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Der Hausarzt in Zeiten von Ebola: ratlos?

Die Vorbereitungen für einen Ebola-Ernstfall ziehen weitere Kreise. Nach dem Vorbild des Heidenheimer Klinikums organisieren jetzt auch die niedergelassenen Ärzte in Stadt und Kreis eine Task Force. Sie soll eingreifen, wenn plötzlich ein als "Verdachtsfall" erkannter Patient im Wartezimmer sitzt.

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Workshop für Ärzte: Spezialisten demonstrierten verschiedene Schutzanzüge. Im gelben Overall steckt Amtsarzt Christoph Bauer, im grünen Modell der Ärztliche Direktor des Klinikums, Dr. Jan-Peter Schenkengel, beobachtet von Dr. Gerd Backes, langjähriger Geschäftsführer von Sigma Aldrich.  Foto: 

Ein paar mal haben die Alarmglocken im Gesundheitsamt schon geschrillt. Einmal ging ein Heidenheimer Hausarzt davon aus, einen Patienten vor sich zu haben, der mit fiebrigen Symptomen gerade aus Westafrika zurückgekehrt war. Dann hat sich aber rasch herausgestellt, dass der Mann in Äthiopien war und damit aus keinem Endemie-Land gekommen ist. Entwarnung gab's auch in allen anderen Fällen mit verdächtig anmutender Symptomatik, die niedergelassene Ärzte in jüngster Zeit veranlasst haben, vorsichtshalber den Finger zu heben: Ein begründeter Erstverdacht konnte bislang jeweils innerhalb sehr kurzer Zeit ausgeschlossen werden.

„Gott sei Dank,“ sagt ein in Heidenheim praktizierender Arzt, der sich gar nicht vorstellen mag, was sich abspielen würde, wenn seine Praxis von jetzt auf nachher zum Sperrgebiet erklärt werden müsste. Und trotzdem muss er sich dieser Drohkulisse stellen, sich mit der Problematik auseinandersetzen, die auf jeden seiner rund 200 niedergelassenen Kollegen im Kreisgebiet über Nacht zukommen kann. „Augen zu und durch – das wäre mit Sicherheit der falsche Weg.“

„Augen auf“ ist denn auch der Appell, der im Landratsamt vom Fachbereich Gesundheit ausgeht. Bereits im August hat man von dort aus über den Verteiler der Kreisärzteschaft allen Praxis-Inhabern den ersten Infobrief des Landesgesundheitsamtes zukommen lassen, der mittlerweile mehrfach aktualisiert worden ist. Die schriftliche Handreichung gibt Ärzten und medizinischem Personal Hinweise für den richtigen Umgang mit verdächtigen Infektionsfällen, stellt aber keinesfalls sicher, dass im Falle eines Falles tatsächlich die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.

Das hat auch der für das örtliche Gesundheitswesen zuständige Amtsarzt Christoph Bauer erkannt. Zusammen mit Dr. Jörg Sandfort, dem Vorsitzenden der Kreisärzteschaft, hat er alle niedergelassenen Ärzte in dieser Woche zu einem Workshop eingeladen. Knapp 50 Personen waren diesem Ruf gefolgt, was dem Laien angesichts der Problemlage nicht allzu viel erscheint, aus amtlicher Sicht aber eine zufriedenstellende bis gute Resonanz darstellt. Ziel des örtlichen Ebola-Gipfels war es, die an vorderster Front tätigen Mediziner zu sensibilisieren, verschiedene Szenarien durchzuspielen, Fragen zu klären und Strategien zu entwickeln, wie man einer möglicherweise drohenden Gefahr strukturiert begegnen kann.

Dabei zeigte sich rasch, dass die vielleicht naheliegende Reaktion, sich für die eigene Praxis nun ganz schnell eine persönliche Schutzausrüstung zuzulegen, beileibe nicht das Patentrezept ist. Zum einen sind sie nach Kenntnis von Christoph Baur zur Zeit so gut wie ausverkauft, gar nicht mehr zu haben – zum anderen zeigte eine praktische Vorführung durch Fachleute, wie umständlich und risikoreich allein das An- und Auskleiden und wie belastend das Arbeiten in diesen „Raumanzügen“ ist, in denen Überdruck und hohe Temperaturen herrschen.

Zielführender erscheint den Heidenheimer Akteuren, ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept zu entwickeln. Damit nicht jeder Arzt auf eigene Faust herumdoktern, improvisieren und den Ausnahmezustand selbst managen muss, existiert für die niedergelassene Front der Ärzteschaft ein Notfall-Maßnahmenkatalog. Dieses für alle gültige Drehbuch beginnt mit Hinweisen zur Anamnese, gibt dem Arzt also Hilfestellung bei der Abklärung der Frage, ob ein begründeter Ebolafieber-Verdacht vorliegt oder ausgeschlossen werden kann. In einem weiteren Kapitel wird beschrieben, wie Patienten schon in der Praxis isoliert, sich die Helfer selbst schützen und die Übertragungswege minimieren können, die es braucht, bis ein Infizierter in das für Heidenheim maßgebliche Behandlungszentrum nach Stuttgart gebracht werden kann.

Um die für einen solchen Großeinsatz notwendige Schlagkraft entwickeln zu können, sind das Gesundheitsamt und die Kreisärzteschaft dabei, eine aus ausgebildetem und trainiertem Personal bestehende Task Force nach dem Vorbild des Klinikums zu bilden. Dieser im Bedarfsfall einberufenen Sondereinheit gehören neben Notärzten des Klinikums, dem DRK-Rettungsdienst, der weltweit tätigen Voith-Arbeitsmedizin und der im Umgang mit Schutzsystemen erfahrenen Steinheimer Firma Sigma Aldrich unter anderem auch Dekontamination-Experten der Feuerwehr sowie Sicherheitskräfte der Polizei an. Die Koordination dieser Schnelleinsatztruppe, die jetzt gebildet und Ende November ihre Arbeit aufnehmen wird, liegt beim Gesundheitsamt.

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