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Chefs im Landkreis Heidenheim suchen noch händeringend nach Auszubildenden

Einige Chefs im Landkreis Heidenheim suchen in diesen Tagen noch händeringend nach Auszubildenden. Nicht nur im Handwerk sind Stellen frei.

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Von allein backen sich die leckeren Kuchen leider nicht. Bäcker Gerhard Wein sucht einen Auszubildenden für seine Backstube – bisher allerdings vergeblich.  Foto: 

Gerhard Wein hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Irgendwo muss es doch brauchbaren Nachwuchs geben für seine Backstube! Ideal wäre einer, der sich für Brezeln und süße Stückchen und Roggenbrot interessiert, der pünktlich ist und zuverlässig, der zupacken und auch mal einen Putzlappen in die Hand nehmen kann. Höflich, teamfähig, selbstständig, gerne auch kreativ. Aber wer erwartet schon den Idealfall? Der Bäckermeister aus Herbrechtingen tut das nicht. Besser gesagt: nicht mehr. „Inzwischen würde es mir schon reichen, wenn der Lehrling Interesse am Backen hat.“

Endspurt für Berufseinsteiger. Obwohl das neue Lehrjahr schon vor ein paar Wochen begonnen hat, suchen noch immer Firmen, Handwerker, Arztpraxen, Fitnessstudios, Autohäuser, Supermärkte im Landkreis nach Azubis oder gar Studenten. Dass sich für die begehrten Stellen nicht im Alleingang geeignete Bewerber finden, mag verwundern. Viele Jugendliche sind ja tatsächlich hochmotiviert und hocherfreut über die Chance, die sich ihnen bietet. Sie knien sich rein, wollen sich beweisen, haben verstanden, dass sie ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung keine Perspektive haben. Doch einige ihrer Altersgenossen sehen das offenbar anders.

Die Schleiferei Heizmann in Söhnstetten kann ein Lied davon singen. In dem 12-Mann-Betrieb wird kontinuierlich ausgebildet, es gibt immer jeweils einen Lehrling im ersten, zweiten und dritten Lehrjahr. Die junge Frau, die nun Industriemechanikerin lernen wollte, hatte zuvor ein Praktikum absolviert, sie war handwerklich begabt und schien Spaß an der Arbeit zu haben. Doch nach ein paar Wochen schmiss sie hin mit der Begründung, der Job sei nichts für sie. Roswitha Heizmann: „Vielleicht ist es inzwischen wirklich so, dass sich niemand mehr handwerklich betätigen will. Wir würden uns jedenfalls über Bewerber mit Hauptschulabschluss freuen.“ Gute Noten seien nicht das Wichtigste. „Wir erwarten Spaß an der Arbeit, den Rest kann man lernen.“

Angebote aus der Region mit Direktkontakt zum Personalverantwortlichen gibt es bei der Handwerkskammer (www.lehrstellen-radar.de). Das Online-Portal der Arbeitsagentur ist nicht ganz so übersichtlich aufgebaut, reinschauen lohnt sich trotzdem. Wer sich Seite für Seite durchklickt, findet überwiegend Anzeigen großer Unternehmen wie McDonalds, LIDL oder Deichmann, aber auch kleine und mittelständische Betriebe sind mit dabei. Nachteil: Die Bewerbung läuft hier meist über die Mitarbeiter der Arbeitsagentur. Eine ordentliche, vollständige Bewerbungsmappe ist Pflicht.

Bis 31. Juli wurden rund 1400 Lehrverträge bei der IHK Ostwürttemberg eingetragen. Für die rund 50 offenen Stellen, die auf deren Internetseite noch Anfang August ausgeschrieben waren, haben sich inzwischen geeignete Bewerber gefunden. Trotzdem müssen sich Interessenten für Berufe in dieser Branche nicht bis 2018 gedulden. Das Autohaus Gungl in Böhmenkirch beispielsweise würde gerne noch einen Kaufmann / eine Kauffrau im Bereich Büromanagement ausbilden. „Wir hoffen, dass wir doch noch jemanden kriegen, auf den wir uns verlassen können“, so Stephanie Gungl. „Es ist uns jetzt schon zwei Mal passiert, dass Azubis nach ein paar Monaten abgesprungen und einfach nicht mehr zur Arbeit gekommen sind.“ Hauptschulabschluss ist Voraussetzung, ein Führerschein wäre von Vorteil, ist aber kein Muss.

Bewerbungen noch möglich

Bei Pauls Sportsclub 53 an der Paul-Hartmann-Straße läuft die Bewerbungsfrist noch bis Mitte November. Angeboten wird ein Duales Studium im Bereich Fitness- und Gesundheitsmanagement. Erwartet wird nicht nur eine allgemeine Fitness, sondern auch das gewisse Etwas: „Wir haben ein paar Leute zum Gespräch eingeladen. Die hatten Abitur oder Fachhochschulreife und waren sportlich. Aber am Ende hat immer das Persönliche nicht gestimmt, und das ist gerade im Fitnessbereich sehr wichtig.“

Aber nicht nur dort. Auch die Giengener Zahnarztpraxis Brückmann sucht nach einer neuen Mitarbeiterin, die „wenigstens ein bisschen kontaktfreudig ist und nicht nur die ganze Zeit auf ihr Handy schaut“. Guido Brückmann hofft auf eine Bewerberin mit Realschulabschluss, Führerschein und Auto. „Ich habe in 28 Jahren Selbstständigkeit schon sehr viel mit Auszubildenden erlebt. Erst diese Woche wieder. Da rief vor ein paar Tagen ein Mädchen an und sagte, sie wolle ihre Unterlagen schicken, bis heute ist nichts da. Trotzdem bin ich gewillt und frohen Mutes.“

Wie gesagt, auch Bäckermeister Wein hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Aber leicht ist das nicht. Was soll man schon sagen, wenn ein 17-jähriger Praktikant einen Besen nicht von einem Schrubber zu unterscheiden weiß und weder mit dem einen noch dem anderen umgehen kann? Was macht man mit einer Bewerbung, die voller Fünfen und Sechsen ist? Was setzt man einem Berufseinsteiger entgegen, der immer nur dann die Uhr im Blick hat, wenn es um Pausen und den Feierabend geht? „Es gab schon Kollegen“, berichtet seine Frau resigniert, „die ihren Lehrlingen mehr Geld dafür bezahlt haben, dass sie pünktlich zur Arbeit kommen. Ist es tatsächlich schon so weit gekommen?“ Gerhard Wein sieht das gelassener. „Es muss sich nur jemand finden, der bei uns anfangen will. Den Rest lernt derjenige dann beim Schaffen.“

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Kommentare

09.11.2017 11:36 Uhr

Auszubildende gesucht

Wenn ich den Bäcker so ansehe dann möchte ich das der mal seine Klamotten wechselt

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