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Die Zither: Ein Instrument für die leisen Töne im Leben

Der Zitherbund sucht einen Bassisten. Der Bisherige hat sich in den Ruhestand verabschiedet – im Alter von 84 Jahren. Ein Probenbesuch.

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  • Zither spielen ist eine Besonderheit. Nur wenige Spieler wagen sich in unseren Breiten an die Saiten. 1/2
    Zither spielen ist eine Besonderheit. Nur wenige Spieler wagen sich in unseren Breiten an die Saiten. Foto: 
  • Peter Schmauder und Sabine Alice im Duett. 2/2
    Peter Schmauder und Sabine Alice im Duett. Foto: 
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Wenn Bier Töne von sich geben würde, es würde sich, ganz klar, nach Volksmusik anhören. Alkohol in Massen und gefällige Melodien mit Gute-Laune-Garantie, dafür ohne Anspruch, sind in unserem Kulturkreis untrennbar verbunden. Peter Schmauder ärgert das. Seit 55 Jahren spielt er Zither. Er liebt diese ursprüngliche, gewachsene Musik. Und die ist, anders als im Musikantenstadl, auf der Schlagerparty oder beim Volksfest, kein bisschen laut.

Mit konzentrierter Miene setzt er sich an den Holztisch, der seiner Zither als Resonanzverstärker dient. Er streift sich den Zitherring über den Daumen, legt die Hände auf die Saiten, rückt sich den Stuhl zurecht. Wenige Takte später ist der Ärger verblasst. Schmauder ist versunken in einem Meer aus sanften Tönen. Vom Scheitel bis zu den Zehen, der ganze Mann ist in Bewegung. Der Oberkörper neigt sich hier- und dorthin, die Füße halten den Takt, die Augen folgen den Fingern, die über die Saiten huschen. „Man muss drei verschiedene Bewegungen synchronisieren, auf den Takt achten und dazu die Noten vorausschauend lesen, um sich gedanklich auf die nachfolgenden Griffe einzustellen. Ich schätze, dass das im Alter fürs Gehirn was bringt; für die Fingerfertigkeit sowieso.“

Schnaithaimer Zitherbund sucht einen Bassisten

Gegründet wurde der Schnaitheimer Zitherbund 1896. Zu Spitzenzeiten gab es 20 aktive Mitglieder, darunter Gitarristen, Bassisten und Hackbrett-Spieler, die in verschiedenen Konstellationen auftraten. Quartett, Schrammelgruppe, Hackbrettgruppe, Volksmusik-Gruppe, Solisten, Anhänger der Wiener Kaffeehaus-Musik und so weiter. Seit sage und schreibe 54 Jahren ist der Bettringer Lehrer Franz Walser Dirigent. Sabine Alice, die Vorsitzende des Zitherbundes, fühlt sich wohl in dem Proben: „Uns eint die Freude am gemeinsamen Musizieren, wir sind eine nette, fröhliche Runde. Es spricht für sich, dass unser langjähriger Bassist erst jetzt aufgehört hat – mit 84!“

Heutzutage ist die Zither als Volksmusik-Instrument der Alpenländer bekannt. Ende der 40er Jahre erlebte das „Klavier des kleinen Mannes“ durch den Kult-Thriller „Der dritte Mann“ enormen Aufwind; das gleichnamige Stück ist weltberühmt. Schmauder: „Plötzlich wollte jeder diese Melodie spielen. Aber nur die Wenigsten sind dabei geblieben. Allein für die Theorie, sagt man, braucht man drei Mal länger als beim Klavier.“ So landeten viele Instrumente auf dem Dachboden, wurden dort teils vergessen – und wiederentdeckt.

Auch die Schnaitheimerin Sabine Alice ist so zur Zither gekommen. Ursprünglich wünschte sie sich ein Klavier, doch dafür war kein Geld da. Also übernahm die damals Zehnjährige das Instrument ihres Onkels. Gemeinsam mit ihrem Papa ging sie zum Unterricht, „der wollte sich endlich seinen musikalischen Traum erfüllen und im Orchester spielen. Er hat dann irgendwann aufgehört.“

Beatles statt Zither-Klänge

Ähnliche Geschichte bei Peter Schmauder. Dessen Bruder hatte Papas alte Zither vom Dachboden geholt. Nach ein paar Wochen verlor er die Lust am Üben – viel zu kompliziert! Außerdem waren nicht Zitherklänge, sondern die Beatles gerade in. „Lass stehen, ich versuch es auch mal“, sagte Peter Schmauder zu seinem Bruder. Der Teenager konnte nicht genug kriegen von diesen leisen und doch so satten Tönen, die so intensiv nachklingen und nachschwingen, dass sie die Seele streicheln. „Natürlich wurde ich von meinen Kumpels deswegen belächelt. Aber das war mir egal. Ich war musikalisch schon immer Außenseiter.“

Sabine und Peter sitzen während des Gesprächs an ihren Instrumenten. Immer wieder streichen ihre Finger über die Saiten, immer wieder beginnen sie unvermittelt zu zupfen. „So klingt das dann“, sagen sie und stimmen ein Lied an, zweistimmig natürlich, wobei der 71-Jährige die Melodie übernimmt, „er ist unser Bester, viele Lieder kann er auswendig.“ Wie die beiden da so sitzen, versunken ins Spiel, sehen sie glücklich aus.

Auftritte des Zitherbunds gehen weiter zurück

Außer einem Jahr Zwangspause wegen einer verletzten Hand hat Schmauder immer gespielt, auch als Alleinunterhalter. „Es waren schöne Jahre.“ Die Wehmut in seiner Stimme, sie spiegelt die Stimmung im Verein wieder. Die Zeit der vielen Auftritte ist vorüber. Sabine Alice, die den Imbiss am Itzelberger See auf Friedhof-Seite übernommen hat, denkt trotzdem nicht ans Aufhören.

„Wir machen uns keine Illusionen. Unsere beiden jüngsten Spieler sind 36, der eine ist mein Sohn Luigi, die andere ist Heike, von Beruf Apothekerin, die schon zwei Mal bei Jugend musiziert den Bundespreis gewonnen hat. Der Großteil unserer Spieler ist dagegen über 70.“ Nachwuchs gebe es kaum. Sabines Nichte hat gerade ihre zweite Unterrichtsstunde hinter sich. Das Mädchen stelle sich gut an, aber ob sie dabei bleibe? Was tun? „Weitermachen“, sagen Sabine und Peter, „weitermachen solange es geht und solange es Freude bereitet.“

Probe ist montags um 19.30 Uhr im Schnaitheimer Jagdschlössle. Kontakt: Sabine Alice, 07321.660104. Zum Vormerken: Am 2. Juli spielt der Zither-Bund im Brenzpark, das Jahreskonzert findet am 29. Oktober im Oetinger Gemeindehaus in Schnaitheim statt.

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