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Digital trauern: Wenn der Toten auch im Netz gedacht wird

Die digitale Welt nimmt längst einen großen Platz in unserem Leben ein – auch wenn ein Mensch stirbt, spielt das Netz mittlerweile eine Rolle.

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Digitales als Grabsteinkunst: Der Schnaitheimer Steinmetz Johannes Moser hat sich von einem QR-Code bei der Gestaltung des Grabmals inspirieren lassen.  Foto: 

Der Mensch ist tot, aber auf Facebook lächelt er noch in die Kamera, seine Urlaubsbilder sind genauso zu sehen wie die Links, die er geteilt hat.

Das soziale Netzwerk gibt es noch nicht so lange und die Programmierer haben sich offenbar nicht wirklich damit befasst, was passiert, wenn ein Nutzer stirbt – das Geburtsdatum kann eingetragen werden, der Sterbetag nicht. Trotzdem kann die Plattform im Trauerfall auch hilfreich sein: Als der Heidenheimer Rechtsanwalt und Stadtrat Horst Mack am 27. August vergangenen Jahres starb, hat seine Tochter dies am Tag darauf in seiner Facebook-Chronik bekanntgegeben.

Digitale Kerzen anzünden

„Das hat mich sehr entlastet“, erinnert sich seine Witwe Elli Nerz, sie habe nicht alle möglichen Leute anrufen wollen. „Am Anfang fällt es einem schwer, das zu erzählen“, sagt sie. Die vielen Kondolenzeinträge sind heute noch unter dem Facebook-Eintrag zu lesen, die Familie lässt Macks Facebook-Seite unverändert stehen. Sie diene den Weggefährten immer noch als Plattform, meint Elli Nerz.

Auch auf der Trauerseite der Heidenheimer Zeitung im Internet (https://trauer.hz.de) können die Hinterbliebenen digital gedenken. Die Todesanzeigen der Zeitung werden in der Nacht zum Veröffentlichungstag automatisch dorthin übertragen. Zu jedem Trauerfall, der in einer Anzeige bekanntgegeben wurde, können kostenlos digitale Kerzen entzündet werden. Jeden Samstag wird auch in der Zeitung veröffentlicht, welche Kerzen von wem und für wen die Woche über neu entzündet wurden.

Eine Gedenkseite freischalten

Beim Aufgeben der Anzeigen bekommt man darüber hinaus einen Code, mit dem eine Gedenkseite freigeschaltet werden kann. Diese Gedenkseite kann mit Bildern oder Videos besonders gestaltet und auch mit einem Passwort geschützt werden.

„Die Idee ist, dass man persönlich Anteil nehmen kann, auch wenn man beispielsweise nicht auf der Beerdigung war oder nicht aus dem Landkreis kommt“, erläutert HZ-Geschäftsführer Martin Wilhelm. Er versteht das digitale Trauerportal als ein ergänzendes Angebot, das die traditionellen Formen des Trauerns erweitern, aber nicht ersetzen soll.

Trauern nur im Internet, das würde Margit Garbrecht aus Steinheim auch sehr kritisch sehen: Die Leiterin einer Selbsthilfegruppe für Trauernde weiß, wie wichtig persönliche Begegnungen in der schweren Zeit nach einem Trauerfall sind. „Auch wenn das Gegenüber nur nickt oder einem die Hand hält, hilft das weiter“, meint sie. Bei Gespräche von Trauernden untereinander würden sich auch oft Gemeinschaften bilden. „Menschen brauchen einen Ort, an dem sie sich verabschieden können, und Rituale, die helfen“, sagt Garbrecht.

Gespräche sind wichtig

Mit den Möglichkeiten des Internets auseinandergesetzt hat sich auch Johannes Moser. Der Steinmetz aus Schnaitheim hat schon vor längerer Zeit QR-Codes in Grabsteinen verarbeitet. Scannt man diese mit dem Handy ein, wird man direkt auf eine Internetseite geleitet – auf der dann beispielsweise Informationen über oder Erinnerungen an den Verstorbenen zu sehen sein könnten.

Bislang gebe es im Landkreis Heidenheim jedoch nur einen solchen Grabstein. „Ich glaube, ich bin da noch der Zeit voraus“, sagt Moser. Gut vorstellen könnte er sich auch, solche schön gestalteten QR-Codes an Ehrengräbern anzubringen, bei denen man sich dann über die bedeutenden Persönlichkeiten informieren kann, die hier begraben sind.

Die Stadt Heidenheim hat zumindest schon einmal den Rahmen für solche Grabmale geschaffen: „QR-Codes wurden in die Bestattungsordnung aufgenommen und sind jetzt erlaubt“, erläutert Pressesprecher Wolfgang Heinecker. Allerdings übernehme die Friedhofsverwaltung keine Verantwortung für den Link, der sich hinter solchen Codes verberge.

Auch in anderer Hinsicht hat die digitale Welt beim Friedhofswesen schon Einzug gehalten: Die Bestattungstermine der Heidenheimer Friedhöfe sind auf der städtischen Homepage zu finden und auch die Türschilder in der neuen Aussegnungshalle auf dem Waldfriedhof werden mittlerweile digital angesteuert.

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