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Christian Schrumpf und seine Suchmaschine Spaactor

Mit „Spaactor“ will Christian Schrumpf durchstarten. Die Suchmaschine wandelt gesprochene Inhalte aus Video- und Audiodateien in Text um.

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Gründer des Start-ups „Spaactor“: Christian Schrumpf, der 1999 am Werkgymnasium sein Abitur gebaut hat.  Foto: 

Immer wenn Christian Schrumpf den Nutzen erklären muss, der hinter seinem Start-up „Spaactor“ steckt, bringt er das Beispiel mit seiner Mutter. „Sie sitzt im Auto, hört während der Fahrt den Sender „B5 Aktuell“, ist an einer Stelle abgelenkt und verpasst just in diesem Moment einen bestimmten Inhalt in der Radiosendung.“

Nun musste sie bzw. ihr Sohn Christian bisher in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks nach der Sendung suchen und sich die Aufzeichnung komplett durchhören, um die Stelle zu finden. „Wenn nun aber ein Stichwort bekannt ist, findet unsere Spracherkennungstechnologie diese Stelle“, verspricht der 37-Jährige, der 1999 am Werkgymnasium sein Abitur gebaut hat. Nach dem Informatikstudium an der Fachhochschule Kaiserslautern-Zweibrücken und einem Master of Science in Bremen, blieb er der Hansestadt treu – und gründete „Spaactor“.

An sich sind Firmengründungen im digitalen Zeitalter nichts Neues. Viele deutsche Start-ups tun sich dennoch schwer, Investoren zu finden, die sich einer Idee annehmen und diese finanziell unterstützen. Christian Schrumpf weiß das, auch wenn er mit seinen sechs Mitstreitern immerhin einen IT-Dienstleister gefunden hat, der das Projekt mitträgt. „Ansonsten finanzieren wir uns vor allem über Werbung.“

Doch was hat es mit „Spaactor“ auf sich? Der Begriff bildet sich aus den beiden englischen Wörtern „Speech“ (Rede) und „Spectator“ (Zuschauer). Das doppelte „a“ soll eine Anspielung auf Google sein, auch sonst hat die Idee von „Spaactor“ einiges mit dem zu tun, was den Internetkonzern auszeichnet. „Google bietet aber zum Beispiel, anders als wir, keine Detailseite, geschweige denn einen Zeitstempel, mit dem sich Gesproches auf die Sekunde genau wiederfinden lässt“, so Schrumpf. Mit der eigenen Spracherkennung schaffe man 80 bis 90 Prozent Treffergenauigkeit, besser bekomme das auch Google nicht hin. „Unser Wörterbuch umfasst im Moment 150 000 Wörter.“ Und das soll noch lange nicht das Ende sein. Zwischen 400 und 800 User nutzen die Seite derzeit am Tag, zwischen 1000 und 6000 Seitenabrufe werden gezählt. Tendenz steigend.

Schon 2007 setzte Christian Schrumpf die Idee mit der automatischen Spracherkennung ein erstes Mal in die Praxis um. Direkt nach dem Studium zeichnete Material aus 50 TV- und Radiosendern auf und transkribierte dieses. „Die Idee damals war es, eine solche Suchmaschine für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.“ Problem damals: das Urheberrecht. „Da hat sich gerichtlich mittlerweile viel getan: Videos und Podcasts in Mediatheken, Youtube, Live-Streams.“

Auch deshalb konnte Christian Schrumpf im Herbst 2014 die Idee erneut angehen, ließ sich dazu aber nochmal von einem Anwalt beraten: „Wenn man öffentlich zugängliche Videos und Audios in der Homepage einbettet, gibt es überhaupt kein Problem.“

Hin und wieder komme es vor, dass auf „Spaactor“ verlinkte Videos zum Beispiel auch gelöscht werden, dann würden diese natürlich auch wieder aus der Suche entfernt. „Dass etwas nicht verfügbar ist, kommt schon mal vor. Wir haben leider keine Handhabe, dass Sendungen wieder gelöscht werden. Aber sonst sind wir fast so aktuell wie möglich.“ Auf 170 TV- und Radiosender hat „Spaactor“ derzeit Zugriff, regelmäßig kommen neue hinzu, langfristig will man international groß werden.

Die wichtigsten Suchbegriffe auf der Website haben meist politische Hintergründe, meistgesuchte Person ist zum Beispiel Angela Merkel, gefolgt von Hilary Clinton, Donald Trump und Wladimir Putin. Weltpolitik ist eben nicht immer einfach. Zu den meistgesuchten Firmen gehören klassischerweise Google, Twitter und Apple – aber eben auch Bayer: das peinliche Aus im DFB-Pokal für Leverkusen und die Monsanto-Übernahme lassen grüßen.

Mit der Suchmaschine „Spaactor“ will Christian Schrumpf langfristig auch den englisch- und spanischsprachigen Markt erobern. Doch wie funktioniert das System?

Mittels einer Spracherkennungstechnologie werden Inhalte aus Video- oder Audiodateien in Text umgewandelt – mit einer Treffergenauigkeit von 80 bis 90 Prozent, verspricht Christian Schrumpf. „Damit sind wir teils sogar besser als Google.“

Auf den Internetseiten und Mediatheken von derzeit insgesamt rund 170 deutschsprachigen Sendern prüft die Software alle Viertelstunde, ob es ein neues Video oder eine neue Audiodatei gibt.

Diese Information wird an „Spaactor“ weitergegeben, gestreamt, von der Spracherkennung gescannt und in der Zwischenzeit mit einem Zeitstempel zu allen möglichen Themen und Namen versehen. „Theoretisch könnte man das auch als komplett ausgewerteten Text lesen“, sagt Schrumpf.

Großes Plus von „Spaactor“ im Vergleich zu anderen Suchmaschinen: das detailgenaue Auffinden von bestimmten gesprochenen Inhalten, die ansonsten höchstwahrscheinlich unauffindbar sind – bzw. nur, indem man mühevoll ein Video von Anfang bis Ende durchhören muss. Das können Personen, Orte, Tierarten, Unternehmen, Marken- oder Produktnamen sein.

Sucht man etwa im Beispielvideo nach Wladimir Putin und Angela Merkel, finden sich insgesamt 15 Erwähnungen der Namen der beiden, die sich direkt anwählen lassen.

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