräfte seien in einer Stadt der Größe Heidenheims nicht selbstverständlich.

Damit sei aber auch eine Grenze erreicht: „Im Ehrenamt kann es keine weitere Steigerung geben“, so Spahr – zumal es immer mehr Lehrgänge und Ausbildungen vorgeschrieben würden, die zu all den Einsätzen hinzu kämen.

Dass die ehrenamtliche Stärke der Heidenheimer Wehr seitens der Stadt gewürdigt wird, machte Oberbürgermeister Bernhard Ilg klar: Selbst Bauarbeiten wie an der Fahrzeughalle in Schaitheim oder im Mergelstetter Feuerwehrhaus würden von Feuerwehrleuten erledigt. „Dafür sind wir sehr dankbar“, so Ilg – das sage er auch im Namen des Gemeinderates und aller Bürger der Stadt.

Dass die Wehr unter immer schwierigeren Umständen Personalstärke und Tagesverfügbarkeit halten könne, sei in sich schon ein Erfolg. Dennoch seien neue Strategien gefragt: „Alle Abteilungen der Stadt müssen perfekt zusammenarbeiten, damit die Feuerwehr die zunehmenden Aufgaben meistern kann“, so Ilg.

Er lege darum größten Wert auf die Gleichstellung aller Abteilungen, die Stadt werde auch die kleinen Abteilungen mit neuer Technik und neuen Fahrzeugen versehen. Dass auch die Heidenheimer Wehr eine neue Drehleiter bekommen werde, bleibe sein Ziel, so Ilg.

Im Hinblick auf die Nachwwuchsgewinnung forderte der OB auf, die Jugendfeuerwehren ernst zu nehmen: „Werden Sie Betreuer“, so Ilg an die Adresse der Einsatzkräfte.

Und besonderes Lob fand Ilg hier auch für die Öffentlichkeitsarbeiter der Feuerwehr: Die deutschlandweit nahezu einzigartige Zusammenarbeit mit der HZ über Whatsapp sorge für Nachrichten in Echtzeit und sei nicht nur eine wertvolle Information für alle Bürger, sondern auch eine Werbung für die Feuerwehr und ihre Arbeit.

Kritik an Polizeireform

Die werde auch in anderer Hinsicht immer wichtiger, so Ilg, der einmal mehr deutliche Kritik an den Auswirkungen der Polizeireform übte: „Klar ist, dass Sie als Feuerwehr die größte Mannschaftsstärke haben, am besten geschult sind. Und klar ist, dass Sie die Einsatzkräfte sind, auf die wir uns immer verlassen können“.

Was die Feuerwehren kreisweit umtreibt, berichtete Uli Steeger, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands. Auch Steeger lobte die hochmoderne Öffentlichkeitsarbeit der Heidenheimer Wehr, die nun auch kreisweit Schule machen soll: Heidenheims Öffentlichkeitsarbeiter Dennis Straub wurde zum neuen Fachberater Presse des Kreisfeuerwehrverbands gewählt. Und auch mit einem neuen Internetauftritt will der Verband für die Arbeit in den Feuerwehren werben.

Offen sprach Steeger auch ein Tabuthema an: Auch abseits traumatischer Erlebnisse im Einsatz komme es durch den Stress der Feuerwehrarbeit zu Problemen mit der seelischen Gesundheit, die man nicht verschweigen dürfe. „Outet Euch, wenn es Euch so geht, man muss sich da nicht schämen!“, so Steeger – und gerade bei schneller Hilfe könnten die Probleme oft behoben werden.

Keine schnelle Hilfe sieht Steeger bei der Zunahme an bürokratischen Auflagen. So erreichten die Auflagen aus dem Kinderschutzgesetz nun auch die Feuerwehr: Jugendbetreuer müssten polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen. Verurteilen wollte Steeger die Auflagen aber nicht: Es sei erschreckend, wie hoch die Dunkelziffer beim sexuellen Missbrauch sei, dagegen müsse alles unternommen werden.

Feuerwehr als Tier-Taxi

Die Häufung fiel selbst Zeitungslesern deutlich auf im Vorjahr: Orientierungslose Schwäne, in Löcher gefallene Füchse – immer häufiger muss die Feuerwehr ausrücken, weil Tiere in Not geraten. Nur die klischeehafte Katze auf dem Baum war 2016 bei keinem der immerhin fast 20 Einsätze dieser Art vertreten.

„Diese Aufgabe haben wir“, so Stadtbrandmeister Rainer Spahr in seinem Jahresbericht. Doch anders als bei Menschen warte bei den Tieren kein Rettungswagen. „Oft ist es so, dass speziell bei Wildtieren nicht einmal der Tierarzt oder das Tierheim zuständig geschweige denn erreichbar ist“, so Spahr.

Es bleibe der Feuerwehr dann nur, die geretteten Tiere in die nächsten Wildtierauffangstationen zu fahren – die nächste findet sich in Westhausen bei Aalen. „Dass dies kein Dauerzustand werden darf, weil es nicht unsere Aufgabe ist, brauche ich nicht näher aufzuführen“, so Spahr.

Was die Wehr ärgert: Attacken und falsche Vorwürfe

Klare Worte fand Stadtbrandmeister Rainer Spahr für den Fall eines Großkucheners, der im Mai 2016 bei einem Brand seines eigenen Hauses aggressiv gegen die Feuerwehr vorging und sogar einen Feuerwehrmann niederschlug.

Das Verfahren gegen den Mann wurde eingestellt, weil er laut den Ermittlern nicht zurechnungsfähig sei. „Tolle Rechtssprechung!“, so Spahr unter dem Applaus seiner Kameraden – er habe kein Verständnis für Übergriffe auf die Einsatzkräfte, die leider zunähmen.

Verärgert ist man bei der Feuerwehr auch über ungerechtfertigte Kritik. Im Fall des spektakulären und extrem schwierigen Hausbrandes an der Schlossstraße im November hatten Augenzeugen sich auch gegenüber der Zeitung darüber beschwert, dass die Feuerwehr erst nach 20 Minuten eingetroffen sei. „Das ist falsch und kränkt uns“, so Spahr: Die einzelnen Fahrzeuge seien nach fünf, sechs, zehn und elf Minuten vor Ort gewesen. „Das sind Zeiten, bei denen manche Berufsfeuerwehr neidisch werden könnte“, so Spahr.

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