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Das Samocca-Café wird für eine junge Frau zum Glücksfall

Daria Leschnik aus Schnaitheim lebt mit einer Behinderung. Sie arbeitet künftig im Samocca, dem integrativen Café in der neuen Stadtbibliothek.

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Am liebsten arbeitet Daria Leschnik im Service. Der Kontakt mit Menschen und das positive Feedback hat die junge Frau selbstbewusst gemacht, sagen ihre Kollegen.  Foto: 

Ohne Buch geht bei Daria Leschnik gar nichts. Die 21-jährige ist eine Leseratte. Deshalb geht sie ohne Lesestoff nicht aus dem Haus. Vor allem Thriller und Fantasy-Romane haben es ihr angetan. Wenn diese Bücherliebe nicht ein perfektes Zeichen ist? Denn Daria Leschnik wird künftig an einem Ort arbeiten, wo Bücher eine wichtige Rolle spielen: im Café Samocca in der neuen Heidenheimer Stadtbibliothek. Und darauf freut sie sich schon jetzt ungemein. Schließlich pendelt sie bislang täglich mit dem Zug nach Aalen ins dortige Samocca. Das Heidenheimer Café wird für die Schnaitheimerin ein Heimspiel. Denn einige der Gäste wird sie dort bestimmt kennen, ist sie sich sicher. Außerdem ist der Weg zur Arbeit viel kürzer.

Café mit Entschleunigung

Das Samocca ist ein integratives Café, wo die Samariter-Stiftung Menschen mit und ohne Behinderung zusammen bringt und dabei eine Atmosphäre schafft, die Entschleunigung in den gehetzten Alltag bringt. Wie gut das gelingt, sieht man nicht nur im Stamm-Café in Aalen, das im Jahr 2003 eröffnet wurde, sondern auch an den mittlerweile 16 anderen Standorten, wo soziale Träger nach dem Samocca-Prinzip arbeiten.

Bernd Schäufele, Sozialdienstleiter in der Stiftung, kennt Daria Leschnik seit einem Jahr, als sie als Praktikantin startete, und lobt die Entwicklung der Schnaitheimerin. „Durch die Arbeit hat sie bemerkt, dass sie etwas gut kann, und ist dadurch auch selbstständig geworden.“ Daria Leschnik nickt zustimmend und lächelt. Wo sie am liebsten arbeitet? Die junge Frau überlegt eine Weile uns sagt dann: „Im Service.“ Der Umgang mit den Gästen gefalle ihr gut.

Ihre erste Einsatzstelle war am Samocca-Standort in Oberkochen, der jedoch aus wirtschaftlichen Gründen im März geschlossen wurde. Der Grund? Es war die Lage am Rathaus, zu wenig Laufkundschaft, meint Schäufele. In Heidenheim, da ist er sich sicher, wird das anders sein.

Damit die junge Frau nicht aus der Übung kommt, steht sie bis zur Eröffnung in Heidenheim im November in Aalen hinterm Tresen, bedient Gäste, bereitet in der Küche kleine Speisen zu und verbringt auch Tage am Bildungs- und Kompetenzzentrum der Samariter-Stiftung an Aalen. Dort übt das Team nicht nur praktisch, sondern bekommt wie bei einer dualen Ausbildung auch Theorie vermittelt rund um die Themen Hauswirtschaft und Gastronomie, angefangen von den Hygienevorschriften bis zur Küchenorganisation.

Auf dem regulären Arbeitsmarkt hätte Daria Leschnik wohl wenig Chancen. Mit einem angeborenen Herzfehler und einer leichten geistigen Einschränkung wird sie eingestuft als Mensch mit Behinderung. Ihre Arbeit beim Samocca wird für 27 Monate durch die Agentur für Arbeit bezuschusst. Selbst bekommt sie ein Taschengeld von 200 Euro. Auch danach geht es weiter, finanziert aus anderen Fördertöpfen.

Bis zu 15 Menschen mit Behinderung werden im Heidenheimer Samocca arbeiten, leiten wird es Heilerziehungspfleger Flavio Ferraro, ebenfalls wie Daria Leschnik ein Heidenheimer. Noch sind nicht alle Stellen besetzt. Nicht nur für Behinderte kommt der Job in Frage, sondern auch für Leute mit Erwerbsminderungsrente oder mit psychischen Erkrankungen, erklärt Bernd Schäufele, der das Café gerne als Chance sehen würde für Menschen mit einem Handicap. „Anders als in einer klassischen Behindertenwerkstatt steht man in der Öffentlichkeit und kann zeigen, was man kann.“

Zum Service gehört ein Lächeln

Für Daria Leschnik ist das alles schon ein Kinderspiel. Sie geht hinter die Theke, füllt frisch gemahlenen Kaffee in das Sieb des Kaffeeautomaten. Der gleiche wird später auch einmal in Heidenheim stehen. Während der Kaffee dampfend in die Tasse fließt, bereiter die angehende Barista den Milchschaum vor und häuft diesen dann auf den heißen Kaffee. Am Ende verziert sie den weißen Schaumberg mit dunklem Kakao-Pulver. Den Cappuccino stellt sie zusammen mit einem Glas Wasser auf ein Tablett und jongliert dieses wie ein Profi durch das Café auf die Terrasse.

Sie lächelt. Und die Gäste lächeln zurück.

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