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Alt-Stadträte über neue Bibliothek: Außen naja, innen gelungen

Hält die Stadtbibliohek auch das Urteil derjenigen Stand, die früher über die Stadtentwicklung entschieden haben? 25 Alt-Stadträten schauen sich den Neubau an.

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Wer Margarete Hannsmann war, muss man den Alt-Städträten nicht erklären. Sie kennen die Heidenheimer Schriftstellerin, die ein nicht unbedingt schmeichelhaftes Buch über ihre Heimatstadt geschrieben hat, zumeist noch aus Lebzeiten.

In den nach der Schriftstellerin benannten Kultursaal in der neuen Stadtbibliothek hatte die Stadt Heidenheim die früheren Stadträte gebeten zum jährlichen Treffen.

Warum sind viele Regale leer?

Hannsmann gab keinen Grund zur Diskussion, die Bibliothek selbst jedoch schon. Unterschiedlich fiel die Beurteilung derer aus, die früher selbst über den Bau eines solches Prestigeobjektes mit entschieden hätten. Innen gefiel letztendlich doch den meisten, was sie zu sehen bekamen. Von außen, so räumten einige ein, könnten sie dem Gebäude nicht viel abgewinnen.

Dass Stadtbild prägende Veränderungen strittig sind, haben dabei viele der Alt-Stadträte selbst erlebt. Viele von ihnen waren zum Beispiel daran beteiligt, als das benachbarte Eugen-Loderer-Zentrum entstand, die Grabenstraße umgestaltet wurde oder die großen Veränderungen auf dem Schlossberg ins Rollen kamen vom Hennennest zum Congress Centrum.

Der kritische Geist ist den meisten Stadträten durchaus geblieben. Sie stellten Fragen, die sie früher vielleicht auch im Gemeinderat gestellt hätten. Ebenso geblieben ist einigen der Blick auf Details, die bei Planungen solcher Objekte wichtig ist. Gefragt wurde nach dem Boden, der Technik, der Lüftung. Aber auch die teils leeren Regale fielen ins Auge. Wurde die Stadtbibliothek doch zu groß gebaut?

Klaus-Peter Preußger begründete die Leerstände plausibel: Beim Umzug habe man sich vielen alten Büchern getrennt, man wolle den Bestand noch erweitern. Zudem seien enorm viele Medien derzeit ausgeliehen. Kein Wunder nach dem „Tsunami an Besuchern“, die die Stadtbibliothek in den ersten drei Wochen erlebt habe.

Dazu gesellten sich Fragen grundsätzlicher Art, ob die Kinder von heute überhaupt noch lesen? Ob man angesichts der Arbeitsmöglichkeiten noch enger mit Schulen und der Hochschule kooperieren werde? Und natürlich stellten einige der Alt-Stadträte die meist alles entscheidende Frage nach den Kosten.

Und quittierten die Antwort von Bauleiter Stefan Bubeck mit einem zufriedenen Nicken: 18,5 Millionen Euro wurden im Haushalt eingestellt, laut der aktuellen Prognose werde dieser Betrag sogar leicht unterschritten.

Stimmen der Gäste: Versöhnung für die Zweifler

Werner Baumhauer (CDU): „Ich gebe zu, ich tue mir schwer mit der Fassade, weil ich konservativ bin. Aber von der Innenarchitektur bin ich beeindruckt, weil es einen großzügigen und hellen Eindruck macht. Angetan bin ich von den vielen Informationsmöglichkeiten hier. Alles in allem ein großer Gewinn für Heidenheim.“

Erhard Lehmann (CDU): „Ich bin begeistert sowohl von der Technik, die aufwändig ausgeklügelt ist, als auch vom Gebäude selbst. Vor allem, wenn man sich die Stadtbibliothek von innen ansieht, muss man sagen: Das ist gelungen. Ich wünsche mir, dass nun viele Menschen hierher kommen und das Angebot auch nutzen.“

Elvira Muschler (SPD): „Ich bin angetan, auch wenn die Bibliothek anfangs gewöhnungsbedürftig und fremdartig ist. Am liebsten würde ich mich in die Kinderecke reinpflanzen. Bestimmt ist es nicht allen leicht gefallen, dem Bau und der Architektur zuzustimmen. Aber jetzt können sich alle Zweifler mit dem Ergebnis versöhnen.“

Ulrich Huber (DKP): „Das hier ist gut angelegtes öffentliches Geld. Von innen gefällt mir der Bibliothek besser als von außen, besonders gut sind die vielen Ruheplätze. Eine besondere Genugtuung ist für mich, dass Margarete Hannsmann durch die Benennung des Saals die verdiente Ehrung in ihrer Heimatstadt erhalten hat.“

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