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Des Malers merkwürdige Motivkombinationen

Auch wenn Jürgen Stimpfig in Wien und Paris studierte und seit Jahrzehnten seinen Lebensmittelpunkt in der französischen Hauptstadt hat, ist er in Heidenheim doch immer willkommen und mittendrin.

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An den Duktus von Kinderzeichnungen erinnert bisweilen die Malerei von Jürgen Stimpfig. Er schafft so aber auch ungeheuer ironische und witzige Bilder. Zu sehen sind diese nun bis zum 16. September im Kunstmuseum Heidenheim.  Foto: 

Und so war es zu erwarten, dass auch die Vernissage im Kunstmuseum am Samstagnachmittag ziemlich gut besucht sein würde. Die große Ausstellung in Heidenheims zentralem Museum im Alten Stadtbad versprach jedoch auch überraschend zu werden. Dies lag vor allem daran, dass der Künstler, als Bildhauer und Zeichner bekannt, sich hier in eine neues Medium geworfen hat: die Malerei.

Dies sei, so Museumsleiter Dr. René Hirner, vor allem darin begründet, dass Stimpfig sich seit 2007 als Dozent im „Atelier des Beaux Arts de la Ville de Paris“ mit der Malerei auseinandersetzen muss – und darüber auch selbst mit dem Malen begonnen hat. Der „europäische Schwabe“ (so Oberbürgermeister Bernhard Ilg in seiner Begrüßung) arbeite mit einer offenen und spontanen Malweise, so Hirner. Ohne Kompositionsskizze lege er los, zeichne mit Kohlestift direkt auf die Leinwand und fixiere dies dann mit Knochenleim. Deshalb schimmere in manchen Bildern auch der rohe, leinenbraune Untergrund durch, den viele andere Maler weiß grundieren.

Stimpfigs Ausbildung zeige sich in den wenigen realistisch wiedergegebenen Gegenständen in seinen Bildern, hauptsächlich pflege er aber eine primitivistische Darstellungsweise: Frauenakte sehen aus wie Kinderzeichnungen, Tiere sind nur schemen- oder umrisshaft gemalt. Damit, so der Kunsthistoriker Hirner, stelle sich Stimpfig in die Tradition der primitiv-expressionistischen Künstler wie etwa die der deutschen Expressionisten der „Brücke“, Jean Dubuffet oder Jean-Michel Basquiat.

Bei der Wahl der Motive machte Hirner zwei Themenkreise ausfindig: dem Primitivismus zugeordnete Tiere, Phantasiewesen, Graffiti, Eulen, Papageien und Paviane, andererseits aber auch akademische Sujets wie Akte, Selbstporträts oder den Künstler im Atelier. Der typische Stimpfig-Stil entstehe aus „merkwürdigen Motivkombinationen“, die dann zu Bildern werden wie dem „Interieur mit Totenkopfstehlampe“, wie auch gleichzeitig der Titel der Ausstellung lautet.

Allen Bildern zugrunde liegend sei jedoch sozusagen als „Metathema“ die Auseinandersetzung mit der Kunst und dem Kunstmachen, also eine Selbstreflexion des Künstlers in Kombination mit der primitiven Malweise.

OB Ilg forderte in seiner Ansprache, Räume für Kunst zu schaffen – was sicherlich eine Anspielung auf die jüngste Debatte im Gemeinderat über die Kosten der neuen Räume im Kunstmuseum für die Sammlung Gunzenhauser war. Jedoch stellte er diese Worte selbst noch in einen anderen Zusammenhang: Es sei wichtig, Raum für Kunst im Terminkalender sowie im Denken und Fühlen zu öffnen, „weil es Geist und Seele guttut“.

Eine Ausstellung, die diesen Ansprüchen genügt, ist sicherlich die jetzt eröffnete von Jürgen Stimpfig.

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