Partner der

Durch-, an-, weiterkommen: Voith zeigt, wie es geht

Die berufliche Integration junger Migranten bedarf deutlich mehr als eines lediglich flüchtigen Umgangs mit Flüchtlingen. Voith zeigt, wie es geht.

|
Kennenlerntag im Voith-Ausbildungszentrum: Mal sehen, ob alles passt – Flüchtlinge bei der Anprobe der Arbeitskleidung.  Foto: 

Osman, Jambo, Mohammed und Abdulkader sind pünktlich erschienen, erfüllen damit schon mal eine ganz wichtige Zugangsvoraussetzung für eine Gesellschaft, die ohne die Vertaktung des Lebens nicht mehr funktioniert. Freilich, der sorgsame Umgang mit der Uhr allein wird nicht reichen, damit sich ihr Traum von einer gesicherten Zukunft erfüllt. Durchgekommen bis Deutschland, angekommen in Heidenheim – jetzt geht's ums Weiterkommen, und da sind die jungen Männer an diesem Vormittag bei Voith an der richtigen, weil einer vielversprechenden Adresse.

Sie kommen aus so unterschiedlichen Ländern wie Syrien, Eritrea und Gambia, und noch vor wenigen Jahren hat keiner von ihnen daran gedacht, dass sie eines Tages zusammen an diesem Tisch im Voith Training Center sitzen werden, einem Glanzstück schöner neuer Ausbildungswelt. Mit erwartungsvollen Augen blicken sie auf ein in greifbare Nähe gerücktes Stück Zukunft, das sie nun in die eigenen Hände nehmen wollen. Flankiert von Wegbegleitern, die sich nicht nur auskennen, sondern die es auch gut mit ihnen meinen, die sie auf dieser gemeinsam vereinbarten Wegstrecke ganz sicher fordern werden, sie aber auch mit aller Kraft und ganzem Herzen fördern möchten.

„Mit euch vier wollen wir richtig Gas geben,“ sagt Erwin Krajewski. Eigentlich hatte der langjährig erfahrene Leiter des Ausbildungszentrums acht Plätze für die jetzt beginnende zehnmonatige Einstiegs-Qualifizierung junger Flüchtlinge zur Verfügung. Dass die Hälfte der vom größten Arbeitgeber Heidenheims zur Verfügung gestellten Kapazität ungenutzt bleibt, hat nichts mit einem Desinteresse der Zielgruppe zu tun, sondern liegt daran, dass die an den Start in die Berufswelt geknüpften Mindestanforderungen längst nicht immer mit dem übereinstimmen, was die in der Fluchtburg Heidenheim gelandeten jungen Leute mitgebracht haben. Die schulischen Biographien sind so unterschiedlich wie die Herkunftsländer, und für die Vorbereitungs-Qualifizierung, die der Ausbildung zum Industriemechaniker vorgeschaltet ist, verlangt Voith ein bestimmtes Maß an Sprachkompetenz und auch ein mathematisch-naturwissenschaftliches Vorwissen. „Sonst geht's nicht,“ weiß Krajewski aus Erfahrung, aus der man auch gelernt hat und die jetzt nicht zuletzt dem sich jetzt ins vorberufliche Rennen gehende Flüchtlings-Quartett zugute kommt.

Eine Werksführung und die Anprobe der Arbeitskleidung gehört mit zum Programm des eigens für die jungen Männer arrangierten Kennenlerntages. Latzhosen, Sicherheitsschuhe, Schutzbrillen. Noch wirken sie etwas unbeholfen im ungewohnten Outfit, und auch sonst wird noch viel Neues auf sie zukommen. Wohin die sich nunmehr öffnende Tür zur Arbeitswelt führen wird, ist noch völlig offen. Der Idealfall wäre eine sich anschließende Berufsausbildung, denkbar ist aber auch der Einstieg in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis, bei Voith oder anderswo. Doch wie es auch kommen wird: Fest steht schon jetzt, dass man bei Voith alles daran setzen will, dem potenziellen Nachwuchs eine sehr intensive Betreuung mit auf den Weg zu geben und so einen Einstieg ins Erwerbsleben zu ermöglichen.

Werner Etti wird den Vieren, die alle aus Berufsvorbereitungsklassen der Technischen Schule kommen, in nächster Zeit am nächsten sein. „Ich freue mich, meine Erfahrung an euch weiterzugeben,“ sagt der versierte Berufsausbilder, und Erwin Krajewski glaubt nicht nur irgendwie und ungefähr an den Erfolg der Mission: Die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen, so erklärt er seinen Schützlingen, funktioniert dann, wenn bei diesen Menschen der Wille zur Integration da ist und wenn sie auch von der Gesellschaft als ein Gewinn empfunden wird. Und dann sagt der 51-jährige Krajewski auch noch etwas, das daran erinnert, dass auch die Wurzeln der Einheimischen und waschechten Heidenheimer nicht immer auf Heidenheimer Markung liegen. „Mein Vater kam es dem heutigen Russland, die Mutter aus dem heutigen Tschechien, und hätten sie nicht hier eine Heimat gefunden, wäre ich heute nicht da.“ Eine Biographie, die auch ein Stück weit seine eigene Motivation erklärt: Jungen Menschen wie Osman, Jambo & Co. eine Perspektive zu bieten, „weil es wichtig ist, dass man eine Heimat hat.“

Voith-Chef Hubert Lienhard: Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und braucht lokale Lösungen

Das Flüchtlings-Engagement der Firma Voith ist eingebunden in die Aktionswoche „Wir unternehmen was“ des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

Diese Initiative des VDMA will auf das gesellschaftliche Engagement der Mitgliedsfirmen hinsichtlich einer verantwortungvsollen und nachhaltigen Unternehmensführung aufmerksam machen.

Voith selbst teilt dieses Selbstverständnis und sieht sich in der besonderen Pflicht, Hilfsbedürftigen, die ihre Heimat verlassen mussten, zur Seite zu stehen. Der Technologiekonzern gehört als einer der Initiatoren zu den inzwischen 121 Mitgliedern der bundesweiten Integrations-Initiative „Wir zusammen“. Voith engagiert sich mit einer Ausbildungspatenschaft in dieser Initiative. In Zusammenarbeit mit der Technischen Schule können bis zu acht Flüchtlinge das erste Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker zusammen mit anderen Voith-Azubis beginnen und nach Abschluss dieser Vorbereitungs-Qualifizierung die Lehre fortsetzen, in einen anderen Ausbildungsberuf wechseln oder direkt in eine Beschäftigung gehen.

Neben der jetzt beginnenden Einstiegs-Qualifizierung beschäftigt Voith einen Flüchtling aus Nigeria bereits im dritten Ausbildungsjahr. Ein Syrer mit ausreichenden Fach- und Sprachkenntnissen ist im neu gegründeten Konzernbereich Digital Solutions eingestellt. Darüber hinaus absolvieren derzeit drei weitere Flüchtlinge ein Praktikum bei Voith.

„Die Wirtschaft tut, was im Rahmen ihrer Möglichkeiten geht,“ sagte Voith-Konzernchef Dr. Hubert Lienhard jüngst in einem „Handelsblatt“-Interview. Das Engagement seines Unternehmens begründet er nicht mit dem Fachkräftemangel, sondern vor allem mit gesellschaftspolitischen Motiven.

Der Voith-Chef war in der vergangenen Woche einer der Teilnehmer beim Treffen der Wirtschaftsinitiative „Wir zusammen“ mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt. Von der Politik erwartet Lienhard vor allem noch mehr Einsatz bei der Sprachförderung.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot
Kommentieren

Kommentare

23.09.2016 14:02 Uhr

Antwort auf „Herr Bachmann, lieber Redakteur”

In der Tat ist die Südwestpresse kein rechtsextremistisches oder fremdenfeindliches Propaganda-Organ für Intelligenzflüchtlinge.
Und das ist auch gut so.

Antworten Kommentar melden

23.09.2016 13:38 Uhr

Herr Bachmann, lieber Redakteur

vielen Dank für Ihren Beitrag im Rahmen der Propagandakampagne kommunaler Provinzblätter durch die Bundesregierung. Was würden wir ohne so tolle Beiträge nur machen.

Blöd nur, dass das Volk sich eigene Gedanken macht, selber nachdenkt und nächstes Jahr hoffentlich die derzeitige Regierung abwählt.

Ich für mich habe im Kleinen angefangen und die SWP vor kurzem abbestellt. Eine derartig dummdämliche Berichterstattung unterstütze ich nicht mehr finanziell.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Asyl im Kreis Heidenheim

Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland nimmt zu - auch im Landkreis Heidenheim kommen wieder mehr Flüchtlinge an als in den Jahren zuvor. Hier lesen Sie alles zum Thema Asyl aus Stadt und Kreis Heidenheim.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Das Leben der Sängerin Lia Reyna, die im echten Leben Verena Köder heißt

Die gebürtige Aalenerin Verena Köder veröffentlichte 2012 mit „Purity ihr erstes Album. Unter dem Künstlernamen Lia Reyna arbeitet die 32-Jährige momentan an neuen Songs. weiter lesen

22Y3H