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Elvira Muschler beim Frauentag der IG-Metall in Heidenheim

IG-Metall-Frauen luden zu ihrer Veranstaltung am Frauentag die 83-jährige Elvira Muschler ein, die den Kampf der Frauen um Eigenständigkeit und Gleichberechtigung schildert.

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Vor 20 000 Jahren wurden Frauen noch als Heilige verehrt“, wusste Elvira Muschler, langjährige Siemens-Betriebsrätin und Trägerin des Clara-Zetkin-Preises. Und heute? Haben denn nicht die Frauen in allen Lebenslagen dieselben Rechte? Braucht es für diese immer noch eine Extrawurst?

Über die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter, die Rolle von Mann und Frau in Beruf und Gesellschaft und darüber, dass nicht alles, was auf dem Papier versprochen wird, im Leben deswegen gelten muss, wurde am Samstagvormittag von Frau zu Frau gesprochen. Den Kultursalong des Stattgartens hatte der Ortsfrauenausschuss der IG-Metall als Ort für seinen ersten Tag der Frau ausgewählt, der wie es Maja Reusch bei der Begrüßung formulierte „informativ und gemütlich“ sein sollte und auch als ein Dankeschön für Betriebsrätinen und Vertrauensfrauen gedacht war.

„Wir hatten noch nie so viele berufstätige Frauen wie heute, so Reusch, aber viele müssten sich auch mit Minijobs und in prekären Beschäftigungsverhältnissen über Wasser halten. „Das rächt sich bei der Rente.“ Jede zweite Heidenheimerin werde in 30 Jahren in der Altersarmut landen, prophezeite die Gewerkschafterin.

Frauenprobleme – Männersorgen

Eingeladen als Zeitzeugin des Kampfes um Frauenrechte hatten die IGM-Frauen die 83-jährige Elvira Muschler. Acht-Stunden-Arbeitstag, der Paragraph 218, der Einsatz der Frauen für Frieden und Abrüstung, Muschler, die mit ihrem Arbeitsbeginn bei Siemens im Jahr 1965 auch gleich in die Gewerkschaft eingetreten war, blieb Zeit ihres Lebens ein mutige Streiterin für Frauenrechte. Sechs eigene Kinder und vier Stiefkinder hat sie groß gezogen – und dies in einer Lebenswelt, in der die Sorgen der Männer wie sie aus mitgehörten Gesprächen nun zum Besten gab, nur um drei Themen kreisten: Autos, Fußball und Frauen.

„Wichtig ist, dass man sich einig ist“, vermittelte Muschler den Frauen ihre Botschaft verbunden mit einem „Fangen wir einfach an“. Denn wenn die Kluft zwischen Männer- und Frauengehälter weiter so langsam abnehme wie in den letzten 25 Jahren, „dann müssten wir noch weitere 483 Jahre warten.“

Das will auch Leni Breymaier nicht, die Landesvorsitzende der Sozialdemokraten und Kandidatin der Wahlkreises Aalen/Heidenheim für die Bundestagswahl. „Du warst immer der Depp als Frau“ kommentierte die ehemalige Verdi-Landesvorsitzende den bis die die 90er Jahre währenden Streit um den Abtreibungsparagraphen. 2000 Frauen seien in Deutschland noch in den 60er Jahren wegen einer Abtreibung im Gefängnis gelandet.

Dass Frau heute mehr Rechte zustehen, das ist für Breymaier „alles nicht selbstverständlich.“ Rechtspopulisten gäben schon wieder die Parole von der Frau im Heim und am Herd aus. Dabei seien wesentliche Mängel in der Gleichstellung der Frauen immer noch nicht behoben. Weiterhin gebe es keinen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, würde in frauentypischen Berufen schlechter entlohnt als in männertypischen. Auch die bestausgebildete Frauengeneration, die es heute gebe, bleibe in der Arbeitswelt ein Spielball wirtschaftlicher Interessen.

Breymaier warnte dringend davor, dem über Unterhaltungssendungen und Werbung vermittelten Frauenbild zu trauen. „Die sind alle super erfolgreich, rhetorisch perfekt und haben alles im Griff.“ Die Wirklichkeit sehe ganz anders aus. Auch dass sie selbst in Gewerkschaft und Partei Karriere machen konnte, sei im Grunde dem Umstand zu verdanken, dass sie nicht die Aufgaben einer Mutter mit übernehmen musste. „Ich konnte zu jeder Kundgebung, zu jeder Veranstaltung. Das ist aber nicht das normale Leben.“

Formel für Normalität

Eine Formel hatte Breymaier parat, nach der sich zwischen den Geschlechtern solch ein normales Leben einpendeln könnte. „Wenn Männer heute 40 Stunden arbeiten und Frauen 20, dann wäre das richtige Verhältnis 30 zu 30. „Da müssen wir hinkommen.“ Breymaier meinte aber auch, dass Frauen allein es nicht schaffen, Männer mehr an unbezahlter Arbeit zu beteiligen. „Die Männer müssen mit ins Spielfeld.“

Auch wenn Breymaier von sich selbst sagt, gerne eine große Gosch zu haben, bei einem Thema ist sie sehr ernst. Das Aufblühen von Prostitution und die Ausbeutung der vorwiegend aus Osteuropa geholter Frauen ist für sie ein gesellschaftlicher Skandal. „Wir erleben täglich Menschenrechtsverletzungen mitten unter uns.“ Die Gewerkschaftsfrauen bat Breymaier am Samstag hier nicht wegzuschauen. Denn leider gebe es derzeit noch keine Mehrheit für ein Verbot der Prostitution. „Wir sind gesellschaftlich nicht so weit.“

Der Aufgabenzettel in Fragen der Stellung von Mann und Frau ist für Breymaier lange noch nicht abgearbeitet. „Wir müssen weitermachen, das sind wir allen Elviras dieser Welt schuldig.“

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