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Carsharing: Wie gut geht das in Heidenheim?

Seit über 18 Jahren greift Familie Staut auf einen „geteilten“ Wagen zurück, den jeder mieten kann, wenn das Fahrrad mit Anhänger mal nicht ausreicht. Wie gut geht das in Heidenheim?

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Statt mit einem eigenen Auto sind sie mit Carsharing-Autos unterwegs: Andrea Staut (rechts) und ihre Tochter Annika.  Foto: 

Ein eigenes Auto hat die fünfköpfige Familie Staut noch nie gebraucht: Mama Andrea fährt schon immer mit dem Fahrrad und einem Anhänger dran. „Bei Kindergeburtstagen war diese kleine Kutsche der Renner“, erzählt die 51-Jährige. Ab April 1999 hat die Familie dann aber doch einmal pro Woche ein Auto gehabt – kein eigenes, sondern ein „geteiltes“.

Möglich war das anfangs durch die Heidenheimerin Linda Mosch, die 1997 die „Top Carsharing GmbH“ gegründet und zwei Autos nach Heidenheim geholt hat, die jeder mieten konnte. Mittlerweile stehen vier solche Fahrzeuge in Heidenheim, die von einem Ford-Autohaus aus Mutlangen gestellt werden. Eins davon in der Hurdenstraße – genau dort, wo die Familie Staut wohnt.

„Eigentlich haben wir damit nur angefangen, weil mein Mann Besuch aus Amerika erwartet hat und wir dachten, dass der nicht Rad fahren will“, erinnert sich Staut. Das hat er zwar dann doch gemacht, aber so hat die Familie die Vorteile des Autos auf Zeit kennengelernt.

Ein Auto, viel zu erledigen

Andrea Staut radelte von da an einmal pro Woche zu einem der beiden Standorte, holte ein Auto, fuhr die Kinder damit zur Schule, und erledigte dann so viel wie möglich, vor allem den Einkauf. „Mein Mann fährt selbst zum Baumarkt mit dem Rad und transportiert ellenlange Bretter, aber das wäre mir zu umständlich“, vergleicht sie. Und nicht nur für den Einkauf, sondern auch für den Urlaub nach Frankreich war das Auto geschickt. Denn wegen der vielen Kilometer hat die Familie sogar Rabatt bekommen.

„Bis auf ein einziges Mal war während der ganzen Jahre immer ein Auto da“, sagt die heute 23-jährige Tochter Annika Staut. Sie ist schon ausgezogen, hat auch kein Auto und mietet lieber eins, ganz nach dem Vorbild ihrer Eltern. Und anders als bei Mietwagen muss sie als Fahranfängerin bei Carsharing nicht einmal höhere Gebühren zahlen.

Die Frauen sind sich einig: Ohne eigenes Auto zu leben ist reine Gewohnheitssache. Beim Fahrrad bleiben sie wegen der Umwelt. „Bei vielen Familien könnte Carsharing wenigstens den Zweitwagen ersetzen“, findet Andrea Staut.

In guten Zeiten nutzten in Heidenheim um die 85Teilnehmer das Angebot, darunter auch die Stadtverwaltung. „Ein Fahrzeug stand damals in der Ploucquetstraße und war für uns gut erreichbar“, erinnert sich Pressesprecher Wolfgang Heinecker. Was die derzeitige Situation angehe, habe die Stadt den Nutzern Vorschläge unterbreitet, an welchen Stellen die Autos abgestellt werden könnten.

Mit diesen bloßen Vorschlägen ist es für Reimund Baur vom Mutlanger Ford-Autohaus aber nicht getan: „In Heidenheim stagniert das Carsharing bei rund 50Nutzern, weil die Unterstützung von der Stadt fehlt“. Anderswo könnte man sich etwa im Bürgerbüro für ein Auto anmelden, da sei die Hemmschwelle geringer als im Internet.

Andrea und Annika Staut sehen das Problem auch darin, dass kein Auto direkt in der Innenstadt steht. „Da gab es wohl vonseiten der Stadt Probleme wegen dem öffentlichem Parkraum“, erinnern sie sich an Gespräche im Rathaus. Für Reimund Baur kein guter Grund: Seit Anfang des Monats sei das Carsharing-Gesetz vollständig in Kraft, und es erlaube, bei Carsharing-Fahrzeugen auf Parkgebühren zu verzichten. Mehr solcher Fahrzeuge in Top-Lagen bringen erfahrungsgemäß mehr Nutzer.

„Geschickt für junge Leute“

Annika Staut meint, dass sich weitere Carsharing-Autos in Heidenheim lohnen würden: „Man muss sich bis auf die Buchung um nichts kümmern. Es ist günstig und daher für junge Leute geschickt“, sagt sie. Der einzige Nachteil sei, dass man eben planen müsse.

Ihre Mama kann davon ein Lied singen: „Einmal habe ich das Auto für den nächsten Morgen gebucht, aber es schon abends mit Kram für den Flohmarkt vollgepackt. Dann kam jemand, der das Auto vorher noch mieten wollte – aber der war ziemlich schnell wieder weg.“

Carsharing in Heidenheim: Kein einfaches Pflaster

Autos teilen kann man in Heidenheim schon seit 1997. Damals hatte Linda Mosch die „Top Car Sharing GmbH“ gegründet und zunächst zwei Fahrzeuge bereit gestellt. Später kam ein drittes dazu, ein Erdgas-Wagen. Über die Jahre kamen rund 50 Nutzer zusammen, die das Angebot regelmäßig nutzten, mehr wurden es aber nicht.

2013 übernahm der Carsharing-Anbieter „Ökostadt Tübingen“ die Geschäfte von Linda Mosch, weil sie die Idee des Carsharing alleine nicht weiter vorantreiben konnte. Es blieb weiter bei drei Autos.

Der neue Anbieter warf ziemlich schnell das Handtuch, weil sich Heidenheim nicht rentiert habe. Die regelmäßigen Carsharing-Nutzer suchten deshalb ein neues Unternehmen.

Seit Anfang 2016 stellt jetzt das Autohaus Baur in Mutlangen Autos zur Verfügung. Sie stehen in der Ottilienstraße, in der Hurdenstraße, im „Dorf in der Stadt“ und gegenüber vom Studentenwohnheim in der Schnaitheimer Straße. Der Preis einer Fahrt hängt von der Zeit und den Kilometern ab. Genaue Infos gibt es unter www.ford-carsharing.de

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