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Erfolglose Fahndung im Fall Bögerl: Versäumnisse bei den Ermittlungen?

Zu Beginn der Sendung „Aktenzeichen XY. . . ungelöst“ am Mittwochabend war der gesuchte 47-Jährige bereits in Polizeigewahrsam. Und auch andere Vorgänge werfen Fragen auf.

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Nach der vorübergehenden Festnahme eines Tatverdächtigen aus Königsbronn im Mordfall Bögerl bleiben viele Fragen offen - auch die nach dem Vorgehen der Polizei.

Hätte der Mann nicht auch ohne bundesweite Öffentlichkeitsfahndung identifiziert werden können? Immerhin ist die öffentliche Suche nach einem Verdächtigen ein Eingriff in dessen Persönlichkeitsrechte – und wiegt um so schwerer, wenn sich hinterher herausstellt, dass er mit dem Verbrechen nichts zu tun hatte. Deshalb muss die Fahndung auch von einem Richter angeordnet werden.

Acht Monate lang wurde ermittelt, seitdem im Juli 2016 zwei junge Männer in Hagen eine Tonaufnahme bei der Polizei abgeliefert hatten, in der ein Unbekannter sich brüstete, er habe Maria Bögerl ermordet. Er komme aus Ochsenberg, hatte der Mann damals gesagt. „Wir haben sehr viele Menschen mit Orts- und Personenkenntnis angesprochen“, sagt Polizeisprecher Uwe Krause, man habe im Großraum Königsbronn alles unternommen, um den Mann zu finden.

Heidenheimer Polizei nicht miteingebunden?

Aus Kreisen der Heidenheimer Polizei ist aber ganz anderes zu hören: Man sei erstaunt gewesen, dass man von der Ulmer Ermittlungsgruppe nicht frühzeitig in die Ermittlungen eingebunden wurde. Die Tonaufnahme und das Phantombild wurden nicht an die Beamten in Heidenheim weitergeleitet, um damit vor Ort zu ermitteln. Dazu will die Polizeipressestelle keine Stellung nehmen, man spreche nicht über die eigene Ermittlungstaktik.

Vielleicht hätten ja Revierpolizisten, die auch bei kleineren Delikten im Einsatz sind, einen Hinweis auf den Mann geben können. Dass dieser bereits mit der Polizei in Kontakt kam, ist zumindest in einem Fall verbrieft: 2015 tauchte er am Rande der „Königsbronner Gespräche“ auf und wurde in eine Auseinandersetzung mit Gegendemonstranten verwickelt, die von der Polizei beendet wurde.

Von einem Augenzeugen wurde er damals als „schlecht angezogener Mann zwischen 40 und 50 Jahr alt und mit einer Bierflasche in der Hand“ beschrieben.

Königsbronns Bürgermeister wurde nicht gefragt

Auch Königsbronns Bürgermeister Michael Stütz wurde von der Polizei nicht im Vorfeld der öffentlichen Fahndung befragt. Er hat die Tonaufnahme erst in der Fernsehsendung am Mittwochabend gesehen – und dabei die Stimme des Mannes sofort erkannt: „Auch ich hatte schon die eine oder andere Begegnung mit ihm“, sagt Stütz.

Dem Königsbronner Bürgermeister ist auch nicht bekannt, dass andere Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung von der Polizei befragt wurden. „Hinterher ist immer alles einfacher und klarer“, sagt Armin Burger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ellwangen. „Wir haben alles getan, was möglich war“, ist er sich sicher.

Bei Ausstrahlung der TV-Sendung war der Gesuchte schon festgenommen

Der in Königsbronn ortsbekannte Mann wurde am Mittwoch um 16 Uhr öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Der Polizei lag ein Phantombild vor, das sich im Nachhinein als dem Mann relativ unähnlich herausstellte, und eine Stimmaufnahme, in der der 47-Jährige in starkem schwäbischem Dialekt und mit einer auffälligen Dehnung der Silben spricht.

Um 20.15 Uhr präsentierte man 1,33 Millionen Zuschauern in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ die „sensationelle Spur in dem mysteriösen Mordfall“, so Moderator Rudi Cerne. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei allerdings schon lange bei dem 47-jährigen Mann in Königsbronn geklingelt, denn bereits kurz nach der Veröffentlichung der Fahndung auf der Homepage der Polizei meldeten sich die ersten Anrufer, die den Mann an der Stimme erkannt hatten.

Um 18.30 Uhr habe man den Gesuchten zu Hause angetroffen, um 19.30 Uhr die Festnahme erklärt, sagt Polizeisprecher Uwe Krause. „Wir wussten ja auch noch nicht, ob es tatsächlich der gesuchte Mann ist“, meint Staatsanwalt Burger, deshalb habe man die Ausstrahlung der Fernsehsendung auch nicht stoppen wollen.

Zudem sei man auch an weiteren Hinweisen interessiert gewesen. Polizeisprecher Krause formuliert es so: „Die Sendung hat die Hinweislage beflügelt.“

Schon Tausende von Hinweisen

Seit der Entführung und Ermordung der Frau des früheren Kreissparkassenchef Thomas Bögerl ging die Polizei vergeblich Tausenden von Hinweisen nach, 2014 versuchte man mit Massen-DNA-Tests dem Täter auf die Spur zu kommen.

Am Mittwoch setzte die Polizei noch einmal große Hoffnung in die Fahndung nach dem Mann, dessen Geschichte die zwei Männer in Hagen mit dem Handy aufgenommen hatten. Der Betrunkene habe dabei Wissen, „das so in der Öffentlichkeit nicht bekannt war“, preisgegeben, hieß es am Mittwoch.

Nie von Täterwissen gesprochen

Dies wird von Staatsanwalt Burger mittlerweile relativiert: Von Täterwissen habe man nie gesprochen. Allein die Tatsache, dass in Nordrhein-Westfalen jemand auftaucht, der sich mit dem Mord in Heidenheim brüstet, offenbar Ortskenntnisse hat und ein Messer ins Spiel bringt, das die Tatwaffe hätte sein können, machte ihn zum Mordverdächtigen.

Polizei bleibt in Kontakt

Der arbeitslose 47-jährige, der nach Aussage seiner Eltern alkoholabhängig war und erst nach der Episode in Hagen einen Entzug gemacht habe, wurde am Donnerstag wieder freigelassen, nachdem eine DNA-Probe keine Übereinstimmung mit Spuren aus dem Wagen von Maria Bögerl ergeben hatte. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn läuft noch, er gilt zwar weiterhin als Beschuldigter, aber nicht mehr als dringend tatverdächtig. Die Polizei bleibt weiterhin in Kontakt mit ihm, „es gibt auch noch Abklärungsbedarf“, so Polizeisprecher Krause. Wenn man dabei merke, dass er aufgrund der öffentlichen Suche nach ihm Hilfe brauche, werde man diese vermitteln.

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Kommentare

09.04.2017 16:12 Uhr

Fehler!

Ich Denke in diesem Fall sind von der ersten Minute der Entführung fast ausschlieslich nur Fehler gemacht worden! Ob das Inkompetenz oder Faulheit ist möchte ich nicht unbedingt behaupten, könnte aber durchaus sein.
Mit unseren Steuergeldern kann man ja machen was man will!

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Der Mordfall Bögerl

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