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Erste Worte in Türkisch an der Dualen Hochschule

Songül Ünal ist geübt im Wechsel zwischen den Sprachen und Kulturen. Sie erteilt Türkischstämmigen Unterricht in Deutsch und unterweist an der DH Heidenheim deutsche Studierende in Türkisch.

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An der Dualen Hochschule kann man auch Türkisch lernen. Songül Ünal unterrichtet. Die 34-Jährige tut aber noch einiges mehr, damit die Kulturen einander besser verstehen.  Foto: 

Drei Tage die Woche arbeitet Songül Ünal im Bürgeramt der Stadt Lauingen. Den Rest der Zeit ist die junge Mutter unterwegs, um da einzuspringen, wo fehlende Sprachkenntnis Bildungschancen versperrt, den Alltag erschwert, das Zusammenleben behindert. Als amtlich vereidigte Übersetzerin und Verhandlungsdolmetscherin ist Ünal überdies gefragt, wenn vor Gericht türkischsprachige Angeklagte oder Opfer sich nicht ausreichend verständlich machen können.

Ob bei der Caritas, der Volkshochschule, in Kindergärten oder in der Nachbarschaft: Ein paar Stunden deutsch-türkische Hilfestellung geht für Ünal immer.„Ich mag gar nicht sagen, was ich jetzt noch begonnen habe“, istÜnal mitunter selbst über sich erstaunt.

Die Wurzel dieser Umtriebigkeit mag in dem Schrecken liegen, derÜnal erfasst hat, als sie in Heidenheim eingeschult wurde.„Ich konnte nichts sagen.“ Und mehr noch:„Ich hatte das Gefühl, ich gehöre nicht dazu, werde gar nicht wahrgenommen.“Ünal, eins von sechs Kindern in der Familie, war nicht zweisprachig aufgewachsen.„Wie auch?“ Die Eltern, Einwanderer der ersten Generation,„konnten selbst kaum Deutsch.“ Ihr Rezept gegen die Isolation in der deutschen Welt:„Stark sein.“ Derältere Bruder hat beim Vokabelnlernen geholfen, der Zwillingsbruder ebenso.„Ich bin ein Lerntyp“, sagtÜnal über sich, die nach wie vor jedes ihr unbekannte Wort nachschlägt und sich in ihrer freien Zeit mit juristischer Fachbegrifflichkeit vertraut macht.

Die Sprache als Tor des Verstehensöffnet die zertifizierte Integrationslotsin seit drei Semestern auch an der Dualen Hochschule. Vor vier Jahren haben Petra Sklenar und Brigitte Ilg, die Leiterin des Auslandsamts an der Dualen Hochschule, zusätzlich zum fakultätsbezogenen Pflichtsprachenunterricht zentrale Sprachkurse für alle interessierten Studierenden eingerichtet. Da dafür Studiengebühren verwendet werden dürfen, sind diese Stunden kostenlos. Neben Aufbaukursen in Englisch und Französisch gibt es Kurse in Spanisch, Chinesisch, Portugiesisch, Russisch und dank Songül Ünal auch in Türkisch. Auf zehn Unterrichtseinheiten zu 90 Minuten pro Semester lautet der Stundenplan, rund ein Dutzend Studierende haben bei Ünal pro Semester ihre ersten Worte Türkisch gelernt: Wie man grüßt, wie man sich vorstellt.

„Die Reihe insgesamt wird gut angenommen“, freut sich Brigitte Ilg. In einem Semester seienüber 200 Anmeldungen eingegangen. Die Dozenten kommen teils aus der Hochschule, teils geht der Auftrag an Externe. Immer aber gilt: Der Sprachunterricht soll von Muttersprachlern erteilt werden.

Songül Ünal ist des Lobes voll über ihre Sprach-Studenten.„Diese lernen so schnell, sie saugen alles in sich auf.“ Wo die größten Schwierigkeiten beim Lernen liegen? Türkisch ist eine agglutinierende Sprache. Bedeutungseinheiten werden mit Affixen an einen Wortstamm angehängt.„In einem Wort sind im Türkischen mehrere Sachen versteckt“, erläutert Ünal. Buradayim eben. In Deutsch braucht es dazu drei Wörter.

Der Großteil der Teilnehmer am Türkisch-Sprachkurs kommt aus der Fakultät Sozialwesen. Brigitte Ilg und Songül Ünal können sich gut vorstellen, künftig auch einen auf dem Grundkurs basierenden Aufbaukurs in Türkisch anzubieten.

Songül Ünals erster Ausbildungsabschluss war der einer Rechtsanwaltsfachangestellten. Im Bürgeramt des Rathauses Lauingen erhielt sie ihre erste Anstellung. Der damalige Bürgermeister Dr. Georg Barfuß suchte bewusst Mitarbeiter mit anderen Muttersprachen, um Sprachhemmnisse bei Behördengängen abzubauen.

Für Ünal war der Eintritt in den öffentlichen Dienst dennoch nicht einfach. Als Ausländer hatte man das Gefühl, doppelt so viel tun zu müssen, um zu beweisen,„ich bin doch wie ihr“. Diese Zeiten sind ausgestanden und Songül Ünal ist sich dabei treu geblieben.„Ich bin Türkin“, sagt sie selbstbewusst. Ebenso selbstverständlich wird die Tochter aber mit zwei Sprachen aufwachsen.„Es ist wichtig, dass sie gut türkisch spricht und gut deutsch.“

Vielleicht zieht sogar noch eine dritte Sprache ins HausÜnal ein.„Ich möchte gern Französisch lernen, das gefällt mir so sehr.“

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